DIK - Deutsche Islam Konferenz - Die Rolle der Medien im Integrationsprozess

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Für eine differenzierte Berichterstattung

Kopftuchtragende Frauen von hinten, bärtige Terroristen, dunkelhaarige Gewalttäter - das Bild, das in deutschen Medien häufig von Menschen muslimischen Glaubens gezeichnet wird, ist oft unvorteilhaft oder steht mit Gewalttaten in Verbindung. Die Arbeitsgruppe 3 "Wirtschaft und Medien als Brücke" der DIK fordert daher eine verantwortungsvolle, vorurteilsfreie und differenzierte Berichterstattung.

Auch alltagsnahe Themen sollten vorkommen und der Beitrag muslimischer Vielfalt zu einer gemeinsamen Kultur in Deutschland gewürdigt werden. Mehr qualifizierte Mitarbeiter mit Migrationshintergrund in den Redaktionen der Fernseh-, Hörfunk- und Printmedien brächten mehr interkulturellen Sachverstand und neue Blickwinkel in die Medien. Dazu sollten zwei Fachkonferenzen beitragen, an denen Vertreterinnen und Vertreter der Medien, der Wissenschaft und der Politik teilnahmen.

Das Islambild in Deutschland: Neue Stereotype, alte Feindbilder?

"Wenn sich jemand in der evangelischen Kirche engagiert, nennen wir das Ehrenamt, aber wenn sich jemand in der Moschee engagiert, ist das Parallelgesellschaft." Diese Auffassung des nordrhein-westfälischen Integrationsministers Armin Laschet teilten viele der 200 Gäste der Fachkonferenz "Das Islambild in Deutschland", die Ende Februar 2008 gemeinsam mit der Herbert-Quandt-Stiftung in Berlin durchgeführt wurde.

Lale Akgün, islampolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, nannte eine wesentliche Ursache für das negative Image: unzureichende Selbstdarstellung der Muslime. "Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und uns fragen, was wir für unsere Selbstdarstellung getan haben", stimmte Ayman Mazyek vom Zentralrat der Muslime zu. Kai Hafez, Kommunikationswissenschaftler aus Erfurt, äußerte sich besonders kritisch und sprach von einer regelrechten Negativagenda einzelner Medien. Inwieweit die Ereignisse des 11. Septembers 2001 zum negativen Bild des Islam in deutschen Medien beigetragen haben, wurde ebenfalls diskutiert.

Medien in Deutschland: Integrationshemmnis oder Chance?

Auf Einladung des Bundesinnenministeriums kamen rund 80 Journalisten, Politiker und Medienwissenschaftler Mitte Juni 2008 nach Berlin ins Bundespresseamt, um über die Rolle der Medien im Integrationsprozess zu diskutieren. "Bad news are good news and good news are no news". Frei nach diesem Motto werde in den Medien berichtet und dadurch ein unvollständiges Bild von Migrantinnen und Migranten geliefert, das sie überwiegend in Problemzusammenhängen darstelle, wie Lutz Tillmann, Geschäftsführer des Deutschen Presserates an verschiedenen Beispielen dokumentierte.

Ein differenzierter Blick sei erforderlich, so der Tenor der Tagungsgäste, und das gelänge unter anderem durch mehr Medienschaffende mit Migrationshintergrund. Bislang sind Migranten hier deutlich unterrepräsentiert. Eine veränderte Berichterstattung kann deutschsprachigen Medien neue Leser, Hörer und Zuschauer bringen. Denn die Rede vom Medienghetto, in das sich beispielsweise die türkischstämmige Bevölkerung zurückzieht und ausschließlich muttersprachliche Medien konsumiert, ist nachweislich falsch, so Prof. Hans-Jürgen Weiß vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin, dessen Studie diese These widerlegt. Im Ergebnis forderten die Konferenzteilnehmer, dass Presseleute sich ihrer Verantwortung neu bewusst werden müssten, kritisch über Entstehung, Wirkung und Konsequenzen von Veröffentlichungen zu reflektieren.

DIK-Redaktion, 24.11.2008

Mehr zu diesem Thema:

Vortrag von Prof. Dr. Hans-Jürgen Weiß, Freie Universität Berlin: "Mediennutzung und Integration der türkischen Bevölkerung in Deutschland" (pdf, 170 KB)

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