DIK - Deutsche Islam Konferenz - Frauenforum Reutlingen - Porträt Fatma Peker

Navigation und Service

Porträt Fatma Peker

Fatma Peker liest regelmäßig Zeitungen und verfolgt intensiv die Berichterstattung im Fernsehen. Und was sie zu lesen und zu hören bekommt, macht sie sehr zornig. Zornig über all die Politiker und Experten, die sich inzwischen tagtäglich äußern über Muslime im Allgemeinen und Musliminnen im Besonderen. "Ich verfolge die Berichte und finde mich in ihnen nicht wieder", sagt Fatma Peker.

Die aus der Türkei stammende Frau trägt ein Kopftuch, spricht Schwäbisch und erklärt mit energisch klingender Stimme, was sie an der Integrationsdebatte und den Diskussionen um den Islam stört: Dass sie ein Kopftuch trage, habe nichts mit Zwang zu tun und dass sie eine arrangierte Ehe führe, nichts mit Leid und Elend. Dass deutsche Politiker sich so aufführten, als wüssten sie, was Frauen wie sie brauchen, ärgert Fatma Peker. Sie redet ohne Punkt und Komma, so als müsste sie die Chance nutzen, all das loszuwerden, was sie zornig macht. Und wie sie spricht, lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie sehr viel nachdenkt über das gesellschaftliche Klima hierzulande.

Dass sie an diesem Nachmittag in Reutlingen eine der Gastgeberinnen ist, hängt mit dem Brief zusammen, den ihre Moscheegemeinde im Frühjahr 2009 bekam. "Eine Einladung für zwei Frauen aus unserer Gemeinde ins Landratsamt", erklärt Fatma Peker und spart nicht aus, wie verwundert alle in der Moschee darüber waren. "Ich habe mich gefragt: Was wollen die von uns?" Es war die Neugier, der sie sich nicht entziehen konnte. Also machte sich Fatma Peker auf den Weg ins Landratsamt. Muslimische Frauen aus dem Landkreis zusammenzubringen und sie dabei zu unterstützen, sich zu organisieren und zu Wort zu kommen, diese Idee klang in Fatma Pekers Ohren vielversprechend. Daher ließ sich die Hausfrau auf das Experiment ein und gehört inzwischen zu denen, die regelmäßig an den Treffen teilnehmen. "Es ist der Zorn, der mich dazu anspornt", sagt die aus dem anatolischen Kayseri stammende Schwäbin.

Mit 16 Jahren kam Fatma als Braut vom Bodensee in die schwäbische Alb. Inzwischen ist sie 40 Jahre alt und Mutter von drei Töchtern und eines Sohnes. Alle ihre Kinder durften mit auf Klassenfahrten. Und bei allen drei Töchtern legt sie wert darauf, dass sie einen guten Beruf  wählen und auf eigenen Beinen stehen können. Sie bedauert sehr, keinen Schulabschluss und Beruf zu haben; da die Kinder fast erwachsen sind und sie nunmehr mehr Zeit für sich hat, überlegt die vierfache Mutter, wie sie sich beruflich qualifizieren könnte. 

Dass es gut war, sich am Forum zu beteiligen, zeigt sich auch an diesem Nachmittag. Eine der Gäste ist nämlich Susann Herzog von der Kontaktstelle Frau und Beruf. Schnell kommt Fatma Peker mit ihr ins Gespräch und lässt sich die Visitenkarte geben.

Fatma Peker ist eine quirlige, aufgeweckte Frau, die interessiert ist an gesellschaftlichen Entwicklungen – und zwar hier in Deutschland und nicht in ihrem Herkunftsland. Und sie ist eine Migrantin, die sich sowohl auf Türkisch als auch auf Deutsch differenziert ausdrücken kann und genau benennt, wo ihr der Schuh drückt. "Immer zu reden sie über uns muslimische Frauen, aber von mir wollte bisher keiner wissen, wie ich lebe, wie ich mich fühle, was ich denke und vor allem wie es mit geht mit all den Berichten über uns."

Fatma Peker möchte sich und ihresgleichen mehr Gehör verschaffen, und deswegen macht sie mit bei den Forumsfrauen und hofft, dass sich ihre Erwartung erfüllt.

Von Canan Topcu, 04.11.2010

Zusatzinformationen

Gruppenbild Preisverleihung Integrationspreis

Verleihung des Integrationspreises 2010

Sechs vorbildliche Projekte sind am 12. November mit dem Integrationspreis 2010 ausgezeichnet worden. Ausgewählt wurden sie aus insgesamt 186 Bewerbungen von einer unabhängigen Jury.

Mehr: Verleihung des Integrationspreises 2010 …

Jugendliche schwenken die deutsche Fahne aus Fenster

Projekte von und mit Muslimen

Ob im Sport, Dialog, in Kunst und Kultur oder in der Seelsorge: Deutschlandweit gibt es zahlreiche vorbildhafte Projekte von und mit Muslimen. Viele haben sich um den Integrationspreis 2010 beworben. Hier stellen wir Ihnen einige vor.

Mehr: Projekte von und mit Muslimen …

Cover von Broschüren

Ergebnisse und Dokumente der DIK

Hier finden Sie alle Ergebnisse und wichtigen Dokumente der DIK zum Download.

Mehr: Ergebnisse und Dokumente der DIK …