DIK - Deutsche Islam Konferenz - Mitte(n)drin

Navigation und Service

2. Preis "Mitte(n)drin" Berliner Musliminnen entdecken ihre Stadt

2. Platz des Integrationspreises 2010

"Ist das ’ne Frauendemo, oder was?" mosert ein Jugendlicher, als er sich an den fünfzehn Frauen auf der U-Bahntreppe vorbeidrängelt. Unten angekommen, betrachtet er verdutzt den Schriftzug "Polizei" auf zwei dunkelblauen Jacken. Small Talk auf dem Bahnsteig scheint das erste Eis zwischen den uniformierten Beamtinnen und den Frauen zu brechen.

Tina Löffler und Victoria Schwiethal-Heuermann sind im Polizeiabschnitt 32 in Berlin-Mitte tätig. Als Präventionsbeauftragte und Verkehrssicherheitsberaterin sind sie es gewohnt, auf Menschen zuzugehen. Das Projekt "Mitte(n)drin", das sie seit Juni dieses Jahres gemeinsam konzipierten und nun umsetzen, richtet sich an muslimische Frauen mit dem Ziel ihre Eigenständigkeit zu fördern, ihr Sicherheitsgefühl zu stärken sowie ihnen ausgewählte kriminal- und verkehrspräventive Themen nahe zu bringen. "Auch wir stärken dadurch unsere interkulturellen Kompetenzen", erklärt Tina Löffler. Durch die kleine Stadtführung und das Kaffeetrinken sei es einfacher, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen, fügt ihre Kollegin hinzu.

Stadtführung durch Berlins Mitte

Am U-Bahnhof Alexanderplatz beginnt die Stadttour. Die beiden Polizistinnen geben die Richtung vor ("Weltzeituhr") und die Frauen unterhalten sich über die hiesigen Shoppingmöglichkeiten. "Klischee erfüllt!" lacht Victoria Schwiethal-Heuermann. Die fröhliche Frauenrunde könnte auch als Touristengruppe durchgehen. Wenn da nicht die beiden Polizistinnen wären, die sogleich von Touristen angesprochen werden. Victoria Schwiethal-Heuermann erklärt gelassen den Weg und wendet sich dann mit einem laminierten Bogen Papier der Gruppe zu. Größe, Gewicht, Baujahr der Uhr, all das wird kurz vorgestellt, bis eine Frau fragt, wie sie denn an der Uhr ablesen könne, wie spät es jetzt in anderen Städten sei. Die Polizistinnen blicken sich kurz an. Die 15-jährige Çağla, die ihre Mutter begleitet, sagt flink auf Deutsch und Türkisch, "Ist  doch ganz einfach…", und erklärt die Funktion der Weltzeituhr.

"Anfangs haben wir noch sehr großen Wert auf Pünktlichkeit gelegt, mittlerweile sind wir entspannter", lächelt Frau Löffler. "Soll ich langsamer sprechen?" ist deshalb eine der ersten Fragen. Die Frauen, die besser Deutsch verstehen, übersetzen.

Kann man im Roten Rathaus heiraten?

Durch die Großbaustelle ist der Blick auf das Rote Rathaus verstellt. Zwei Frauen würden gern das Gebäude von innen sehen, doch die Polizistin erklärt, dass diese Tour nur einen ersten Eindruck von den verschiedenen Sehenswürdigkeiten verschaffen soll. "Kann man den Festsaal für eine Hochzeit mieten?" fragt eine Frau verschmitzt. Nun gibt es kein Halten mehr. Ob sie denn ein zweites Mal heiraten wolle? Was sie mit ihrem aktuellen Ehemann zu tun gedenke? Lachend ziehen die Frauen zum Neptunbrunnen. Tina Löffler liest die Fakten vom Blatt ab. Als sie das nächste Ziel verkündet, fragt eine Frau laut genug: "Wann gibt’s Frühstück?". Vor dem gemeinsamen Essen gab es zunächst noch Informationen zum Nikolaiviertel und zur Sankt Marienkirche. Schließlich endete die Tour vor dem Fernsehturm auf dem Alexanderplatz.

Fragen über die Polizei bei dem gemeinsamen Frühstück

Sechs graue Bürotische dienen auf der Polizeiwache als Kaffeetafel, auf der selbstgebackener Marmorkuchen sowie Tee und Kaffee warten. Die Frauen legen Baklava und Käsetaschen dazu. Erst ein kurzer Film über die Aufgaben der Polizei, von den Frauen ausdrücklich in deutscher Sprache gewünscht, dann schaut noch kurz der Chef vorbei. Endlich können die Frauen Fragen stellen: Warum bekommen immer die Deutschen bei Unfällen Recht? Wie kann mein Sohn Polizist werden? Was tun bei Gewalt in der Familie? Wie sieht Euer Dienst aus? Die Polizistinnen beantworten alle Fragen konzentriert und schmücken ihre Erklärungen mit persönlichen Erlebnissen. Die Worthülse "Integration" füllt sich in diesem Raum plötzlich mit Leben: durch gegenseitigen Respekt und viel Humor.

Ebru Taşdemir, 09.11.2010

Zusatzinformationen

Gruppenbild Preisverleihung Integrationspreis

Verleihung des Integrationspreises 2010

Sechs vorbildliche Projekte sind am 12. November mit dem Integrationspreis 2010 ausgezeichnet worden. Ausgewählt wurden sie aus insgesamt 186 Bewerbungen von einer unabhängigen Jury.

Mehr: Verleihung des Integrationspreises 2010 …

Jugendliche schwenken die deutsche Fahne aus Fenster

Projekte von und mit Muslimen

Ob im Sport, Dialog, in Kunst und Kultur oder in der Seelsorge: Deutschlandweit gibt es zahlreiche vorbildhafte Projekte von und mit Muslimen. Viele haben sich um den Integrationspreis 2010 beworben. Hier stellen wir Ihnen einige vor.

Mehr: Projekte von und mit Muslimen …

Cover von Broschüren

Ergebnisse und Dokumente der DIK

Hier finden Sie alle Ergebnisse und wichtigen Dokumente der DIK zum Download.

Mehr: Ergebnisse und Dokumente der DIK …