DIK - Deutsche Islam Konferenz - Seyran Ateş

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Seyran Ateş

Seyran Ateş ist Rechtsanwältin, Autorin und war Teilnehmerin der Deutschen Islam Konferenz in der ersten Phase.

DIK-Redaktion: Was sind für Sie die wichtigsten Ergebnisse der DIK nach drei Jahren?

Seyran Ateş: Meines Erachtens haben wir noch keine nennenswerten nachhaltigen Ergebnisse im engeren Sinne. Das war auch nicht zu erwarten. Die Einigkeit darüber, dass der Islam integriert werden muss und wir dazu unter anderem die Diskussion über die Gleichberechtigung der Geschlechter, schöne Moscheen, vernünftigen Religionsunterricht und Lehrstühle für "islamisch religiöses Personal" an den Universitäten benötigen war ja schon am Anfang der Islamkonferenz da. An diesen Punkten muss konkreter weitergearbeitet werden.

DIK-Redaktion: Welche Auswirkungen hat Ihrer Meinung nach die Arbeit der DIK für den gesellschaftlichen Diskurs mit und über Muslime in Deutschland?

Seyran Ateş: Ich bin der Überzeugung, dass die DIK dazu beigetragen hat, dass in der Gesellschaft etwas sachlicher diskutiert wird. Zumindest sind die entsprechenden Ansätze da. Die Ernsthaftigkeit der Thematik wurde durch den Staat so deutlich gemacht, dass in der Gesellschaft eine entsprechende Sensibilisierung eine Chance hat. Wenn es auch noch sehr viele kritische Stimmen gibt, die der Ansicht sind, dass es sich um eine reine Showveranstaltung handelt. Diese Kritik gilt es ad absurdum zu führen. Noch kommen nicht alle Diskussionen der Islamkonferenz bei der Mehrheit der Muslime an. Das liegt aber daran, dass die meisten nicht organisiert ist. Demzufolge muss in den nächsten Jahren an mehr Transparenz für die einfachen Bürger gearbeitet werden, sowohl für die Christen und Juden als auch für die Muslime.

DIK-Redaktion: Inwiefern hat Ihre Mitarbeit in der DIK Ihre eigene Arbeit (außerhalb der DIK) beeinflusst?

Seyran Ateş: Meine Arbeit wurde nicht direkt beeinflusst. Ich wurde jedoch bei meinen Vorträgen sehr oft nach meinen Motiven und Einschätzungen zu der Islamkonferenz befragt. Insofern habe ich immer wieder ein Feedback aus der Bevölkerung bekommen, wie sie die Islamkonferenz wahrnehmen.

DIK-Redaktion: Warum ist Ihrer Meinung nach die DIK auch in den nächsten Jahren wichtig?

Seyran Ateş: Weil wir noch keine konkreten Ergebnisse haben, aber auf einem guten Weg dahin sind. Es wäre, erlauben Sie mir eine grobe Bemerkung, töricht jetzt aufzuhören und politisch verantwortungslos. Die Islamkonferenz ist der einzige Ort an dem viele Muslime und Musliminnen aus verschiedenen Richtungen - leider nicht aus allen - zusammensitzen und sich unterhalten müssen und streiten können. Dieser innerislamische Diskurs findet zur Zeit nirgendwo anders statt. Sollte das die Aufgabe eines Staates sein? Ja, im Interesse des Friedens und der gesellschaftlichen Verantwortung, ja. Der Staat mischt sich ja nicht in die Auslegung des Islam ein, sondern befragt verschiedene Ausrichtungen, die wiederum miteinander in Streit geraten. Als säkulare Muslimin und als Frauenrechtlerin kann ich die Verbände in der Islamkonferenz sehr viel direkter mit den Themen der Gleichberechtigung der Geschlechter konfrontieren als auf irgendwelchen Podiumsdiskussionen. Die Verbände müssen mich so ernst nehmen, wie ich sie ernst nehme. Und ich habe die Hoffnung, dass die Verbände etwas von demokratischer Streitkultur gelernt haben, diesbezüglich muss noch viel passieren. Auch aus diesem Grunde ist eine Weiterführung notwendig.

Zusatzinformationen

Das Plenum 2011 tagte in noblem Ambiente.

Ziele der Deutschen Islam Konferenz 2010

Die Deutsche Islam Konferenz ist ein Dialogforum zwischen Vertretern des deutschen Staates und Muslimen in Deutschland. Ziel des langfristig angelegten Dialogs ist, das Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

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Cover - Publikationen

Publikationen

Hier finden Sie das Zwischenresümee der DIK sowie den Flyer der Deutschen Islam Konferenz und andere aktuelle Publikationen als pdf-Dateien zum Herunterladen.

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