DIK - Deutsche Islam Konferenz - Projektgruppe "Fortbildung von religiösem Personal"

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Modellkonzept für Imamfortbildungen

Moscheegemeinden, Kommunen und Integrationsminister wünschen sich Imame, die gut Deutsch sprechen, die Lebenswelt ihrer Gemeindemitglieder und die Strukturen vor Ort kennen, die gut vernetzt sind und bei Problemen weiterhelfen können.

In Deutschland sind solche Imame noch in der Minderheit. Um dies zu ändern, hat sich die Deutsche Islam Konferenz mittel- und langfristig für den Einsatz von in Deutschland aufgewachsenen bzw. ausgebildeten Imamen ausgesprochen. In ihrem Arbeitsprogramm im Mai 2010 hat sie zudem beschlossen, kurzfristig ein Modellkonzept für die Fortbildung von bereits in Deutschland tätigen Imamen in den Bereichen Sprache und Gesellschaft zu entwickeln.

Die Projektgruppe

Unter der Leitung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, welches selbst bereits über vielfältige Erfahrungen mit Imamfortbildungen verfügt, tagte von September 2010 bis Februar 2011 eine knapp 20-köpfige Projektgruppe. Sie bestand aus Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen, islamischen Organisationen und Einzelpersonen der Deutschen Islam Konferenz sowie externen Experten und Mitarbeitern von Universitäten.

Ausgehend von Erfahrungen aus bisherigen Imamfortbildungen hat die Projektgruppe auf der Plenarsitzung im Frühjahr 2011 ein Konzept vorgelegt, welches insbesondere Kommunen bei der Durchführung von Fortbildungen unterstützen soll.

Ziel der Fortbildungen ist es, die Integration und Partizipation muslimischer Migranten zu fördern und Moscheen, aber auch Kommunen, noch weiter interkulturell zu öffnen. Zum einen geht es darum, das Handlungsspektrum der Teilnehmer zu erweitern, sei es durch bessere Sprachkenntnisse, Kontakte zu relevanten Institutionen vor Ort oder das Wissen um z.B. das deutsche Bildungssystem oder die Notwendigkeit von Engagement in bestimmten Problembereichen. Zum anderen können Kommunen und andere Institutionen in die Lage versetzt werden, durch qualifizierte Ansprechpartner in Moscheen und alevitischen Cem-Häusern ihre Kooperationen weiter auszubauen und mit ihren Angeboten noch mehr Adressaten zu erreichen.

Das Konzept

Die Projektgruppe hat zunächst die bereits laufenden oder abgeschlossenen Imamfortbildungen erörtert und darauf aufbauend erste Eckpunkte entwickelt. So soll sich die Fortbildung neben Imamen und alevitischen Religionsbediensteten auch an Multiplikatoren (z.B. weibliche Religionsbeauftragte) und Vorstandsmitglieder richten und als Baukastensystem angeboten werden, um genügend Flexibilität für die konkrete Situation vor Ort zu lassen. Insgesamt wird viel Wert darauf gelegt, dass es sich nicht um eine klassische frontale Fortbildung handeln soll, sondern vielmehr der Austausch zwischen den muslimischen Teilnehmern und staatlichen Institutionen bzw. öffentlichen Einrichtungen im Vordergrund stehen soll. Eine Verbesserung der Sprachkompetenz wird ebenso angestrebt. Die Herausforderung bestand vor allem darin, ein Konzept zu entwickeln, welches die Ziele möglichst schnell, effizient und kostengünstig erreichen lässt. Denn in Deutschland gibt es schätzungsweise über 2000 Imame. Mit den Fortbildungen in Deutschland – nicht berücksichtigt sind hier seit 2002 mit Unterstützung des Auswärtigen Amts stattfindende Fortbildungen in der Türkei für nach Deutschland kommende Imame – konnten bisher ca. 200 Imame erreicht werden.

In mehreren Sitzungen wurde gemeinsam der ca. 80 Seiten umfassende Leitfaden „Dialog-Öffnung-Vernetzung“ entwickelt und auf der Plenarsitzung der Deutschen Islam Konferenz 2011 vorgestellt.

Die Diskussionen in der Projektgruppe verliefen sehr konstruktiv und in vertrauensvoller Atmosphäre. Jede Seite brachte sich mit ihren Erfahrungen ein. Entstanden ist ein anschaulicher Leitfaden mit Vorschlägen für sprachliche und gesellschaftskundliche Module, hier u.a. zu den Themen Verhältnis von Staat und Religion, Bildung, interreligiöser Dialog, freiheitlich-demokratische Grundordnung, Beratung von Familien, Frauen und Jugendlichen, Öffentlichkeitsarbeit und politische Partizipation. Darüber hinaus enthält der Leitfaden Empfehlungen zu Konzeption und Koordination der Fortbildung (Zusammensetzung der Teilnehmergruppe, mögliche Projektträger) sowie zur Durchführung (Finanzierung, Zeitplanung, Öffentlichkeitsarbeit).

Die kommunalen Spitzenverbände unterstützen eine möglichst breite Umsetzung des erarbeiteten Modellkonzepts. So wurde z.B. die elektronische Fassung des Leitfadens an alle Mitgliedsstädte des Städtetages versandt. Darüber hinaus wurde der Leitfaden bisher knapp 500 Mal in gedruckter Form von verschiedenen Interessierten angefordert. In Kürze wird der Leitfaden auch in türkischer Sprache erscheinen und damit gezielt noch mehr Imame und Moscheevorstände erreichen. Zur Verteilung der Kosten auf mehrere Schultern können in einer Anschubphase von 2011-2013 Anträge auf Kofinanzierung beim Europäischen Integrationsfonds und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellt werden. Eine speziell zu diesem Zweck eingerichtete Koordinierungsstelle im Bundesamt berät bei der Antragstellung sowie allgemeinen konzeptionellen Fragen. Zahlreiche Kommunen haben bereits konkretes Interesse signalisiert.

Mehr zu diesem Thema

Leitfaden "Dialog-Öffnung-Vernetzung"

Koordinierungsstelle "Fortbildung von religiösem Personal"

DIK-Redaktion, 20.07.2011

Zusatzinformationen

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Leitfaden "Dialog - Öffnung - Vernetzung"

Eine Projektgruppe der DIK hat einen Leitfaden für die gesellschaftskundliche und sprachliche Fortbildung von religiösem Personal und weiteren Multiplikatoren islamischer Gemeinden auf kommunaler Ebene entwickelt.

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Detailansicht einer Moscheetür

Neue Koordinierungsstelle "Fortbildungen von religiösem Personal und Multiplikatoren islamischer Gemeinden" 

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Die Aleviten beten nicht in einer Moschee, sondern in einem Cem-Haus und Ihr Geistlicher ist kein Imam, sondern ein Dede. Die alevitische Journalistin Mely Kiyak erläutert das Amt des alevitischen Geistlichen.

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