DIK - Deutsche Islam Konferenz - Religionsunterricht

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Islamischen Religionsunterricht einführen

Islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache soll als reguläres Unterrichtsfach an öffentlichen Schulen eingeführt werden. Darüber besteht Konsens innerhalb der Deutschen Islam Konferenz. Ganz neu ist das nicht.

Schon 2001 hatten sich die Regierungschefs von Bund und Ländern darauf verständigt. Bislang existiert islamischer Religionsunterricht jedoch nur in Form von Modellversuchen.

Damit sich das ändert, hat die Untergruppe "Wege zu einem islamischen Religionsunterricht" der Arbeitsgruppe 2 die verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung der jüngsten Rechtsprechungen umfassend aufgearbeitet. Dies soll dazu beitragen, möglichst rasch von den Übergangslösungen der Modellversuche zu einem ordentlichen Fach "Islamischer Religionsunterricht" zu kommen.

Das neue Fach soll von in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden. Da Bildung in Deutschland Sache der Bundesländer ist, erfolgen alle Schritte in enger Kooperation mit den jeweiligen Kultusministerien.

Ein Muss: Die verfassungskonforme Religionsgemeinschaft

In Deutschland legen die Religionsgemeinschaften die Grundsätze des Religionsunterrichts selbst fest, da die Behörden des religiös-weltanschaulich neutralen Staates dazu keine Befugnis haben.

Das setzt allerdings voraus, dass eine "Religionsgemeinschaft" im Sinne des Artikels 7 Absatz 3 des Grundgesetzes besteht. Unter anderem müssen dafür folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Der Zusammenschluss der Gläubigen kümmert sich um die umfassende Erfüllung der durch das religiöse Bekenntnis gestellten Aufgaben.
  2. Die Erfüllung dieser religiösen Aufgaben steht im Zentrum der Aktivitäten und ist nicht nur ein Aspekt neben weiteren, etwa sozialen oder kulturellen Schwerpunkten.

Hierdurch unterscheiden sich "Religionsgemeinschaften" insbesondere von "religiösen Vereinen", die sich nur partiell der Erfüllung religiöser Aufgaben widmen.
Für die Einrichtung von islamischem Religionsunterricht ist es allerdings nicht erforderlich, dass die in Betracht kommenden Religionsgemeinschaften wie die großen christlichen Kirchen Körperschaften des öffentlichen Rechts sind.

Eine Religionsgemeinschaft darf auch Angehörige unterschiedlicher, aber verwandter Glaubensbekenntnisse umfassen. Im Fall des Islam wäre die Anerkennung von Koran und Sunna als gemeinsame Glaubensgrundlage ausreichend.

Neben diesen formalen Kriterien dürfen die Lehren der Religionsgemeinschaft weder den in Artikel 79 Abs. 3 des Grundgesetzes beschriebenen fundamentalen Verfassungsprinzipien widersprechen noch die Grundrechte Dritter oder das freiheitliche Religions- und Staatskirchenrecht gefährden.

Ein Minimum: Mitgliederzahl und Beständigkeit

Auch wenn der rechtliche Begriff der "Religionsgemeinschaft" keine Mindestgröße vorsieht, müssen die Zahl der Mitglieder und ihre Organisationsform eine gewisse Beständigkeit garantieren. Dies gilt besonders mit Blick auf die Einführung von Religionsunterricht als "ordentlichem Lehrfach", wofür die Landesschulgesetze eine dauerhafte Mindestschülerzahl von acht Schülern pro Jahrgangsstufe vorschreiben.

Diese Anforderungen beruhen auf der Tatsache, dass die Einführung eines neuen Schulfaches viel Aufwand bedeutet. Bei nur vorübergehendem Bedarf kann dieser nicht betrieben werden.
Da Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach für alle Mitglieder der jeweiligen Religionsgemeinschaft ein Pflichtfach – mit Abmeldemöglichkeit – ist, muss die Zugehörigkeit der Schüler bzw. ihrer Eltern zur Religionsgemeinschaft eindeutig geregelt sein.

Ein Team: Kultusministerien und Religionsgemeinschaft

Bei der Einführung eines regulären islamischen Religionsunterrichts sind auf staatlicher Seite die Länder – in der Regel die Kultusministerien oder nachgeordnete, beauftragte Behörden – Kooperationspartner der Religionsgemeinschaften.

Denn auch wenn die religiösen Grundsätze des Unterrichts durch die Religionsgemeinschaften festgelegt werden, so unterliegt er doch der staatlichen Schulaufsicht. Sie achtet vor allem auf die Qualifikation der Lehrkräfte sowie die Einhaltung pädagogischer und wissenschaftlicher Standards.

Religionsgemeinschaften und staatliche Stellen entwickeln gemeinsam Lehrpläne, die den Ansprüchen beider Seiten gerecht werden.

DIK-Redaktion, 24.11.2008

Zusatzinformationen

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