DIK - Deutsche Islam Konferenz - Tagung Islamische Sozialethik - Islamische Sozialethik in Deutschland

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Islamische Sozialethik in Deutschland

Tagung zur Islamischen Sozialethik am 4. und 5. November 2015 in Nürnberg

Die Tagung "Islamische Sozialethik: Theologische Reflexionen, organisatorische Bedürfnisse und Praxisbeispiele", die am 4. und 5. November 2015 in Nürnberg stattfand, widmete sich erstmals den theologischen Grundlagen islamischer Wohlfahrtspflege in Deutschland aus wissenschaftlicher Sicht.

Das Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa (EZIRE) hatte mit Unterstützung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge die Tagung organisiert. Die über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus der Wissenschaft, vor allem den islamisch-theologischen Zentren, den islamischen Verbänden sowie der interessierten Fachöffentlichkeit.

Konstruktiver Austausch zwischen islamisch-theologischen Zentren und islamischen Verbänden

Die teilnehmenden islamischen Dachverbände (DITIB, VIKZ, AMJ, ZMD, IGS und IRD) waren hochrangig vertreten. Den KRM vertrat dessen derzeitiger Sprecher Dr. Zekeriya Altuğ. Für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) nahm Dr. Ingolf Hübner (Vorstandsbüro der Diakonie Deutschland) teil. Daneben kamen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus muslimsichen Vereinen und Gemeinden, die in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Familienhilfe, Frauenhilfe, Seniorenarbeit und Flüchtlingshilfe aktiv sind.

Die inhaltliche Schwerpunkte waren:

  • Zur theologischen Begründung einer islamischen Sozialethik (Prof. Dr. Harry Harun Behr, Frankfurt)
  • Das islamische Stiftungswesen: Grundlagen und Perspektiven (Dr. Martin Kellner, Osnabrück)
  • Die Zakat im Islam: Eine Annäherung aus Sicht der Sozialethik (Dr. Mahmoud Abdallah, Tübingen)
  • Überlegungen zu einer islamischen Sozialethik als neuem Forschungsfeld  der islamischen Theologie in Deutschland (Dr. Mark Chalîl Bodenstein, Frankfurt)
  • Die Grenzen des Ehrenamts – Sozialethische Überlegungen (Prof. Dr. Tarek Badawia, Erlangen)

Muslimische Gemeinden berichten von breitem sozialen Engagement

Diesen Impulsvorträgen wurden Diskussionsbeiträge der islamischen Verbandsvertreter bzw. des KRM gegenübergestellt. Dabei drückten alle Redner den Wunsch aus, die praktischen Ansätze der Verbände mit der noch neuen akdemischen Arbeit zu verzahnen. Es war Konsens, dass die wissenschaftliche Entwicklung einer islamischen Sozialethik die islamisch motivierte Arbeit in den Gemeinden befruchten könne, solange die praktische Ebene von der Wissenschaft hinreichend wahrgenommen würde. Ebenso bestand Einigkeit darin, dass es heute und in Zukunft religiös begründeter Sozialethik bedarf.

In Workshops wurden darüber hinaus praxisnahe Themen muslimischen sozialen Engagements vertieft:

  • Flüchtlingshilfe
  • Kinder- und Jugendarbeit
  • Familienhilfe
  • Frauenhilfe
  • Seniorenarbeit

Beiderseitiger Wunsch nach weiterer Zusammenarbeit

Hier berichteten die muslimischen Aktiven und über ihre Tätigkeiten und stellten diese anschließend auf einem Podium vor. In der anschließenden Diskussion kristallisierten sich folgende Erkenntnisse:

Das soziale Handeln muslimischer Personen und Gemeinden vor Ort ist eindeutig muslimisch motiviert. Motive sind Nächstenliebe, Dienst am Menschen, Dienst an der Gesellschaft. Dies erforderte bisher aber nicht unbedingt eine explizite theologische Rechtfertigung.

Die Vernetzung der aktiven muslimischen Gemeinden und Verbände untereinander sollte verbessert werden, um Errungenschaften (Erlangen von Trägerschaften, Durchführung von Projekten etc.) gegenseitig auszutauschen und zugänglich zu machen.

Weitere Tagungen würden begrüßt werden, da sie dem weiteren Austausch und der Vernetzung dienen.

Auf dem Podium wurden zudem diese Bedarfe deutlich formuliert:

  • Öffentliche finanzielle Förderung muslimischen sozialen Handelns, um das überwiegend ehrenamtliche Engagement zu entlasten
  • Ideelle Unterstützung von öffentlicher/ staatlicher Seite, um insbesondere in der Flüchtlingshilfe Barrieren abzubauen, die aufgund eines verbreiteten Mißtrauens gegenüber muslimischem Engagement bestehen
  • Professionalisierung, um Angebote in qualifizierte hauptamtliche Hände überzuführen und stabile Strukutren zu schaffen (Kooperationen mit islamisch theologischen Zentren, etablierten Wohlfahrtsorganisationen, erfolgreichen muslimische Organisationen)

DIK-Redaktion

Datum 20.11.2015