DIK - Deutsche Islam Konferenz - Frauenforum Reutlingen

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3. Preis "Forum muslimischer Frauen im Kreis Reutlingen"

3. Platz des Integrationspreises 2010

Die Einen haben gekocht, die Anderen gebacken, wieder Andere "nur" gekauft. Mit glänzenden Decken haben sie die Tische geschmückt und mit süßen und herzhaften Speisen die Servierteller gefüllt. Sie, das sind etwa 20 Teilnehmerinnen des Forums muslimischer Frauen (FMF) im Landkreis Reutlingen mit Wurzeln in Ländern wie der Türkei, Pakistan, Tunesien und Algerien. Die Frauen unterschiedlichen Alters - die Älteste ist Mitte 50 - haben in die Begegnungsstätte der Diakonie eingeladen. Sie möchten an diesem Nachmittag mit Bürgern aus Reutlingen ins Gespräch kommen.

Muslimin ist nicht gleich Muslimin

Schon beim Betreten des Raumes fällt auf: Muslimin ist nicht gleich Muslimin. Manche der Gastgeberinnen tragen das Haar offen, Andere haben es auf unterschiedliche Weise mit einem Tuch verhüllt. Im Laufe der Gespräche wird deutlich, dass sich die Frauen auch in ihren Lebensweisen sehr stark unterscheiden. An diesem Nachmittag werden Gäste immer wieder mit den eigenen und den medial vermittelten Vorurteilen über Musliminnen konfrontiert. Aufräumen mit Klischees – eben das ist eines der Ziele der Forumsfrauen.

Aischa Acemal beispielsweise erzählt davon, dass sie vor 34 Jahren als Braut aus Tunesien hierher kam. Ihre Ehe sei eine arrangierte, sagt sie, mit ihrem Mann verstehe sie sich trotzdem gut. An der Art, wie die 50-Jährige spricht, ist herauszuhören, dass sie arrangierte Ehen für nichts Verwerfliches hält. "Es gibt Liebesehen, die schlecht enden", erklärt sie in bestem Schwäbisch. Eine andere Forumsfrau wiederum erzählt davon, dass sie geschieden sei. Wie die Familie dazu steht? "Sie haben es akzeptieren müssen, es ist mein Leben und ich bin erst 42", erklärt die  türkischstämmige Frau. Eine andere Frau berichtet noch davon, dass sie arbeiten möchte, aber mit Kopftuch keinen Job finde. 

Es sind sehr aufschlussreiche Gespräche, denn die Frauen sprechen viel und  erzählen gerne aus ihrem Leben. Immer wieder ist zu hören, dass sie das negative Image leid sind. Das Bild der hilflosen Muslimin, der geholfen werden muss, stört die Forumsfrauen. Verhehlen wollen sie aber keineswegs, dass sie so ganz ohne Hilfe nicht zu einander gefunden hätten. 

"Wo sind die Frauen?" – Gründung des Frauenforums 2009

Geholfen hat dabei das Landratsamt Reutlingen, genauer: Gabriele Queisser als Integrationsbeauftragte. Die Idee für das Forum muslimischer Frauen entstand bei Veranstaltungen des Netzwerks "Hand in Hand - für die Zukunft unserer Kinder", einem Zusammenschluss von muslimischen Gemeinden,  Migrantenvereinen sowie Behörden und Institutionen im Kreis Reutlingen. "Zu den Veranstaltungen kamen  nur Männer; wir haben uns gefragt, wo denn eigentlich die Frauen sind", berichtet Queisser. Also schrieb sie all die Vereine an, in denen Muslime organisiert sind, und bat darum, je zwei Frauen aus der Einrichtung zu einem Treffen in das Landsratsamt zu entsenden. Zur ersten Begegnung im Juni 2009 kamen 14 Frauen, es fanden weitere Treffen mit immer mehr Frauen statt. Im März 2010 stellte sich das FMF schließlich öffentlich vor.

Die Frauen suchen den Dialog

Das Forum ist auf mehreren Ebenen aktiv: Es gibt interne Treffen mit Vorträgen zu Themen wie Ernährung, Frauengesundheit und Kindererziehung sowie Fortbildungen - bisher zu Moderationstechniken, Rhetorik und Projektentwicklung. Diese wiederum helfen den Frauen dabei, öffentliche Veranstaltungen zu organisieren und sich auf diesen zu präsentieren. Bei Belangen, die sie direkt betreffen, möchten die Forumsfrauen mitreden, sich als Dialogpartner anbieten und zum Abbau von Berührungsängsten beitragen. Deswegen hatten sie Ende Oktober in die Räume der Diakonie eingeladen.

Leider kamen nur Wenige. "Sie (die Deutschen) hätten doch nichts weiter zu machen brauchen, als einfach nur unsere Gäste zu sein. Alle meinen zu wissen, was uns gut tut, was in unseren Köpfen vorgeht... aber niemand redet mit uns und fragt nach unserer Meinung", so formuliert eine der jüngeren Forumsfrauen unter Tränen ihre Enttäuschung. Sie sollten sich auf keinen Fall entmutigen lassen, erwidert eine der Gäste. "Dialog braucht Langmut und Geduld; geben Sie bitte nicht auf."

Von Canan Topcu, 04.11.2010

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