DIK - Deutsche Islam Konferenz - Fußball für Bad Godesberg

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1. Preis "Kinder- und Jugendfußball für Bad Godesberg"

1. Platz des Integrationpreises 2010

"Warum seid ihr heute hier?", fragt Younis Kamil Abdulsalam und schaut in die Runde. Vor ihm sitzen etwa 25 Jugendliche, Mädchen und Jungen. Es ist die erste Jugendversammlung des Vereins Internationaler Sportclub AlHilal Bonn, kurz ISC AlHilal Bonn. Das arabische Wort "Al Hilal" bedeutet "Halbmond". Der gemeinnützige Sportverein mit Sitz im Bonner Stadtteil Bad Godesberg bietet neben Fußball auch Schwimmen und Volleyball an. Momentan hat der Verein rund 900 Mitglieder aus über 21 Herkunftsländern. Die meisten Mitglieder sind Muslime.

Kamil Abdulsalam ist 26 Jahre alt und Sportwissenschaftler. Mit fünf Jahren kam er mit seinen Eltern aus dem Sudan nach Deutschland. Beim ISC AlHilal Bonn ist er Sportwart und hat zudem die Fußballsparte des Vereins gegründet. Der 16-jährige Mohamed Akdidach meldet sich, um auf dessen Frage zu antworten: "Wir müssen uns gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund stark machen. Deshalb bin ich hier." Der Gymnasiast erklärt, er habe sich den Verein ausgesucht, weil er viele Kulturen kennenlernen möchte. "Hier ist jeder willkommen, wir verstehen uns und tauschen uns aus." Er ist in Deutschland geboren, seine Eltern kommen aus Marokko. Amir Dziri fügt hinzu: "Unser Verein kann Jugendlichen eine Perspektive bieten. Es ist wichtig, selbst etwas zu bewegen." Der 26-Jährige mit tunesischen Wurzeln hat dieses Jahr sein Studium in "Middle Eastern Studies" in Bonn abgeschlossen. Beim ISC AlHilal ist er als Jugendfußballtrainer aktiv.

Fußballprojekt orientiert an kultureller Vielfalt

Nach der Vollversammlung geht es für einige der Jugendlichen direkt zum Fußballtraining auf einen Sportplatz in Bad Godesberg. ISC AlHilal Bonn hat erst seit Mitte Oktober Jugendfußballmannschaften. Zuvor gab es lediglich ein Seniorenteam. Kaum ist Kamil Abdulsalam auf dem Platz, ist er von Kindern und Jugendlichen umringt. Er trägt einen blau-schwarzen Jogginganzug mit der Aufschrift "ISC AlHilal Bonn". Kamil Abdulsalam, selbst Fußballtrainer und Trainerausbilder, hat das Projekt "Kinder- und Jugendfußball für Bonn" gegründet. Es besteht aus zwei Phasen: Zunächst hat der Verein 15 Jugendfußballtrainer geschult, die nach einer viermonatigen Ausbildung eine DFB-Trainerlizenz erhalten haben. Vier Frauen waren dabei. In der zweiten und aktuellen Phase bauen diese Trainer sechs Jugendfußballmannschaften auf, darunter zwei Mädchenteams. Das Projekt basiert auf ehrenamtlicher Mitarbeit von Vereinsmitgliedern und läuft zunächst zehn Monate lang.

Der Sportwissenschaftler erklärt: "Sehr viele Kinder kamen mit dem Wunsch auf mich zu, Fußball für den ISC AlHilal spielen zu wollen. Viele von ihnen sind schon lange bei uns in der Schwimm-Gruppe und identifizieren sich mit dem Verein." So sei die Idee zum Projekt entstanden. "Uns ist es wichtig, ein hochwertiges Fußballangebot zu bieten. Deshalb war die Trainerausbildung wichtig, in der die Trainer auch im Bereich der interkulturellen Pädagogik Kompetenzen erworben haben. Zudem setzt unser Konzept auf Leistungsorientierung und vor allem auf einen integrativen Ansatz." So seien die Trainer darin ausgebildet worden, mit kultureller Vielfalt umzugehen. Das Projekt richte sich an Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Kulturen und Religionen, wobei auch deren Deutschkenntnisse gefördert werden sollen, denn Trainingssprache ist Deutsch Doch der ISC AlHilal Bonn wolle nicht nur ein Verein für Kinder und Jugendliche muslimischer Herkunft sein, betont Kamil Abdulsalam. "Wir wünschen uns, dass auch Deutsche bzw. Nicht-Muslime in unsere Mannschaften kommen."

Gegen Vorurteile und Kriminalität

Es gebe zwei Probleme in Bad Godesberg, denen der Verein entgegenwirken wolle: "Zum einen haben viele Deutsche hier Angst – ich sage mal einfach – vor den Kopftuchträgerinnen und den Bartträgern. Es herrscht auf beiden Seiten viel Unwissenheit", erläutert Kamil Abdulsalam. "Das zweite Problem ist, dass wir hier in Bad Godesberg viele kriminelle Jugendliche mit muslimischen Wurzeln haben." Deshalb strebe der Verein an, diesen Jugendlichen über den Sport Wege aufzuzeigen, damit sie auch in der Schule und im Berufsleben erfolgreich sein können. "Wenn man es richtig macht, ist Fußball immer Jugendarbeit. Kompetente Trainer vermitteln sportliche und soziale Inhalte." Werte wie Respekt, Toleranz, Fairness und Teamfähigkeit seien dabei zentral.

Zunächst nur Frauenschwimmen

Carola Baaten-Abdulsalam, Vorstandvorsitzende des Vereins und Mutter des Sportwissenschaftlers, schaut beim Training der Fußballer zu. Sie hat ISC AlHilal Bonn im Jahr 1991 ursprünglich als Schwimmverein gegründet: "Entstanden ist der Verein aus einer Selbsthilfeinitiative. Ich wollte gern mit meinen Kindern Schwimmen gehen, aber es gab kein Schwimmangebot für muslimische Frauen in der Region." Inzwischen engagieren sich alle ihre vier Kinder als Fußball- oder Schwimmtrainer für den Verein. "Wir wollen mit unserem Verein zu einem friedlichen Zusammenleben hier in Bad Godesberg beitragen", sagt die Vorstandsvorsitzende. "Deutsche und Migranten sollen gemeinsam auf dem Spielfeld voneinander lernen. Wir Muslime öffnen uns und wir hoffen, dass auch die andere Seite sich uns gegenüber öffnet."

Von Naima El Moussaoui, 04.11.2010

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