DIK - Deutsche Islam Konferenz - Zahlen, Daten, Fakten

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Wer predigt den Islam in Deutschland?

Die Berufsgruppe Imam existiert offiziell nicht und wird daher auch nicht registriert. Wir wissen aber, dass in Deutschland etwa 2500 islamische Einrichtungen bestehen. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei mindestens zweitausend dieser Einrichtungen um Moscheevereine handelt. Anhand der Zahl der Moscheevereine kann man auf die Zahl der Imame schließen. Mit relativer Sicherheit können wir daher sagen, dass etwa zweitausend Imame in Deutschland tätig sind. Wenn man davon ausgeht, dass pro Moschee etwa 150-250 Muslime die Freitagsgebete besuchen (Zahl kann steigen, wenn der Freitag auf einen Feiertag in Deutschland trifft oder in den Schulferien liegt), dann erreichen die zweitausend Imame drei- bis fünfhunderttausend Muslime alleine an einem Tag pro Woche.

Die Hauptherkunftsländer der Imame

Zwischen 3,8 bis 4,2 Millionen Muslime leben in Deutschland. Während Frankreich einen maghrebinisch geprägten Islam und England einen indo-pakistanisch geprägten Islam aufweist, ist der Islam in Deutschland eindeutig türkisch geprägt. Mit etwa 2,7 Millionen stellen die türkeistämmigen Migranten (Türken, Kurden) den größten Teil der Muslime dar. Sie dominieren das islamische Leben in Deutschland mit ihren zahlreichen religiösen Strukturen. Wir können davon ausgehen, dass ca. 70 Prozent der Imame türkeistämmig sind. Ein Großteil der restlichen 30 Prozent verteilt sich auf Ex-Jugoslawien und Nordafrika. Über 90 Prozent der Imame in Deutschland stammen nach wie vor aus dem Ausland. Nur die wenigsten sind in Deutschland sozialisiert.

Bildungs- und Ausbildungshintergrund der muslimischen Autoritäten

Imame sind keine homogene Gruppe. Das soziale und intellektuelle Gefälle unter ihnen ist sehr groß. Der Bildungs- und Ausbildungshintergrund der Imame lässt sich vor diesem Hintergrund folgendermaßen klassifizieren:

a) Imame, die ein theologisches Studium absolviert haben. Sie weisen die höchste Qualifikation unter allen Imamen auf. Hierbei spielt allerdings eine Rolle, in welchem islamischen Land, an welcher Universität, das Studium abgeschlossen wurde.

b) Imame, die in einem privaten Bildungszentrum einer islamischen Organisation ausgebildet worden sind (wie z.B. Imame des Verbandes der Islamischen Kulturzentren). Sie weisen zwar eine solide Grundbildung auf und sind in der Regel in Deutschland sozialisiert, aber sind eben keine Akademiker.

c) Imame, die eine klassische Ausbildung in einer Madrasa (klassische islamische Institution) genossen haben. Memorieren und Imitieren gehören zu den wesentlichen Grundelementen ihrer Pädagogik.

d) Imame, die eine religiöse Mittelschule bzw. religiöses Gymnasium (Imam-Hatip-Schulen) besucht haben.

e) Imame, die Autodidakten sind, d.h. sie haben sich durch Selbststudium Kenntnisse über den Islam angeeignet. Diese Art von Studium ist allerdings auch mit Risiken verbunden, weil nur selektiv im Studium vorgegangen wird. Das ganze Spektrum der islamischen Theologie wird nicht erfasst.

Von Gastarbeitern, Touristen und Beamten – Aufenthalts- und Beschäftigungsverhältnis der Imame

Ähnlich wie die Qualifikation, variiert auch das Aufenthalts- und Beschäftigungsverhältnis der Imame. Grob lässt sich das Spektrum wie folgt skizzieren:

a) Beamte: Die Imame der DITIB (Türkisch-Islamische Union) sind beispielsweise Beamte des türkischen Staates. Ähnlich wie Diplomaten werden sie nach einem Rotationsverfahren ca. alle vier Jahre ausgetauscht. Sie haben in der Regel das sicherste Beschäftigungsverhältnis und werden entsprechend gut entlohnt. Mittlerweile wird denjenigen Imamen, die sich gute Deutschkompetenzen angeeignet haben, angeboten ihren Aufenthalt zu verlängern, um in der DITIB in Deutschland weiterhin tätig zu sein (z.B. als Religions-Attaché).

b) Angestellte: Imame dieser Kategorie verfügen ebenfalls über einen relativ sicheren Einkommens- und Aufenthaltsstatus. In der Regel wachsen sie in den jeweiligen Organisationsstrukturen (wie z.B. VIKZ) auf und werden auch von diesen ausgebildet. Sie bleiben dieser Organisationslinie lebenslang treu.

c) Pendel-Imame: Einige Imame reisen mit einem Touristenvisum ein und müssen alle drei Monate ausreisen, um wieder in die Bundesrepublik Deutschland einreisen zu können. Die Altersstruktur unter diesen Imamen ist relativ hoch. Viele pensionierte DITIB-Imame befinden sich in dieser Kategorie. Ihr Beschäftigungsverhältnis ist ziemlich unsicher. Da in der Regel die Moscheegemeinde den Lohn des Imams bezahlt, sind oft Konflikte zu verzeichnen. Der Fluktuationsprozess der Imame in dieser Kategorie ist entsprechend hoch. Ihr Lohn hängt zudem von der Größe und Zahlungsbereitschaft der Gemeinde ab.

d) Heiratsmigranten: Die Gruppe von Imamen ist aufgrund von Heirat mit einer Frau aus Deutschland eingereist. Sie haben durch ihre Ehefrau einen gesicherten Aufenthaltsstatus. Aufgrund ihrer Qualifikation finden sie später in Moscheen eine Anstellung als Imam. Eingestellt werden sie entweder als Vollzeit-, Teilzeit- oder Hilfs-Imam (nur an Wochenenden). Aufgrund ihres generell höheren Bildungsniveaus und ihrer größeren Erwartungshaltung sind sie oft mit ihrer Situation unzufrieden.

e) Inländer: Eine kleine Gruppe von Imamen ist in Deutschland aufgewachsen, für ein Islam-Studium in die Türkei oder in ein arabisches Land (in der Regel Syrien, Ägypten, Saudi-Arabien oder Jordanien) gereist und nach dem Studium wieder nach Deutschland eingereist. Trotz eines Studiums ist ihre Situation ähnlich wie bei den Imamen in der Kategorie der Heiratsmigranten. Viele von ihnen wünschen sich daher, als Lehrer für islamischen Religionsunterricht in Deutschland zu arbeiten.

f) Gastarbeiter: Das sind die Imame der ersten Stunde. Sie sind in den 1960er Jahre als Gastarbeiter eingereist und haben bei der Organisierung und Weiterbildung der Muslime eine zentrale Rolle gespielt. Ihre Bildung geht meist auf den Besuch einer religiösen Schule oder auf einen Privatunterricht in den Gemeinden der Herkunftsländer zurück. Bis in die 1980er Jahre hinein, haben viele dieser Gastarbeiter-Imame parallel zu ihrer Schichtarbeit, die Rolle des Imams in Moscheen übernommen. Im Rentenalter sind sie nach wie vor als Hilfs-Imame aktiv.

Prof. Dr. Rauf Ceylan, 06.11.2009.

Zur Person: Prof. Dr. Rauf Ceylan ist Sozial- und Religionswissenschaftler an der Universität Osnabrück und schult im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung Imame in der Türkei zwecks ihres Dienstes in Deutschland. Er ist Autor der Studie "Prediger des Islam – Imame in Deutschland. Wer sie sind und was sie wirklich wollen." Das Buch erscheint im Frühjahr 2010 im Herder-Verlag.

Zusatzinformationen

Personen im Gespräch in einer Moschee sitzend

Leitfaden "Dialog - Öffnung - Vernetzung"

Eine Projektgruppe der DIK hat einen Leitfaden für die gesellschaftskundliche und sprachliche Fortbildung von religiösem Personal und weiteren Multiplikatoren islamischer Gemeinden auf kommunaler Ebene entwickelt.

Mehr: Leitfaden "Dialog - Öffnung - Vernetzung" …

Bundesinnenminister Dr. Schäuble und Prof. Abdullah Takim

Von einer Initiative zu einem gemeinsamen Weg

Der damalige Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble berief 2006 die Deutsche Islam Konferenz ein. Er schuf so einen gesamtstaatlichen Rahmen für die Pflege der Beziehungen zwischen dem deutschen Staat und den Muslimen in Deutschland.

Mehr: Von einer Initiative zu einem gemeinsamen Weg …