DIK - Deutsche Islam Konferenz - 10. Arbeitsausschuss

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Zehnte Sitzung: Voraussetzungen für islamische Militärseelsorge

Militärseelsorge lautete das Thema des 10. Arbeitssauschusses der Deutschen Islam Konferenz (DIK) am 27. April 2016. Damit wurde der erste Aspekt des derzeitigen Schwerpunkts "Anstaltsseelsorge" behandelt. Das zuständige Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) lud dafür in seine Räumlichkeiten ein. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nutzte die Gelegenheit für eine kurze Begrüßung aller Teilnehmenden und betonte den hohen Stellenwert des Themas in ihrem Ministerium.

Das Gremium tagte unter Leitung des Vertreters des Bundesministeriums des Innern, Ministerialdirigent Ulrich Weinbrenner, Leiter des Stabes Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Integration in enger Zusammenarbeit mit dem Referat BMVg Führung Streitkräfte  (FüSK) III 3 – Innere Führung und Militärseelsorge.

Etwa 1.500 muslimische Soldatinnen und Soldaten

Die Zahl der in der Bundeswehr dienenden Musliminnen und Muslime wird zurzeit auf 1.500 geschätzt. Angelehnt an das Betreuungsverhältnis der christlichen Militärseelsorge, rechtfertigt diese Menge bereits die Beschäftigung eines muslimischen Militärseelsorgers. Außerdem wurde im Gremium die symbolische Bedeutung eines solchen Schrittes betont, der demonstriere, dass Musliminnen und Muslime Teil der Bundeswehr seien.

Organisation und praktische Erfahrungen der christlichen Militärseelsorge

Christliche Militärseelsorge ist in Deutschland auf vertraglicher Basis zwischen Staat und Kirchen organisiert. Dr. Dirck Ackermann, Leitender Militärdekan im Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr, legte in seinem Vortrag die Strukturen, Aufgaben und Herausforderungen der Militärseelsorge dar. Maßgeblich für die evangelische Militärseelsorge ist der Militärseelsorgevertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Evangelischer Kirche in Deutschland aus dem Jahr 1957. Hierin ist festgelegt, dass die Militärseelsorge unter kirchlicher Aufsicht steht, während der Staat für ihre Organisation sorgt und die Kosten trägt. Weiterhin haben Militärgeistliche keinen Dienstgrad, sie stehen außerhalb der militärischen Befehlsstruktur. Die katholische Militärseelsorge wiederum wird durch das Reichskonkordat von 1933 geregelt.

Soldatinnen und Soldaten anderer Glaubensrichtungen

Da zunehmend Angehörige anderer Religionen in der Bundeswehr dienen, wurde im Juli 2015 die „Zentrale Ansprechstelle für Soldatinnen und Soldaten anderer Glaubensrichtungen“ (ZASaG) am Zentrum Innere Führung eingerichtet. Oberstleutnant Carsten Lange stellte die von ihm geleitete ZASaG vor, deren wichtigste Aufgabe darin besteht, den Bedarf an Seelsorge in den Streitkräften außerhalb des christlichen Glaubensbekenntnisses zu ermitteln (hier der Link zum Vortrag). Als Ansprechstelle innerhalb der Bundeswehr steht sie für Anfragen zu religiöser Betreuung oder Ausübung religiöser Praktiken zur Verfügung, bietet jedoch selbst keine Seelsorge an. Darüber hinaus tritt sie in Kontakt mit Vertretern anderer Glaubensrichtungen und vermittelt bei Bedarf externe Seelsorger.

Voraussetzungen für eine muslimische Militärseelsorge

Oberst i.G. Dr. Burkhard Köster, Referatsleiter FüSK III 3 referierte zu den rechtlichen Grundlagen, Perspektiven und Erwartungen an die Militärseelsorge (hier der Link zum Vortrag, hier zur Präsentation). Er stellte die Anforderungen an zukünftige muslimische Militärseelsorger dar, die sich von denen der christlichen Seelsorger ableiten. Die daran anschließende Diskussion brachte Einvernehmen darüber hervor, dass die bestehenden Standards angesichts der hohen Anforderungen an eine solche Tätigkeit nicht gesenkt werden sollten – denn eine muslimische Militärseelsorge „Zweiter Klasse“ sei aus Sicht aller Beteiligten nicht wünschenswert.

DIK-Redaktion

Datum 10.05.2016