DIK - Deutsche Islam Konferenz - Adopt a child/student

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Ideenpreis "Adopt a child/student!"

Ein Gewinner des Ideenpreises 2010

Studierende sollen im Projekt "Adopt a child/student!" für ein muslimisches Kind die "Patenschaft" übernehmen, indem sie mit ihm regelmäßig Freizeitaktivitäten unternehmen, wie Projektgründerin Nohma El-Hajj erläutert.

Frage: Wie ist die Idee für das Projekt entstanden?

Die aktuelle Integrationsdebatte hat uns sehr geärgert. Ja, es gibt durchaus Gesprächsbedarf, doch meist bestimmen Personen wie Thilo Sarrazin die Diskussion, mit oftmals unsachlichen, undifferenzierten und falschen Beiträgen – wobei die, um die es eigentlich geht, gar nicht zu Wort kommen. So entstand bei uns der Wunsch, selber aktiv zu werden. Ganz konkret kam die Idee auf, als meine kleine Schwester ihren vierten Geburtstag feierte. Die anderen Kinder, die zu Besuch kamen, sprachen fließend Arabisch, aber nur gebrochen Deutsch. Das hat mich sehr schockiert. Als ich dann ein Buch nahm und ihnen auf Deutsch vorlas, machten alle wissbegierige, große Augen. Ganz offensichtlich waren sie klug und interessiert. Soweit ich das einschätzen kann, schauen sie zu Hause viel Fernsehen und kommen mit Büchern kaum in Berührung. So lernen sie schlecht Deutsch und ihre natürliche Neugierde wird nicht gefördert. Das wollen wir durch "Adopt a child/student!" ändern. Die Paten sollen mit "ihrem" Kind an Orte gehen, die es womöglich gar nicht kennt: in die Bücherei, ins Theater, ins Kino.

Frage: Was versprechen Sie sich davon?

Wir wollen die Kinder anregen, zu lesen und sich für ihre Umwelt zu interessieren – eine Grundlage für eine gute Bildung, die wiederum zu einem gestärkten Selbstbewusstsein und Erfolg in der Schule führt. Das Projekt soll ihre Eigenständigkeit fördern, so dass sie lernen, eigene Fragen zu stellen. Im Idealfall werden sie dadurch später zu selbstbewussten, kritischen Bürgern.

Frage: Sie richten sich ausdrücklich an muslimische Kinder und Studierende. Warum?

Damit wollen wir Vorbehalte ausräumen, die es auf Seiten der Eltern geben könnte. Immerhin kommt ja eine fremde Person in den Haushalt, um etwas mit ihrem Kind zu unternehmen. Wenn der Pate dieselbe Religion und Sprache hat, ist das eine gute Vertrauensbasis. Ansonsten spielt Religion in unserem Projekt keine weitere Rolle. Die religiöse Erziehung ist allein Sache der Eltern.

Frage: Es klingt, als bräuchten alle muslimischen Kinder eine Bildungsförderung.

Nein, das stimmt so nicht. Sowohl Sunya Baaroun, mit der ich das Projekt zusammen gestalte, als auch ich haben Abitur, ich bereite mich außerdem auf ein Medizinstudium vor – dabei sind auch unsere Eltern Muslime. Viele Freunde und Bekannte, die aus dem gleichen Umfeld kommen wie wir, studieren oder schreiben gerade an ihrer Doktorarbeit. Aber es gibt eben auch die anderen Fälle. Ich bin in einem Ort im Ruhrgebiet aufgewachsen, der einen hohen Ausländeranteil hat. Da habe ich mitbekommen, dass viele Eltern ihre Kinder gar nicht fördern. Meine eigenen Eltern haben viel Wert darauf gelegt, dass wir eine gute Bildung bekommen. Davon profitiere ich jetzt, und das möchte ich durch unser Projekt weitergeben.

28. Oktober 2010, Interview von Thilo Guschas mit Projektgründerin Nohma El-Hajj

Zusatzinformationen

Gruppenbild Preisverleihung Integrationspreis

Verleihung des Integrationspreises 2010

Sechs vorbildliche Projekte sind am 12. November mit dem Integrationspreis 2010 ausgezeichnet worden. Ausgewählt wurden sie aus insgesamt 186 Bewerbungen von einer unabhängigen Jury.

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Jugendliche schwenken die deutsche Fahne aus Fenster

Projekte von und mit Muslimen

Ob im Sport, Dialog, in Kunst und Kultur oder in der Seelsorge: Deutschlandweit gibt es zahlreiche vorbildhafte Projekte von und mit Muslimen. Viele haben sich um den Integrationspreis 2010 beworben. Hier stellen wir Ihnen einige vor.

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Cover von Broschüren

Ergebnisse und Dokumente der DIK

Hier finden Sie alle Ergebnisse und wichtigen Dokumente der DIK zum Download.

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