DIK - Deutsche Islam Konferenz - In der DIK vertretene Verbände

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Die Verbände in der DIK

Die muslimischen Gemeinden in Deutschland sind in verschiedenen Dachverbänden und Vereinen organisiert. Sie alle kennzeichnet die Heterogenität ihrer Mitglieder in Bezug auf Herkunft und Konfession. Allerdings haben die meisten Muslime in Deutschland einen türkischen Migrationshintergrund. Sie prägen die größten Dachverbände, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB), den Verbands der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ) und der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş e.V. (IGMG).

Der Großteil der Gemeinden aller Dachverbände bietet über die religiösen Aspekte hinaus vielfältige Angebote, wie Nachhilfeunterricht für Kinder und Jugendliche, Sport und Sprachkurse, Veranstaltungen zum interreligiösen Dialog, oder Begegnungsmöglichkeiten für ältere Menschen. Die islamischen Religionsbediensteten in den Gemeinden, also Imame und alevitische Dedes, verfügen über ein hohes schulisches Bildungsniveau. Viele von ihnen haben die religiöse Ausbildung im Ausland durch den Besuch eines religiösen Gymnasiums und ein Studium an einer Universität erworben. (DIK-Studie Islamisches Gemeindeleben in Deutschland IGLD, 2012). In den muslimischen Verbänden und Vereinen hat sich in einem intergenerationaler Wandel vollzogen. In circa der Hälfte der Gemeinden stellt die Generation der in Deutschland geborenen Muslime die Vorsitzenden beziehungsweise die Gemeindebesucher. Daher gewinnt die deutsche Sprache in den Gemeinden an Bedeutung und der landsmannschaftliche Bezug nimmt ab (ebd. S.40).

Die an der DIK beteiligten Dach- und Spitzenverbände in alphabetischer Reihenfolge:

Ahmadiyya Muslim Jama̛at (AMJ),

(deutsch: Ahmadiyya Muslim Gemeinschaft KdöR)

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinschaft wurde in der Bundesrepublik 1955 gegründet und hat ihren Geschäftssitz in Frankfurt am Main. Der Gemeinschaft angeschlossen sind circa 225 Ortsgemeinden mit rund 35.000 Mitgliedern, was etwa 1,5 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime entspricht. Seit 1984 ist Abdullah Uwe Wagishauser Vorsitzender der AMJ. Die verbandlichen Strukturen sind nach Geschlechtern und Altersgruppen getrennt. Neben der Öffentlichkeitsarbeit hat die Bildungs- und Sozialarbeit einen hohen Stellenwert innerhalb der Gemeinschaft. Das Bundesland Hessen, als regionaler Schwerpunkt der AMJ, hat die AMJ 2013 als erster islamischer Religionsgemeinschaft in Deutschland den Status Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt, Hamburg folgte dieses 2014. In Rheinland-Pfalz hat die Ahmadiyya ebenfalls einen Antrag gestellt. Darüber hinaus ist sie in mehreren Bundesländern (Baden-Württemberg, Berlin, Rheinland-Pfalz) in Dialogformate eingebunden.

Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.

(türkisch: Almanya Alevi Birlikleri Federasyonu, AABF)

Von den circa 500.000 Aleviten in Deutschland, die rund 13 Prozent der hier lebenden Muslime ausmachen, sind etwa 10 Prozent in religiösen Vereinen organisiert. Zudem bezeichnen sich zwei Drittel der Aleviten in Deutschland selbst als Muslime (DIK-Studie Muslimisches Leben in Deutschland MLD, 2009). Die Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. (AABF) tritt als Dachverband von 120 alevitischen Ortsgemeinden in Deutschland auf. Der in Köln ansässige Verband wurde 1989 gegründet. Vorstandsvorsitzender ist Hüseyin Mat.

In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen ist die AABF bereits als Religionsgemeinschaft[i] anerkannt. Anträge zur Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts hat die AABF in Berlin und Nordrhein-Westfalen gestellt. Überdies hat Hamburg 2013, neben DITIB und VIKZ, einen Vertrag mit der AABF geschlossen. In Bremen und Niedersachsen werden ähnliche Verträge angestrebt.

Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland – Zentralrat e.V. (IGBD)

Insgesamt leben rund 500.000 Muslime aus Südosteuropa in Deutschland, was der zweitgrößten Herkunftsgruppe entspricht und einen Anteil von circa 14 Prozent an allen in Deutschland lebenden Muslimen ausmacht (MLD, 2009). Viele davon stammen aus Bosnien. Die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland – Zentralrat e.V. (IGBD), unter Vorsitz von Edin Atlagić, ist der Dachverband der bosniakischen Muslime. Er wurde 1994 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Wiesbaden. Eigenen Angaben der IGBD zufolge, unterhält der Verband 61 Moscheegemeinden mit etwa 30.000 Mitgliedern. Ferner ist die IGBD assoziiertes Mitglied des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland e.V. (IRD) sowie des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD)

Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland e.V. (IGS)

Die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland e.V. (IGS), der etwa 138 Moscheevereine angehören, wurde 2009 gegründet. Sie hat ihren Sitz in Berlin, der Vorsitzende ist Mahmoud Khalilzadeh. Die IGS ist in der DIK seit 2014 eingebunden.

In Deutschland sind die Schiiten mit circa 7 Prozent der Muslime (etwa 280.000 Personen) die drittgrößte Glaubensrichtung des Islams (MLD, 2009). Hauptherkunftsländer der Schiiten in Deutschland sind Iran sowie Irak, Libanon und Afghanistan. Rund 10 Prozent der Schiiten in Deutschland sind in religiösen Vereinen organisiert (MLD 2009).

Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V. (IRD)

Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V. (IRD)[ii] mit Sitz in Köln vertritt als islamischer Dachverband in Deutschland 448 Moscheegemeinden mit circa 40.000 bis 60.000 Mitgliedern. Vorstandsvorsitzender des 1986 gegründeten Verbandes ist Burhan Kesici. Der IRD umfasst 17 Mitgliedsorganisationen und setzt sich im Wesentlichen aus der Islamischen Gemeinschaft MillîGörüş e.V. (IGMG) und ihr nahestehenden Organisationen zusammen.

Auch innerhalb der IGMG hat sich bereits ein intergenerationaler Wandel vollzogen. Die Gemeindevorsitzenden sowie die Gemeindebesucher gehören zu je ungefähr zwei Dritteln zu den in Deutschland lebenden Nachfolgegenerationen (IGLD, 2012).

Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.

(türkisch: Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, DİTİB)

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) ist die größte muslimische Organisation in Deutschland. Sie vertritt etwa 700 bis 900 Ortsgemeinden, von insgesamt rund 2.350 islamischen und alevitischen Gemeinden in Deutschland (IGLD, 2012). Vorsitzender ist seit August 2014 Prof. Dr. Nevzat Yaşar Aşıkoğlu. Die DITIB, die ihren Geschäftssitz in Köln hat, wurde 1984 auf Initiative des türkischen Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet İşleri Başkanliği, kurz Diyanet) gegründet. Die Imame der meisten DITIB-Gemeinden sind Bedienstete der Diyanet, die diese aus der Türkei entsendet. Die Mehrheit der DITIB-Imame hat ihre Ausbildung durch ein Studium in islamischer Theologie oder der bekenntnisfreien Islamwissenschaften erworben. Der überwiegende Teil von ihnen hat ein religiöses Gymnasium oder eine private religiöse Bildungseinrichtung besucht (IGLD, 2012).

Die Leitung der Moscheegemeinden obliegt lokalem Personal, das nicht von der Diyanet ausgewählt wurde. Auch in den DITIB-Gemeinden zeigt sich der intergenerationelle Wandel. So entstammt über die Hälfte der Gemeindevorsitzenden und Gemeindebesucher der zweiten und dritten in Deutschland lebenden Generation (IGLD, 2012).

Die DITIB verfügt über ein breites Tätigkeitsspektrum, sie ist Trägerin von Integrationskursen und bietet zahlreiche Bildungs-, Sport- und Kulturangebote an. Die Länder Bremen und Hamburg haben 2013 Verträge mit DITIB-Landesverbänden, der Schura und dem Verband der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ) geschlossen. In Hessen wurde der DITIB-Landesverband als Religionsgemeinschaft[iii] anerkannt. Auch in anderen Bundesländern laufen Verhandlungen zu vergleichbaren Verträgen mit DITIB- Landesverbänden.

Türkische Gemeinde in Deutschland e.V. (TGD)

Die Dachorganisation Türkische Gemeinde in Deutschland e.V. (TGD), deren Hauptsitz Berlin ist, wurde 1995 gegründet und bündelt laut Eigenangaben 260 Einzelvereine in Deutschland. Bundesvorsitzende sind seit Mai 2014 Safter Çinar und Gökay Sofuoğlu. Die TGD versteht sich als Interessensvertretung der in Deutschland lebenden türkeistämmigen Menschen und setzt sich für deren rechtliche, soziale sowie politische Gleichstellung und Gleichbehandlung ein.

Die TGD erreicht viele der türkeistämmigen Bürgerinnen und Bürger, die sich häufig auch als Muslime verstehen. Sie ist von Anfang an Mitglied der DIK. Da die TGD keine religiöse Organisation, sondern eine Migrantenselbstorganisation ist, gestaltet sie innerhalb der DIK die spezifisch religiösen Inhalte nicht mit.

Verband der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ)

Der Vorläuferverein des Verbands der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ) wurde bereits 1973 gegründet, womit der VIKZ der älteste islamische Dachverband in Deutschland ist. Dem Verband mit Sitz in Köln sind circa 300 selbstständige Moschee- und Bildungsvereine angeschlossen. Vorsitzender des VIKZ ist seit 2012 Ali Ataullah Demirezen. Neben der religiösen Betreuung der Gemeinde ist die Bildungsarbeit ein bedeutendes Tätigkeitsfeld des VIKZ, so auch die Ausbildung von Imamen. Im Gegensatz zu Imamen von DITIB und IGMG hat die deutliche Mehrheit der VIKZ-Imame ihre religiöse Ausbildung an einer privaten Einrichtung erworben (IGLD, 2012). Auch auf die religiöse Bildung von Jugendlichen wird Wert gelegt, dafür betreiben der VIKZ und seine Mitgliedsvereine bundesweit mehrere Schülerwohnheime.

Bremen und Hamburg 2013 haben nicht nur Verträge mit der DITIB, sondern auch mit dem VIKZ geschlossen. Daneben prüfen auch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Saarland, ob der VIKZ die Voraussetzung einer Religionsgemeinschaft[iv] erfüllt. In Nordrhein-Westfalen liegt ein Antrag des VIKZ auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts vor. Ferner strebt Schleswig-Holstein eine Kooperation mit dem Verband an.

Zentralrat der Marokkaner in Deutschland e.V. (ZRMD, auch ZMaD abgekürzt)

Etwa 180.000 Muslime in Deutschland stammen aus Marokko oder haben marokkanische Wurzeln, ein sehr großer Teil von ihnen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Verband, dessen Vorsitzender Ahmed Hammouti ist, wurde 2008 gegründet und hat seinen Sitz in Offenbach. Der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland (ZRMD) erhebt nicht den Anspruch, alle marokkanischen Gemeinden in Deutschland zu repräsentieren. Nach eigenen Angaben vertritt der Verband circa 100 Moscheegemeinden, wovon 47 Gemeinden eingetragene Mitglieder des ZRMD sind. Insgesamt ist der ZRMD mit 150 marokkanischen Gemeinden in Deutschland vernetzt. Der Verband wird vom marokkanischen Staat unterstützt. In Kooperation mit dem marokkanischem Ministerium für religiöse Angelegenheiten und Stiftungen findet die Auswahl der Imame statt, die aus Marokko nach Deutschland kommen und in der Regel dauerhaft bleiben.

Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD)

1994 wurde der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD) gegründet. Unter dem Vorsitz von Aiman Mazyek zählt der in Köln ansässige Dachverband heute etwa 300 Moscheengemeinden, circa 15.000 - 20.000 Mitglieder und 24 Mitgliedsorganisationen. In Nordrhein-Westfalen wird zurzeit geprüft, ob der ZMD die Voraussetzungen für eine Religionsgemeinschaft[v] erfüllt. Die im ZMD gebündelten Organisationen sind besonders heterogen, unter anderem finden sich hier Organisationen von Konvertiten, frankophone Muslime und Organisationen mit Bezug zu arabischen und nordafrikanische Länder.

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[i] Im Sinne von Artikel 7, Absatz 3 Grundgesetz. Dies berechtigt zur Erteilung des islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen.

[ii] Die Mitgliedschaft des IRD in der DIK wurde 2010 aufgrund mehrerer Verfahren, unter anderem wegen Verdachts auf Steuervergehen gegen seinen größten Mitgliedsverband die IGMG, suspendiert. Nach dem Rücktritt des damaligen Generalsekretärs Oğuz Üçünçü im Februar 2014 laufen keine Strafverfahren mehr gegen den Vorstand der IGMG, daher nimmt der IRD in dieser Legislaturperiode wieder an der DIK teil.

[iii] wie i

[iv] wie iii

[v] wie iv

DIK-Redaktion

Datum 07.01.2015

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