DIK - Deutsche Islam Konferenz - Verschieden sind wir nicht...

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Ideenpreis "Verschieden sind wir nicht? Sind wir verschieden? Wir – verschieden? WIR!"

Ein Gewinner des Ideenpreises 2010

Ein Theaterprojekt als Integrationsinstrument, entwickelt durch die Verwaltung eines Landkreises, das ist eine ungewöhnliche Kombination. Wie ist es dazu gekommen?

Unser Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist ausgesprochen bunt. 11 Prozent aller Bürger, das sind rund 10.000 Menschen, haben bei uns einen Migrationshintergrund, ein nicht unerheblicher Teil davon sind Muslime. Zugleich wissen selbst die Mitarbeiter unserer Ausländerbehörde kaum etwas über den Islam – wie soll es da den Durchschnittsbürgern gehen? Diese Unwissenheit führt zu Angst, das ist auch bei den Integrationsdebatten immer wieder deutlich zu spüren. Daher haben wir uns entschlossen, das Wissen über den Islam zu verbessern. Dabei wollten wir uns ganz bewusst an junge Menschen wenden: sie sind die Erwachsenen von morgen. So kamen wir auf die Idee, ein Theaterprojekt zu entwickeln. Da dies ein innovatives und unkonventionelles Mittel ist, glauben wir, dass wir damit junge Menschen gut erreichen können.

Wie setzen Sie das Projekt um?

Schülergruppen entwickeln gemeinsam mit einem Theaterpädagogen ein Stück über Geschichten, die es in ähnlicher Weise sowohl im Koran als auch in der Bibel gibt, z.B. die Weihnachtsgeschichte. Sie sollen auch aus dem Blickwinkel des Islams dargestellt werden. Dabei wird das Projekt begleitet von einem Islamwissenschaftler, außerdem besucht die Gruppe eine Moschee und eine Kirche. Das Ziel ist, dass sich die Schüler auf spielerische Art mit dem Islam befassen. Einerseits mit den Unterschieden, die zum Christentum bestehen, aber auch mit den vielen Gemeinsamkeiten, die so oft übersehen werden. Dass auch im Koran die Weihnachtsgeschichte vorkommt, ist zum Beispiel vielen nicht bewusst. Am Ende steht die Erkenntnis, dass "wir nicht so verschieden sind" und es sogar gemeinsame Wurzeln gibt.

Wie kann man sich die fertige Aufführung vorstellen?

Das ist vollkommen offen – und zwar ganz bewusst. Für das Projekt gilt: Der Weg ist das Ziel. Im Vordergrund soll nicht das fertige Schauspiel stehen, sondern seine Erarbeitung. Daher wird auch jede Gruppe am Ende ein ganz unterschiedliches Stück hervorbringen, es ist ein freier, theaterpädagogischer Prozess, in dessen Verlauf sich die Schüler nicht nur Wissen über den Islam aneignen, sondern sich auch intensiv mit dem Christentum beschäftigen. Welche Herkunft oder Religion die Schüler haben, spielt ebenso wenig eine Rolle wie die Altersstufe, wir sprechen Grundschulen ebenso an wie weiterführende Schulen. Wir glauben, dass wir einen Ansatz bieten, der gleichermaßen humorvoll und vernünftig ist und daher jeden erreichen kann. Ideal wäre, wenn die Schüler durch das Projekt begreifen, was die gemeinsamen, tragenden Säulen von Islam und Christentum sind: Toleranz und Respekt. 

Worin liegt die gesellschaftliche Relevanz des Projektes?

Die derzeitige öffentliche Diskussion zum Thema Integration wirft Fragen und Probleme auf, wohingegen Lösungsansätze kaum angeboten werden. Das Unvermögen, Antworten zu geben, sowie die Unsicherheit im Umgang mit dem Thema "Islam" wird von der einheimischen Bevölkerung ebenso wahrgenommen wie von den – meist zugewanderten – Muslimen. Der Islam wird überwiegend in Zusammenhang mit Gewalttaten und Integrationsunwilligkeit kommuniziert. Dies alles zusammen schürt und verstärkt die Angst der gesamten Bevölkerung. Mit dem Projekt wird ein Schritt getan – in Richtung Verständigung, gegenseitiges Kennenlernen und gegenseitige Achtung. Zudem soll das Projekt dazu beitragen, die gesellschaftliche Integration von Muslimen zu verbessern und die Konflikthäufigkeit zu vermindern.

28. Oktober 2010, Interview von Thilo Guschas mit dem Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen

Zusatzinformationen

5 Mädchen auf dem Fussballfeld

1. Preis "Kinder- und Jugendfußball für Bad Godesberg"

Im Projekt "Kinder- und Jugendfußball für Bad Godesberg" werden Jungen und Mädchen aus muslimischen Migrantenfamilien gefördert und zu Fußballtrainern ausgebildet. Das Motto des Sportvereins lautet: "Integration ist das Ziel – Fußball unser Weg".

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Frauen beim Stadtrundgang

2. Preis "Mitte(n)drin" Berliner Musliminnen entdecken ihre Stadt

Seit Juni 2010 bieten zwei Polizistinnen eine Stadtführung durch Berlins Mitte speziell für muslimische Frauen an. Nach dem ersten Kennenlernen beim Besuch der Weltzeituhr und des Roten Rathauses setzen sich die Frauen in der Polizeiwache zusammen und tauschen sich aus.

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3 Frauen an einem Tisch

3. Preis "Forum muslimischer Frauen im Kreis Reutlingen"

Seit 2009 treffen sich ganz unterschiedliche muslimische Frauen aus dem Kreis Reutlingen, um miteinander zu sprechen, sich fortzubilden und um ihre Sicht der Dinge darzustellen.

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