DIK - Deutsche Islam Konferenz - Religiosität von Muslimen

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Religiosität von Muslimen in Deutschland

Über die Religiosität von muslimischen Migranten und ihre Auswirkungen auf die Integration wird häufig spekuliert. Mit der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ist eine umfassende Grundlage für weitere Diskussionen geschaffen worden. Die im Juni 2009 erschienene Studie beleuchtet die Ausprägungen der Religiosität in den verschiedenen muslimischen Glaubensrichtungen. Zudem wird die Bedeutung des Islams für das alltägliche Leben muslimischer Migranten untersucht.

Muslime sind nicht viel religiöser als die Gesamtgesellschaft

Im Vergleich zu der deutschen Gesamtgesellschaft sind muslimische Migranten nicht auffällig religiöser. Aus der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" geht hervor, dass 50 Prozent der Muslime sich als "eher gläubig" und 36 Prozent als "sehr stark gläubig" bezeichnen. Laut dem Religionsmonitor 2008 der Bertelsmann Stiftung sind 52 Prozent der Gesamtbevölkerung "durchschnittlich religiös" und 18 Prozent "hochreligiös". In dieser Studie wurden auch Menschen ohne Religionszugehörigkeit befragt. Berücksichtigt man nur Menschen aus der Gesamtgesellschaft, die einer Religionsgemeinschaft angehören, entspricht der Anteil der Religiösen etwa dem der Muslime.

Eine Erkenntnis der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" ist darüber hinaus, dass eine starke Religiosität keine Besonderheit muslimischer Migranten ist. Der Anteil Religiöser und Hochreligiöser ist unter den nicht-muslimischen Migranten, die aus den selben mehrheitlich muslimisch geprägten Herkunftsländern stammen, vergleichbar hoch.

Vergleich der Religiosität unter Muslimen

Mehr als zwei Drittel der Muslime in Deutschland sind Sunniten. Große Gruppen stellen auch die Aleviten und Schiiten dar. Weiteren Glaubensrichtungen gehören nur fünf Prozent der muslimischen Migranten an.

In einem Vergleich dieser drei Glaubensrichtungen fällt auf, dass Sunniten am häufigsten religiös sind: 42 Prozent schätzen sich selbst als sehr stark gläubig ein. Bei den Aleviten und den Schiiten bezeichnen sich dagegen nur gut 20 Prozent als sehr stark gläubig. Die Unterschiede fallen besonders auf, wenn man die Muslime betrachtet, die sich als gar nicht religiös betrachten: Dies sind bei den Sunniten zwei Prozent, bei Schiiten und Aleviten machen über zehn Prozent diese Angabe.

Vergleich der Religiosität nach Herkunftsregionen

Die vergleichsweise niedrige Ausprägung der Religiosität schiitischer Muslime ist nicht als etwas spezifisch Schiitisches anzusehen. Die Erklärung liegt vielmehr in der speziellen Zusammensetzung der schiitischen Gruppe in Deutschland: Die Mehrheit stellen Menschen aus Iran, die oft als Oppositionelle des islamischen Regimes geflohen sind. In der Gruppe der Sunniten hingegen überwiegen türkischstämmige Muslime, die meist als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind und aus religiösen, ländlichen Familien stammen.

Diese Beobachtung deckt sich auch mit den Ergebnissen der Befragung zur Religiosität, unterteilt nach Herkunftsregionen. Nur zehn Prozent der Muslime mit iranischem Migrationshintergrund bezeichnen sich als sehr stark gläubig. Bei den türkischstämmigen Muslimen sind dies 40 Prozent. Auch der Anteil der Muslime aus Iran, die gar nicht gläubig sind, ist im Vergleich mit anderen Herkunftsregionen deutlich höher.

Bei der Untersuchung der übrigen Herkunftsregionen sind große Unterschiede erkennbar. Muslime aus Südosteuropa und Zentralasien bzw. aus der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) sind seltener sehr gläubig. Ein großer Anteil Hochreligiöser ist hingegen unter den Muslimen aus Afrika und Süd-/Südostasien zu finden. Bei Muslimen aus dem Nahen Osten ist der Anteil mit einem Viertel etwas geringer.

Welche Rolle spielt der Islam im Alltag?

Die religiöse Praxis wirkt sich auf viele Bereiche des alltäglichen Lebens aus. Im Folgenden wird gezeigt, welche Rolle dies in Bezug auf Speisevorschriften, Moscheebesuche, Gebetshäufigkeit und religiöse Feste hat.

Einhalten muslimischer Speisevorschriften

Religiöse Speise- und Getränkevorschriften zu beachten, ist für viele in Deutschland lebende Muslime sehr wichtig. Aus den meisten Herkunftsregionen geben zwischen 65 und 86 Prozent der Muslime an, sich an diese Vorschriften – zu denen der Verzicht auf Schweinefleisch und Alkohol zählt – zu halten. Eine Ausnahme stellen Muslime aus dem Iran und aus Zentralasien/GUS dar: Hier sind es weniger als ein Drittel. Bei der Einhaltung der islamischen Fastengebote, so etwa dem Fasten im Ramadan, ergibt sich ein ähnliches Bild.

Moscheebesuche

Mehr als ein Drittel der Muslime mit Migrationshintergrund besuchen regelmäßig religiöse Veranstaltungen. Dabei sind Männer deutlich häufiger in Moscheen anzutreffen als Frauen. Erklären lässt sich der Unterschied damit, dass das Freitagsgebet in der Moschee für als Männer Pflicht gilt, für Frauen hingegen nicht. Wie zu erwarten, gibt es auffällige Unterschiede beim Besuch religiöser Veranstaltungen je nach Herkunftsregion: Muslime aus Iran, aus Zentralasien/GUS und aus Südosteuropa, die seltener hochreligiös sind, nehmen auch an Gemeinschaftsgebeten seltener als der Durchschnitt teil.

Wie häufig beten Muslime?

Muslime beten etwas häufiger als nicht-muslimische Migranten aus den selben Herkunftsländern. 43 Prozent der Muslime in Deutschland beten täglich oder mehrmals pro Woche, nur 20 Prozent geben an, nie zu beten. Auffällig ist dabei der Unterschied zwischen den Geschlechtern. 39 Prozent der Musliminnen beten täglich, bei den Männern sind es nur 29 Prozent. Zudem ist die Gebetshäufigkeit nach Glaubensrichtung und nach Herkunftsregion sehr unterschiedlich. Erwartungsgemäß beten Sunniten häufiger als Schiiten. Aleviten gaben zu 60 Prozent an, nie oder nur ein paar Mal pro Jahr zu beten.

Große Bedeutung religiöser Feste

Von den Migranten, die aus mehrheitlich muslimisch geprägten Herkunftsländern stammen, feiern Muslime häufiger religiöse Feste als ihre nicht-muslimischen Landsleute. Nur 20 Prozent der Muslime begehen keine religiösen Feste. Entsprechend der Religiosität spielen solche Festtage für Sunniten eine größere Rolle als für Schiiten oder Aleviten.


Anne Kuhl, BAMF, 06.08.2009

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