DIK - Deutsche Islam Konferenz - Muslimische-Stimmen.de

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2. Preis "www.Muslimische-Stimmen.de"

2. Platz des Integrationspreises 2010

2004 wurde der niederländische Publizist Theo van Gogh von einem fanatischen Islamisten getötet. Plötzlich sprachen alle wieder über "die Muslime". Einseitig und voller Klischees fanden Betul Yilmaz und Clémence Delmas die Berichte in den Medien. Man las fast ausschließlich über Muslime und fast nie etwas von Muslimen. Das müsse sich ändern, fanden die beiden Freundinnen. Den Menschen über die geredet wird eine eigene Stimme und ein eigenes Forum geben – das war die Idee. Schnell waren sich die beiden jungen Frauen einig, dass das Internet die besten Möglichkeiten bietet. Das Medium ist billig, für fast jeden zugänglich und eine Webseite auch vom Küchentisch aus zu verwalten.

Muslime sollen sich wieder selbst definieren

Im August 2005 war es soweit, muslimische–stimmen.de ging ans Netz. Nur wenige Monate später sorgten die Mohammed-Karikaturen der dänischen Jyllands Posten in der islamischen Welt für Proteste und Ausschreitungen. Wichtig war den beiden Studentinnen, unterschiedlichen Meinungen und Standpunkten innerhalb der muslimischen Gemeinschaft ein Forum zu bieten. Den Muslimen sollte die Chance gegeben werden, sich wieder selbst zu definieren und sich das Wort Muslim wieder anzueignen. Dabei sollte es nicht nur um religiöse Themen gehen, sondern auch um ganz Alltägliches. Denn viele definieren sich nicht ausschließlich über die Religion, die Identität setzt sich aus ganz vielen Bruchstücken zusammen.

Eine Religion – unendlich viele Meinungen

Die Vielfalt an Beiträgen, weltanschaulichen Meinungen und unterschiedlichen Milieus aus denen die Autoren kommen, machen Muslimische Stimmen zu einem einzigartigen Projekt im Netz. Es gibt Interviews, Kommentare, Rezensionen und wissenschaftliche Texte. Die Rubriken Erfahrungen, Politik, Religion und Gesellschaft bilden das riesige Spektrum vieler unterschiedlicher Meinungen und Erfahrungen von Muslimen ab. Aber auch Nicht-Muslime sind aufgefordert sich zu äußern. Ein gläubiger Muslim kritisiert in einem offenen Brief den Terrorismus seiner sogenannten Glaubensbrüder von al-Qaida; eine Mutter erklärt, wie sie zur Bio-Muslima wurde; Erika, eine konvertierte Muslima berichtet, wie sie von ihrer Familie ausgeschlossen wird, seitdem sie das Kopftuch trägt und Navid Kermani erzählt von der Unmöglichkeit, einen Hamburger zu essen, ohne dabei zu kleckern. Die Texte stimmen oft nachdenklich, bringen den Leser zum schmunzeln und bieten ganz neue Sichtweisen auf bestimmte Themen. Dass eine Muslima mit Niqab, dem Gesichtsschleier, schlagfertig, selbstbewusst und auch noch witzig sein kann, bleibt vielen mit Sicherheit oft verborgen – bei Muslimische Stimmen kann man sich davon überzeugen.

Häufig gibt es Kommentare zu bestimmten Artikeln, zustimmende oder auch widersprüchliche, manchmal auch wütende. Das ist ausdrücklich gewünscht. Austausch bedeutet nicht Konfliktlosigkeit. Deshalb findet auch keine Zensur statt. Außer Hassparolen wird auf muslimische–stimmen.de fast alles veröffentlicht was in der Redaktion landet.

Das Projekt lebt vom Ehrenamt

Mittlerweile hat sich Muslimische Stimmen einen Namen gemacht. Und das Team ist gewachsen. Acht feste Mitglieder zählt die Besetzung heute und ein männlicher Mitstreiter ist dabei. Auch das Team spiegelt die Vielfalt von Muslimische Stimmen wieder, es gibt Muslime, Christen und Atheisten. Alle machen ihre Arbeit ehrenamtlich, einige studieren noch, andere sind mittlerweile berufstätig. Muslimische Stimmen funktioniert trotz des winzigen Budgets, weil alle Mitglieder Herzblut und einen Teil ihrer Freizeit in das Projekt investieren. Die Unabhängigkeit von jeglichen Parteien, Institutionen und sonstigen religiösen oder weltanschaulichen Gruppen garantiert die Vielfalt des Internetforums. Das Projekt lebt aber auch davon, dass möglichst viele Menschen Beiträge schreiben, um das Forum aktuell und bunt zu halten. Natürlich sind auch Spenden jederzeit willkommen, denn noch bezahlt das Team von Muslimische Stimmen alle laufenden Kosten aus eigener privater Tasche.

In nächster Zeit soll das Video-Angebot weiter ausgebaut werden. Die Serie "Mit Koffer, Kummer und Kismet" ist schon gestartet. Kinder und Enkelkinder interviewen ihre Eltern und Großeltern. Die erzählen von ihrer Geschichte, dem Leben im Dorf in der alten Heimat, warum sie die Koffer packten und nach Deutschland kamen und wie es ihnen hier ergangen ist. Die Geschichten zeichnen ein spannendes Bild vieler unterschiedlicher Lebenswege. Mit ein bisschen mehr Budget und technischem Know-How hofft das Team, in Zukunft noch mehr muslimische Stimmen präsentieren zu können, die man nicht nur lesen, sondern auch hören und sehen kann.

www.muslimische-stimmen.de

Von Silke Brandt, 05.11.2010

Zur Person: Silke Brandt studierte Politische Wissenschaft und Islamwissenschaft in Hamburg, verbrachte längere Zeit in Kairo und ist seit 2005 Redaktionsmitglied bei Zenith, Zeitschrift für den Orient.

Zusatzinformationen

Gruppenbild Preisverleihung Integrationspreis

Verleihung des Integrationspreises 2010

Sechs vorbildliche Projekte sind am 12. November mit dem Integrationspreis 2010 ausgezeichnet worden. Ausgewählt wurden sie aus insgesamt 186 Bewerbungen von einer unabhängigen Jury.

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Jugendliche schwenken die deutsche Fahne aus Fenster

Projekte von und mit Muslimen

Ob im Sport, Dialog, in Kunst und Kultur oder in der Seelsorge: Deutschlandweit gibt es zahlreiche vorbildhafte Projekte von und mit Muslimen. Viele haben sich um den Integrationspreis 2010 beworben. Hier stellen wir Ihnen einige vor.

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Cover von Broschüren

Ergebnisse und Dokumente der DIK

Hier finden Sie alle Ergebnisse und wichtigen Dokumente der DIK zum Download.

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