DIK - Deutsche Islam Konferenz - Preisträger 2

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Abdullah Özmen

Preisträger in der Kategorie: Text Schüler

Abdullah Özmen wurde am 12.11.1992 in der Türkei geboren. Mit drei Monaten floh seine Mutter mit ihm und seinen Geschwistern nach Deutschland. Durch die Verweigerung zum Dorfschützen musste sein Vater zu dieser Zeit in der Türkei untertauchen. 1994 gelang es dem Vater zu fliehen und seiner Familie nach Deutschland zu folgen.

Mit sechs Jahren wurde Abdullah eingeschult. Im schulischen Bereich konnten seine Eltern ihn wenig unterstützen, da sie selbst nie eine Schule in der Türkei besucht hatten und bis heute kaum deutsch sprechen. Während seiner gesamten Schullaufzeit musste er sich deshalb alles selbst erarbeiten.

Abdullahs Kindheit und Jugend ist durch die Angst vor Abschiebung geprägt. Zwei seiner Geschwister flohen und tauchten sogar unter, weil sie abgeschoben werden sollten. Die Abschiebung seines Bruders war für ihn ein einschneidendes Ereignis. Denn trotz seines schulischen Erfolgs, wurde sein Bruder plötzlich eines Morgens abgeholt und abgeschoben. Im Jahr 2004 war die restliche Familie von Abschiebung bedroht, Abdullah war damals 11 Jahre alt. Sein Vater war Dialysepatient und schwer krank.

Mit viel Unterstützung erhielt die Familie Kirchenasyl in Lendringsen. Dort wohnten sie sechs Monate im Keller einer Kirche, wo die Familie Hilfe erhielt. Danach reisten ein Bruder und eine Schwester freiwillig aus Deutschland aus. Eigentlich sollte Abdullah nach dem Kirchenasyl die Realschule besuchen. Da er aber in dieser Zeit nicht zur Schule gehen konnte, wurde er in die Hauptschule eingeschult.

Im Jahr 2008 zog die Familie nach Belm. Abdullah integrierte sich dort sehr gut in die Schule und engagierte sich ehrenamtlich. In seiner Schulzeit unterstützte er die Schülervertretung und setzte sich gerne für seine Mitschüler ein. Obwohl im Elternhaus kaum deutsch gesprochen wird, lernte der Junge die Sprache schnell. Nach einem Casting schaffte er es als Tänzer in das Stück “Bittersüß und Sauerscharf”. Anschließend engagierte ihn das Stadttheater Osnabrück für die Produktion “Ödipus”. Bis 2010 war er außerdem Mitglied der Band “NONSTOPS”, die im Landkreis Osnabrück erfolgreich auftrat.

Als Abdullah nach der 10. Klasse die Hauptschule mit einem Realschulabschluss verließ, war es sein Wunsch Operationstechnischer Assistent zu werden. Eine Ausbildungsstelle fand er jedoch vorerst nicht in Osnabrück. Die Krankenhäuser dort hätten es gerne gesehen, dass er vorab ein freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert. Die Ausländerbehörde (Landkreis Osnabrück) erlaubte ihm aber kein FSJ, denn Abdullah war von Abschiebung bedroht.

Als Abdullah die Schule verließ, sah es so aus, als würde er nicht in seinem Wunschberuf arbeiten können. Durch viel Recherche bekam Abdullah dann im September 2010 doch noch einen Ausbildungsplatz in Dortmund. Sein Netto-Gehalt als Auszubildender betrug 279,21 €. Davon musste er monatlich 230,00 € für die Miete und 30,00 € für die Busfahrkarte bezahlen. Da er die Ausbildung an einer nicht staatlich anerkannten Schule absolvierte, hatte er weder Anspruch auf BAB, BaföG oder SGB II – Leistungen. Er suchte sich einen Nebenjob beim Theater in Dortmund, wo er beim Stück “Heimat und Erde” als Tänzer eine Anstellung fand. Pro Auftritt erhielt er da 50,00 €.

Im Februar 2011 erfuhr er dann von einer noch freien Ausbildungsstelle als Operationstechnischer Assistent im Klinikum Osnabrück. Kurz entschlossen bewarb er sich dort und erhielt die Stelle. Im Juni 2012 absolvierte er erfolgreich seine Zwischenprüfung. Zurzeit befindet sich Abdullah im dritten Ausbildungsjahr. Er bekam Ende Januar seine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Im März 2012 wurde er Preisträger des Wettbewerbes “Ankommen im Beruf”.

Zum Autor

ABDULLAH ÖZMEN

Eigentlich schlägt Abdullah Özmens Herz für R’n’B, Pop und Soul. Singen und Tanzen, das hat der 20-Jährige aber vorerst hintenangestellt. Die meiste Zeit verbringt Abdullah, der eine Ausbildung zum operationstechnischen Assistenten macht, im Krankenaus oder mit Lernen am Schreibtisch. Denn der Sohn kurdischer Flüchtlinge möchte seine Familie nicht enttäuschen und es „unbedingt zu etwas bringen im Leben“. Er beschreibt sich als einen „neugierigen, lustigen, netten und freundlichen Menschen“, der auch mal gerne mit seinen „Kumpels“ ausgeht oder sich im Fitness-Studio austobt. Seine Freunde wählt er nicht nach deren Herkunft aus, wichtig ist ihm der respektvolle Umgang.

Abdullah ist einer, „der zuhören kann und für andere da ist“ – aber nicht, wenn eine Wohnung zu renovieren wäre. Das Handwerkeln nämlich liegt ihm nicht, er ist eher der musische Typ. Seiner Leidenschaft fürs Singen möchte sich der „Azubi“ wieder widmen, wenn er sich im Beruf etabliert und mehr Freizeit hat.