DIK - Deutsche Islam Konferenz - Nurhan Soykan

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Nurhan Soykan

Nurhan Soykan ist Pressesprecherin des Zentralrats der Muslime in Deutschland und war Teilnehmerin der Deutschen Islam Konferenz.

DIK-Redaktion: Was sind für Sie die wichtigsten Ergebnisse der DIK nach drei Jahren?

Nurhan Soykan: Die wichtigsten Ergebnisse der DIK sind zum einen, dass der deutsche Staat zum ersten Mal in seiner Geschichte die Muslime als "Teil Deutschlands" ansieht und sich mit Ihnen auseinandersetzt. Diese Äußerung unseres Innenministers hat viel in den Köpfen bewegt, auch bei Muslimen. Mir ist noch mehr bewusst geworden, dass man als Teil Deutschlands verpflichtet ist, sich einzubringen. Es besteht viel Informationsbedarf was Muslime und ihre Lebensweise angeht. Wir müssen unverdrossen Vorurteile abbauen. Dafür hat die Islamkonferenz eine Plattform gegeben. Die Verbände haben sich an die Vertraulichkeitsvereinbarung in den Sitzungen gehalten und haben diese Plattform nicht öffentlichkeitswirksam genutzt. Andere umso besser.

Sie legten großen Wert darauf, dass die vertrauensvolle und sachliche Zusammenarbeit nicht durch populistische Ausbrüche gestört wurde. Erfreulich ist auch, dass die Muslime die Möglichkeit hatten, ihre Treue zur demokratisch freiheitlichen Verfassung zu zeigen, was diverse Studien bestätigt haben. Dabei haben die als konservativ beschimpften Verbände sicher ihre Religiösität nicht verschwiegen. Es waren jedoch hochkarätige ProfessorInnen anwesend, die immer in der Lage waren, die Diskussion um populistische Themen, wie z.B. das Kopftuch, auf ein sachliches und intellektuelles Fundament zu stellen. Könnte man das im Alltag erreichen, bräuchten wir keine Islamkonferenzen.

Eine Bremse für das Arbeitstempo war, dass einige "säkulare Muslime" sich mit gelebter Religiösität schwerer taten, als der Rest der Teilnehmer. Aber ich denke, dass wir gezeigt haben, dass praktizierende Muslime Toleranz nicht nur von anderen erwarten, sondern selbst tolerant sind. Zum anderen sind wichtige Bereiche herausgearbeitet worden, in denen Handlungsbedarf besteht, wie z.B. Moscheebau, Religionsunterricht, Bestattungswesen, die Schaffung theologischer Bildungseinrichtungen und die Stellung der Muslime zu dem Grundgesetz. Das ist ein enormer Schritt, denn wenn man die Aufgaben erst einmal konkretisiert hat, ist die Lösung nicht mehr weit weg.

Der Grund, weshalb konkrete Ergebnisse nicht vorliegen ist, dass die Islamkonferenz auf Bundesebene stattgefunden hat. Hier sind wichtige Empfehlungen ausgesprochen worden, die von den Ländern sicher berücksichtigt werden. Die eigentliche Zuständigkeit für die erarbeiteten Aufgaben, wie z.B islamischer Religionsunterricht, liegt bei den Ländern. Der nächste Schritt wäre also eine Zusammenarbeit der Muslime mit den Landesvertretungen.

DIK-Redaktion: Welche Auswirkungen hat Ihrer Meinung nach die Arbeit der DIK für den gesellschaftlichen Diskurs mit und über Muslime in Deutschland?

Nurhan Soykan: Impulse, die aus der DIK kamen, wie z.B. die Einführung des islamischen Religionsunterrichtes oder Einrichtung islamischer Grabfelder wurden sofort übernommen und diskutiert. Durch die permanente Auseinandersetzung mit diesem Thema wird Muslimen selbstverständlicher begegnet. Das sollte auch das Ziel sein, das die Gesellschaft Muslime als Normalität begreift und teilhaben lässt, sowohl an Rechten als auch an Pflichten.

DIK-Redaktion: Inwiefern hat Ihre Mitarbeit in der DIK Ihre eigene Arbeit (außerhalb der DIK) beeinflusst?

Nurhan Soykan: Als ehrenamtlich Tätige hat mich die Mitarbeit viel Freizeit gekostet, die ich jedoch gern geopfert habe. Ich habe einen Einblick in politische Strukturen bekommen, habe wichtige Persönlichkeiten kennengelernt und an interessanten Sitzungen teilgenommen, die langfristig Erfolge zeigen werden. Im Hinblick auf meine Eigenschaft als Vertreterin des Zentralrats der Muslime bin ich enttäuscht über die Verweigerung der Anerkennung als Religionsgemeinschaft. Man kann nicht, wenn es um die Einschränkung religiöser Rechte geht, die Verbände als "Päpste" der Muslime behandeln und wenn es um Rechte geht, sie als "lockeren Zusammenschluss" abtun, nur weil man gern andere als Religionsgemeinschaft hätte.

DIK-Redaktion: Warum ist Ihrer Meinung nach die DIK auch in den nächsten Jahren wichtig?

Nurhan Soykan: Die DIK ist in den nächsten Jahren wichtig, da die angerissenen Themen noch nicht abschließend behandelt und umgesetzt sind. Im Hinblick auf die Gleichbehandlung der Muslime im verfassungsrechtlichen Sinn als Religionsgemeinschaft sind wir keinen Schritt weiter. Der Herr Innenminister hat seinen Willen zur Gleichstellung in Kairo kürzlich kundgetan. Deshalb bietet es sich an, im Dialog zu bleiben.

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