DIK - Deutsche Islam Konferenz - Moscheen in Duisburg und Köln

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Moscheebauten in Köln-Ehrenfeld und Duisburg-Marxloh

In dem einen Ort stillten einst Bergarbeiter ihren Hunger. Und in dem anderen Ort lagerten Pharmaprodukte. Wo früher Geschirr klapperte, kamen später Muslime zum Gottesdienst zusammen. Mehr als 20 Jahre diente in Duisburg-Marxloh eine Zechenkantine als Gebets- und Begegnungsstätte. Und auch in der 80 Kilometer südlich gelegenen Lagerhalle in Köln-Ehrenfeld trafen sich Muslime über zwei Jahrzehnte zum Gottesdienst.

Als dann die Gebäude marode wurden, stellten sich beide Moscheegemeinden der Frage, ob renoviert oder neue Gebetsstätten errichtet werden sollten. An beiden Orten fiel die Entscheidung für einen Neubau. Den Bauherren ging es nach eigenem Bekunden darum, nicht nur ein repräsentatives Gotteshaus für Muslime, sondern auch eine Begegnungsstätte für alle Menschen aus der Umgebung zu schaffen.

Das "Wunder von Marxloh"

Im Oktober 2008 wurde nach knapp vierjähriger Bauzeit in Marxloh die Merkez-(Zentrums-)Moschee eingeweiht. Für Herbst dieses Jahres steht die Grundsteinlegung der Zentrumsmoschee von Köln auf dem Plan. So problemlos das Moscheeprojekt in Duisburg von Anbeginn verlief, so protestreich startete es hingegen in Köln. Bauherr der letzteren ist der Ditib-Dachverband, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion. Dem mit der Religionsbehörde in Ankara verbundenen Dachverband sind bundesweit rund 800 Moscheevereine - auch die Merkez-Gemeinde in Marxloh - angeschlossen.

Als das "Wunder von Marxloh" hatte der damalige nordrhein-westfälische Bauminister Michael Vesper das Moscheeprojekt beim ersten Spatenstich bezeichnet. Mit einem Wunder will Mustafa Küçük das mit Kuppeln und Minaretten in klassisch-osmanischer Architektur errichtete Bauwerk nicht vergleichen. Der Pressesprecher der Merkez-Gemeinde resümiert nüchtern die Gründe für den reibungslosen Ablauf des Projekts. "Uns war von Anfang an klar, dass wir nicht nur ein Gebetshaus wollten, sondern auch eine Bildungs- und Begegnungsstätte", sagt der 39-Jährige. Mit "uns" meint Küçük all jene aus der damals rund 500 Mitglieder zählenden Gemeinde, die wie er selbst der zweiten Einwanderergeneration angehören.

Rückendeckung bekam die Merkez-Gemeinde auch vom Beirat, der kurz nach dem Beschluss für einen Neubau ins Leben gerufen worden war. Mitglieder des seit nunmehr neun Jahren bestehenden Gremiums sind Vertreter politischer Parteien, Kirchen, örtlicher Vereine, Nachbarn sowie Geschäftsleute. Bei den Sitzungen sei hart und offen diskutiert und immer ein Kompromiss gefunden worden, erinnert sich Küçük.

Transparenz also oberstes Ziel beim Duisburger Moscheebau

Oberstes Ziel war es, "transparent zu sein". Und so gab es viele Bürgerversammlungen und eine provisorische Begegnungsstätte auf der Baustelle, wo kritische Fragen gestellt und über Vorbehalte diskutiert werden konnte. Während der Bauphase zählte die Gemeinde rund 40 000 Besucher, die sich über den Islam im Allgemeinen und die Moscheegemeinde von Marxloh im Besonderen informierten wollten.

Von Anfang an bekam die Merkez-Moscheegemeinde Unterstützung von der Kommune. Die Bildungs- und Begegnungsstätte wurde in den Stadtentwicklungsplan aufgenommen und somit eine finanzielle Förderung von rund 1,6 Millionen Euro sichergestellt. Einen ebenso hohen Zuschuss gab es im Rahmen eines Projekts zur Regionalentwicklung von der EU. Für die Baukosten der Gebetsstätte hingegen kam die Gemeinde selbst auf – durch Spenden. Die Informationspolitik, die Arbeit des Beirats, die "transparente Finanzierung" und die Befürwortung des Projekts durch alle im Stadtrat vertretenen Parteien und wohlwollende Begleitung seitens der Nachbarschaft – all das hat nach Küçüks Worten dazu beigetragen, dass sich kein Konflikt um den Bau entfachte, weder wegen angeblicher Verkehrsprobleme noch ob der Größe der Gebetsstätte und der Höhe der Minarette. Ganz anders als beim Projekt für den Bau einer "Großmoschee" in Ehrenfeld.

Konlikte beim Moscheebau in Köln-Ehrenfeld

Für Mehmet Günet vom Ditib-Dachverband ist der Widerstand gegen das Moscheeprojekt in Köln-Ehrenfeld allein darauf zurückzuführen, "dass sich eine politische Gruppe das Thema angeeignet hat, um auf Stimmenfang zu gehen". Die Rede ist von Pro Köln, der rechten Wählervereinigung, die im Kölner Stadtrat vertreten ist und nach Bekanntwerden des Bauvorhabens gegen dessen Umsetzung mobilisierte. Die Bevölkerung sei, so Günet, mit "bewusst gestreuten falschen Informationen" angestachelt worden. Anders als in Marxloh stellten sich allerdings auch nicht alle Fraktionen im Kölner Stadtrat hinter das Projekt. So votierte im Herbst 2008 die CDU gegen den Bebauungsplan, der den Moscheebau erst möglich macht. Mit Stimmen der SPD, der Grünen, der FDP und der Partei Die Linke erhielt das Projekt jedoch grünes Licht.

Die Stimmung angeheizt hat nach Ansicht von Günet auch die lokale Presse. Und Unruhe gestiftet hätten nicht zuletzt die Äußerungen des Holocaust-Überlebenden und Schriftstellers Ralf Giordano und der türkischstämmigen Publizistin Necla Kelek. Beide sind dem Islam und dem Kölner Projekt gegenüber kritisch eingestellt.

Anders als der Moscheeverein in Marxloh hat der Dachverband in Köln aber erst in späterer Planungsphase einen Beitrat gegründet und die Nachbarschaft nicht von Beginn an in das Projekt einbezogen. Auch in Punkto Finanzierung gab es zunächst Unklarheiten – so etwa über Höhe der Baukosten und die Frage, wer die Geldgeber sein werden. Verfehlungen in der Vorgehensweise des Dachverbands kann Ditib-Justitiar Günet allerdings nicht erkennen. Schon im Vorfeld sei ein unabhängiger Sachverständiger damit beauftragt worden, die Frage der Verkehrsbelastung zu klären; und in Punkto Architektur sei lediglich die Vorgabe gemacht worden dass das Gebäude von außen als Moschee erkennbar sein solle.

Architekturwettbewerb zur Ehrenfelder Moschee

Ditib schrieb einen Architekturwettbewerb aus und beauftragte mit der Auswahl eine Jury die sich zusammensetzte aus Architekten, Vertretern von Ditib, der Stadtplanung, Lokal- und Bundespolitik sowie aus Mitgliedern von Bürgervereinen. Das Preisgericht wählte den Entwurf von Paul Böhm aus. Dieser wird in leicht abgeänderter Form gebaut und soll spätestens zwei Jahre nach der Grundsteinlegung – in 2011 – bezugsfertig sein. "Inschallah - So Gott will", wie Günet sagt.


Canan Topcu, 18.06.2009.

Zur Person:
Canan Topcu ist Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau und freie Journalistin.

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