DIK - Deutsche Islam Konferenz - Schülerpotenzial

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Schülerpotenzial für islamischen und alevitischen Religionsunterricht

Islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen gibt muslimischen Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, sich mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen und über religiöse Themen auch in deutscher Sprache nachzudenken. Die Deutsche Islam Konferenz (DIK) hat sich daher dafür ausgesprochen, dass bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache als Schulfach eingeführt wird und die Voraussetzungen hierfür konkretisiert.

Religionsunterricht für 650.000 Schüler möglich

Etwa 650.000 Schülerinnen und Schüler im schulpflichtigen Alter von 6 bis unter 18 Jahren würden an einem islamischen oder alevitischen Religionsunterricht im Rahmen des regulären Unterrichts an öffentlichen Schulen in Deutschland teilnehmen, wenn es ein solches Angebot gäbe. Etwa 580.000 Schüler würden den islamischen Religionsunterricht besuchen und etwa 70.000 Schüler den alevitischen Religionsunterricht. Die Ermittlung dieser Zahlen erfolgte auf Basis der Daten der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" (MLD), einer bundesweit repräsentativen Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, die im Jahr 2008 im Auftrag der DIK durchgeführt wurde.

Grafik:Schulische und außerschulische Religionsunterweisung christlicher und muslimischer Schüler

Muslimische Schüler weichen bisher auf Ethikunterricht aus

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass aufgrund eines fehlenden Unterrichtsangebots im Bereich Islam muslimische Schülerinnen und Schüler in Deutschland insgesamt vergleichsweise selten an bestehenden Formen des Religionsunterrichts oder Ethikunterrichts teilnehmen. Während nur knapp jeder fünfte christliche Schüler kein entsprechendes Unterrichtsfach besucht, ist es bei den muslimischen Schülern jeder Zweite (s. Tabelle 1). Deutlich höher als bei Christen ist die Beteiligung am Ethikunterricht mit einem Anteil von 26 Prozent. Zahlreiche muslimische Schüler scheinen also auf den Ethikunterricht auszuweichen, da an vielen öffentlichen Schulen kein islamischer Religionsunterricht stattfindet. Laut Studie nehmen darüber hinaus bereits 11 Prozent der muslimischen Schüler an bundesweit bestehenden Angeboten des islamischen Religionsunterrichts teil. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die offiziell aus maßgeblichen Ländern gemeldeten Zahlen darunter liegen und mit ca. 25.000 teilnehmenden Schülern (Stand Schuljahr 2009/2010) eine gesicherte Untergrenze darstellen.

Betrachtet man die außerschulische Religionsunterweisung, also insbesondere den Koranunterricht in Moscheen, zeigt sich, dass lediglich ein gutes Drittel der muslimischen Schüler dieses Angebot zum Zeitpunkt der Befragung oder früher wahrgenommen hat. Ein Großteil der muslimischen Schüler bleibt somit ohne eine Unterweisung im eigenen Glauben. Islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen kann also eine Lücke schließen, die die aktuellen schulischen und außerschulischen Angebote an religiöser Unterweisung offen lassen.

Viele Muslime wünschen sich einen islamischen Religionsunterricht

Dass es einen hohen Bedarf gibt, zeigen auch die Ergebnisse über die Meinung der muslimischen Befragten im Alter ab 16 Jahren zur Einführung islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen (s. Tabelle 2).

Grafik: Befürwortung islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen der muslimischen Befragten nach Religiosität (in Prozent)

76 Prozent befürworten die Einführung eines solchen Schulfachs. Dabei fällt auf, dass bei zunehmender Religiosität auch häufiger islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen gewünscht wird. 86 Prozent der stark gläubigen Muslime sprechen sich für ein solches Angebot aus. Bemerkenswert ist, dass auch knapp die Hälfte der nicht religiösen Muslime islamischen Religionsunterricht befürwortet. Offensichtlich halten auch weniger Religiöse eine Unterweisung muslimischer Schülerinnen und Schüler in Glaubensinhalten des Islams für wichtig.

Von den Aleviten befürworten insgesamt 78 Prozent einen alevitischen und/oder islamischen Religionsunterricht. 64 Prozent sprachen sich für einen getrennten alevitischen Religionsunterricht aus. (s. Tabelle 3).

Grafik: Befürwortung eines alevitischen und islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen der muslimischen Befragten nach Religiosität (in Prozent)

Anja Stichs und Susanne Kappe, 21.11.2011

Zusatzinformationen

Kinderhand mit Buntstift füllt Arbeitsblatt über die Kaaba aus.

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