DIK - Deutsche Islam Konferenz - Ausbildung zum Imam

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Die Ausbildung zum Imam

Die Wege zur Arbeit als Imam sind so vielfältig wie die islamische Welt selbst. Die traditionellen Wege, die einen jungen Muslim zur Arbeit als Imam qualifizieren, reichen vom Selbststudium bis zur Hochschulausbildung.

Weit verbreitet ist die Ausbildung in Form einer Art Lehre, wobei der Lehrling zunächst eine religiöse Schule oder traditionelle Madrasa, also eine klassische islamische Lehrinstitution besucht, und anschließend bei einem älteren, erfahrenen Imam in die Praxis eingeführt wird. Wird er später von einer Gemeinde zu ihrem Vorbeter gewählt, so ist er Imam.

Wie immer sich in den nächsten Jahren die Ausbildungssituation für Imame, die in Deutschland tätig sind, entwickeln wird: Für den marokkanischen Theologen, Imam und Germanisten Abdel Malik Hibaoui, der heute Leiter des Projekts "Interkulturelle Öffnung und Qualifizierung islamischer Gemeinden" der Stabsstelle für Integrationspolitik in Stuttgart ist, steht fest: "Am Ende werden es die Gemeinden sein, die entscheiden, ob sie Absolventen dieser oder jener Ausbildung akzeptieren."

Verschiedene Ausbildungswege zum Imam

DITIB: Ausbildung für die Türkisch Islamische Union

Die Türkisch Islamische Union (DITIB e.V.) genießt durch ihre Verbundenheit mit dem Türkischen Amt für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet) in Ankara das Privileg der staatlich organisierten Entsendung von Imamen aus der Türkei. Diese haben in der Regel die religiösen Mittelschulen bzw. religiösen Gymnasien, die so genannten Imam-Hatip-Schulen absolviert. Seit etwa 2005 bemüht sich das Diyanet, bevorzugt Imame zu entsenden, die auch ein Studium der Theologie an einer der türkischen Hochschulen abgeschlossen haben. Nach Angaben des Dialogbeauftragten der DITIB, Bekir Alboğa, im April 2011 haben von den derzeit in Deutschland tätigen Imamen ihres Verbandes mittlerweile rund 70 Prozent ein vierjähriges Theologiestudium abgeschlossen. Die verbleibenden 30 Prozent wurden durch einen 2-jährigen Aufbaustudiengang fortgebildet. Ein Prozent der Imame ist promoviert. Im Hinblick auf die fremde Sozialisations- und Sprachproblematik hat das Diyanet in Ankara 2006 den Studiengang "Internationale Theologie" in Ankara und Istanbul eingerichtet: Rund 100 Stipendiaten, geboren und aufgewachsen in Deutschland und anderen europäischen Ländern studieren dort inzwischen. Sie könnten nach Abschluss im Ausland als Imame eingesetzt werden.

VIKZ: Ausbildung beim Verband der islamischen Kulturzentren

Mit einer eigenen Imamausbildung begann der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ) Ende der 1980er Jahre in der verbandseigenen Akademie "Villa Hahnenburg" in Köln. Anfangs durchgeführt in Wochenend- und Ferienkursen hat sich die Ausbildung inzwischen zu einem dreijährigen Programm mit Abschlussprüfungen entwickelt, an das sich ein einjähriges Praktikum in einer Moscheegemeinde anschließt. Unterrichtssprache ist Türkisch und Arabisch und die Lehrinhalte entsprechen den klassischen Modulen: Koranrezitation, Arabische Grammatik und Phonetik, islamisches Recht, Hadithwissenschaft, Predigtschulung zur Hutba (Freitagspredigt) und das rituelle Gebet. Etwa 30 bis 35 Teilnehmer hat jeder Jahrgang, auch Frauen sind zur Ausbildung zugelassen, allerdings nicht zur Arbeit als weibliche Imame. Sie arbeiten später eher in sozialen Bereichen in den Gemeinden. Etwas strittig ist die Frage, ab welchem Alter junge Menschen zur verbandsinternen Ausbildung zugelassen werden. Erst in jüngster Zeit werden auch innerhalb des Verbandes Stimmen laut, die fordern, dass die Imamausbildung eine abgeschlossene deutsche Schulbildung voraussetzen solle, eventuell sogar eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anderen Beruf. Der VIKZ ist heute jedoch noch immer der einzige größere Bundesverband, der Imame in Deutschland selbst ausbildet.

IGBD: Ausbildung für den Verband der islamischen Bosniaken

Die Imame des Verbands der islamischen Bosniaken (IGBD) sollen im Idealfall ein Theologiestudium in Sarajewo absolviert haben. Dieses folgt ganz den klassischen Studieninhalten. Eine Ausbildung zu den vielfältigen Anforderungen, Fragestellungen und neuen Aufgabenfeldern eines Imam im nichtislamischen sozialen Umfeld ist, wie in anderen Ländern auch, nicht Bestandteil des Studiums in Sarajewo. Verbandsintern wird die Zukunft der Imamausbildung diskutiert, wobei sich zwei argumentative Schwerpunkte gegenüberstehen: Zusatzqualifikation für den Auslandseinsatz innerhalb des Studiums in Sarajewo, andere sehen die Zukunft ausschließlich in einem islamischen Theologiestudium und einer Imamausbildung in Deutschland. Beides gibt es allerdings derzeit noch nicht.

Ausbildung für unabhängige Moscheevereine

Nicht alle Moscheevereine in Deutschland gehören einem der großen, überwiegend türkisch geprägten islamischen Verbände an. So spiegeln die Imame dieser zahlreichen kleineren Vereine verschiedener nationaler Herkunft so ziemlich alle Varianten der Ausbildungen in den Herkunftsländern: Imame im Selbststudium, Imame von religiösen Madrasas, es gibt studierte Chemiker oder Rechtsanwälte, die hier im Nebenberuf als Imame arbeiten; ebenso studierte Theologen, die mit einem Stipendium für ein anderes Studienfach nach Deutschland gekommen sind und hier als Imame für Moscheevereine tätig werden. Von den vielen Herkunftsländern, die hier in Deutschland über Moscheevereine repräsentiert sind, hat nur Marokko vor drei Jahren mit einer Zusatzausbildung speziell für Imame im Auslandseinsatz begonnen. Sie dauert ein Jahr und beinhaltet über die klassischen Fächer hinaus sprach- und landeskundliche Module, derzeit jedoch mit den Schwerpunkten Englisch und Französisch.

Marfa Heimbach, 18.12.2009.

Marfa Heimbach ist Islamwissenschaftlerin, freie Autorin des Westdeutschen Rundfunk Köln und organisiert im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung das Dialogprojekt für Pfarrer und Imame "Religionen im säkularen Staat".

Zusatzinformationen

Personen im Gespräch in einer Moschee sitzend

Leitfaden "Dialog - Öffnung - Vernetzung"

Eine Projektgruppe der DIK hat einen Leitfaden für die gesellschaftskundliche und sprachliche Fortbildung von religiösem Personal und weiteren Multiplikatoren islamischer Gemeinden auf kommunaler Ebene entwickelt.

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Grabstein auf türkischem Friedhof in Berlin-Neukölln

Geschichte der Muslime in Deutschland

Die heutige Präsenz von Muslimen in Deutschland ist in erster Linie eine Folge der Arbeitsmigration der 1960er und 1970er Jahre. Aber einige Muslime lebten schon im 17. Jahrhundert hier - eine Spurensuche.

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Foto von Mustafa Cimsit

Mustafa Cimsit

Mustafa Cimsit, Generalsekretär von UMTI, zu muslimischer Seelsorge als wichtigem integrativen Beitrag.

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Jugendliche schwenken die deutsche Fahne aus Fenster

Drei Jahre Deutsche Islam Konferenz 2009

Die Publikation stellt u.a. Vorträge aus den Arbeitsgruppen der DIK sowie ergänzende Initiativen und Modellprojekte vor.

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Veranstaltungen

Veranstaltungen

Hier finden Sie Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, mit einem Schwerpunkt auf muslimischem Leben in Deutschland.

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