DIK - Deutsche Islam Konferenz - Zentralrat der Marokkaner

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Der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland

Laut der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" von 2009 im Auftrag der DIK leben heute rund 180.000 Muslime aus Marokko oder deutsche Muslime mit marokkanischen Wurzeln  in Deutschland. Rund 99 % von ihnen gehören der sunnitischen Richtung des Islams an. Im Rahmen des Anwerbeabkommens kamen vor allem in den 1960er Jahren Arbeitsmigranten aus Marokko in die Bundesrepublik. Häufig zogen in den folgenden Jahren auch die Familienmitglieder nach, so dass nun auch Marokkaner in der zweiten und dritten Generation in Deutschland leben. Rund 140.000 Menschen mit marokkanischem Hintergrund haben mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit. Dabei wohnen die meisten laut Studie der DIK in Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Aus diesem Grund hat auch der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland, kurz ZMaD, seinen Sitz in Offenbach, in der Nähe von Frankfurt am Main. Vorsitzender ist Ahmed Ayaou. Seit 2008 existiert der Verband und ist mit 150 marokkanischen Gemeinden in Deutschland vernetzt, 47 Gemeinden sind Mitglieder des ZMaD. Der Verband nimmt für sich allerdings nicht in Anspruch alle marokkanischen Gemeinden in Deutschland zu repräsentieren. Ganz klar distanziert man sich von radikalen Kräften. Mitglied werden könne nur, wer sich klar zu den demokratischen und rechtstaatlichen Prinzipien des deutschen Grundgesetzes bekennt – und das nicht nur auf dem Papier.

Neben Dr. Khaled Hajji ist auch Abdelkader Rafoud Dialogbeauftragter und Migrationsreferent des ZMaD. Rafoud betont, wie wichtig das Bekenntnis zum deutschen Grundgesetz für den ZMaD ist: "Wir sind hier ja in Deutschland und nicht in Marokko. Wir wollen in Frieden und nach den deutschen Gesetzen hier leben." Der ZMaD lehne jegliche Form religiöser Radikalisierung ab. Wichtig sei die gegenseitige Toleranz der Religionen. Dies verlange schon, so Rafoud, die Ethik des Islams. Auch sei es dem ZMaD besonders wichtig, den Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften zu suchen. So besteht eine enge Zusammenarbeit mit katholischen und evangelischen Institutionen in der Region.

Gute Kontakte auch nach Marokko

Enge Verbindungen bestehen auch noch zu der Heimat Marokko: zum marokkanischen Religionsministerium und zur Hassan II. Stiftung, die sich für die Belange marokkanischer Emigranten im Ausland einsetzt. Das Religionsministerium unterstützt den ZMaD vor allem finanziell, trotzdem sei der Verband unabhängig, heißt es von Seiten des Verbandes. Das Religionsministerium mische sich nicht in innere Angelegenheiten ein. Außerdem unterstützt das Ministerium den ZMaD auch bei der Auswahl der Imame, die aus Marokko nach Deutschland kommen. Denn die Imame bleiben in der Regel dauerhaft in Deutschland und werden nicht ausgetauscht.

Der Imam muss beide Kulturen kennen

Der ZMaD setzt sich gleichzeitig für die Ausbildung von Imamen in Deutschland ein. Rafoud ist es wichtig, dass die Imame beide Kulturen kennen und beide Sprachen sprechen – Arabisch und Deutsch. Auch die Predigten in den Moscheen sollen auf beiden Sprachen erfolgen. Das könne zur Völkerverständigung beitragen. "Die theologische Ausbildung ist wichtig, aber Vorbeter sein reicht heute alleine nicht mehr aus", so Rafoud. Der Imam muss innerhalb der Gemeinde immer häufiger auch die Rolle eines Seelsorgers erfüllen. Er vermittelt bei Eheproblemen sowie familiären Konflikten und setzt sich für die Jugendarbeit ein. Deshalb ist es wichtig, dass sich der Imam in der deutschen Kultur und auch mit der deutschen Gesetzeslage auskennt.

Den Islamunterricht an Schulen auf deutscher Sprache bewertet Rafoud ebenfalls positiv. Das hole den Islamunterricht aus den Hinterhöfen in die Mitte der Gesellschaft und mache ihn transparenter.

Netzwerke sind unverzichtbar

Aktuelle Probleme der Marokkaner in Deutschland sieht Rafoud vor allem in sozialen und Bildungsfragen sowie ausländerrechtlichen Fragen. Auch gebe es berufliche und erzieherische Probleme unter den Jüngeren. In diesen Bereichen bietet der ZMaD seinen Mitgliedern ganz konkrete Hilfen in Beratungsstellen an. Gerade in Frankfurt und Offenbach gebe es aber schon sehr gut funktionierende Netzwerke und einen regen Austausch mit Behörden und Verantwortlichen in der Politik.

Eine große Chance sieht Rafoud in der Teilnahme an der Deutschen Islam Konferenz. Hier bekomme man schließlich wichtige Informationen aus erster Hand. Man könne direkt erfahren, wie die Politik oder andere muslimische Vertreter zu bestimmten Fragestellungen stehen. Auch um Netzwerke auf Bundesebene zu knüpfen, sei die DIK ideal. Solche Netzwerke seien unverzichtbar für eine erfolgreiche Integrationspolitik und außerdem eine Bereicherung.  Auch der direkte Kontakt zum Bundesinnenminister hätte schon ein Missverständnis aus dem Weg geräumt, erklärt Rafoud: "Die Äußerung von Bundesinnenminister Friedrich, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, hat mich tief gerührt. Verstanden habe ich sie nicht. Im persönlichen Gespräch mit dem Minister, in dem er seine Äußerung noch einmal erklärt hat, wurde mir einiges klarer. Danach hatte ich ein anderes Verständnis seiner Rede."

Silke Brandt, 05.09.2011

Zur Person: Silke Brandt studierte Politische Wissenschaft und Islamwissenschaft in Hamburg, verbrachte längere Zeit in Kairo und ist seit 2005 Redaktionsmitglied bei Zenith, Zeitschrift für den Orient.

Zusatzinformationen

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