DIK - Deutsche Islam Konferenz - Bildung muslimischer Migranten

Navigation und Service

Bildung muslimischer Migranten

Der überwiegende Teil der muslimischen Migranten ist als Familienmitglied oder als sogenannter Familiennachzügler nach Deutschland gekommen. Ein weiterer wichtiger Grund, um nach Deutschland einzuwandern, war die berufliche Perspektive. Unter den Muslimen, die aus beruflichen Gründen nach Deutschland gekommen sind, bilden Arbeitsmigranten mit 22 Prozent die Mehrheit. Darüber hinaus ist jeder fünfte Muslim mit Migrationshintergrund als Flüchtling oder Asylsuchender nach Deutschland eingereist. Weitere 15 Prozent sind wegen des Studiums eingewandert.

Einwanderungsgründe sind entscheidend für berufliche Stellung

Die Einwanderungsgründe unterscheiden sich dabei je nach Herkunftsregion und treten verschieden häufig auf. So ist der Anteil der Arbeitsmigranten aus Ländern, mit denen Deutschland zu Zeiten des "Wirtschaftswunders" in den 60er Jahren ein Anwerbeabkommen geschlossen hat, besonders groß. Das Abkommen mit der Türkei etwa kam 1961 zu Stande. Entsprechend geben ein Drittel der türkischstämmigen Migranten an, auf Grund der Arbeit eingewandert zu sein. Bei Migranten aus Ländern mit denen kein Anwerbeabkommen bestand, spielen Flucht und Asyl als Migrationsgrund eine wichtige Rolle. Dies trifft insbesondere für Muslime aus Iran zu.

Einen Sonderfall stellen die südosteuropäischen Länder dar, die das frühere Jugoslawien bildeten. Da auch zu Jugoslawien ein Anwerbeabkommen bestand, lässt sich damit der relativ hohe Anteil an Arbeitsemigranten (28 Prozent) und Familienmitzüglern (59 Prozent) aus Südosteuropa erklären. Gleichzeitig kamen aber auch über ein Drittel (36 Prozent) der Befragten im Zuge des Balkankonflikts Anfang der 90er Jahre als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland.

Meist entscheiden sich Migranten durch eine individuelle Kombination aus mehreren Gründen zu einer Einwanderung nach Deutschland. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass Muslime und Angehörige anderer Religionsgemeinschaften weitgehend aus den selben Gründen nach Deutschland einreisen.

Große Unterschiede in der Bildung nach Herkunftsländern

Das Niveau schulischer Bildung ist bei Menschen mit Migrationshintergrund durchschnittlich niedriger als in der angestammten Gesellschaft. Speziell unter den Zuwanderern aus muslimischen Herkunftsländern weisen Muslime ein niedrigeres Bildungsniveau auf als Angehörige anderer Religionsgemeinschaften. Dennoch bestehen auch unter den muslimischen Migranten größere Unterschiede je nach Herkunftsland. Wie schon vielfach in anderen Studien ermittelt, belegt auch die Studie des Bundesamtes, dass die Gruppe der türkischstämmigen Muslime den höchsten Bildungsrückstand aufweist: einem Anteil von 17 Prozent ohne Schulabschluss stehen nur 28 Prozent an Personen mit hohem Bildungsabschluss gegenüber. Nur Muslime aus dem Nahen Osten und sonstigen afrikanischen Ländern schneiden mit einem Anteil von 17 bzw. 15 Prozent an Personen ohne Schulabschluss ähnlich schlecht ab. Mit Abstand das höchste Bildungsniveau weisen hingegen iranischstämmige Muslime auf. Über 80 Prozent von ihnen verfügen über die Hochschulreife.

Die folgende Abbildung aus der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" zeigt den höchsten im Herkunftsland oder in Deutschland erworbenen Schulabschluss der Befragten mit Migrationshintergrund nach Herkunftsregion und Religion (in Prozent).

Grafik: Höchster im Herkunftsland oder in Deutschland erworbener Schulabschluss der Befragten mit Migrationshintergrund nach Herkunftsregion und Religion (in Prozent)

Datensatz der Befragten im Alter ab 16 Jahren gewichtet. Ungewichtete Fallzahlen: 3.886 (ohne Schüler/innen).Bei Personen, die in beiden Ländern einen Abschluss erworben haben, wird der deutsche Schulabschluss dargestellt.

Differenziert man nach erster und zweiter Migrantengeneration gilt bei allen Herkunftsregionen, dass die nachkommende Generation deutlich häufiger als ihre Elterngeneration das deutsche Schulsystem mit einem Schulabschluss verlassen. Dieser Bildungsaufstieg in der zweiten Generation gilt insbesondere für die muslimischen Mädchen und Frauen. Trotz dieser positiven Entwicklung legt die relativ hohe Quote an Schulabgängern ohne Abschluss und der vergleichsweise niedrige Anteil an Abiturienten unter den Muslimen weiter bestehende Bildungsdefizite offen.

Angesichts der großen Unterschiede unter den Muslimen je nach Herkunftsland, wird deutlich, dass kein direkter Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zur muslimischen Glaubensgemeinschaft und der Bildung besteht. Vielmehr spielen historische Gegebenheiten und die Gründe, aus denen die Menschen migriert sind eine entscheidendere Rolle für den Bildungserfolg. So stammen muslimische Familien, die im Rahmen der Anwerbung von Arbeitsmigranten beispielsweise aus der Türkei oder Marokko nach Deutschland gekommen sind, überwiegend aus bildungsfernen Schichten.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Auffällig sind die deutlichen Unterschiede hinsichtlich des Bildungsstandes zwischen den Geschlechtern. Insgesamt bringen Migrantinnen deutlich schlechtere Bildungsabschlüsse aus ihren Heimatländern mit als männliche Migranten. Jedoch ist der Bildungsaufstieg, den muslimische Frauen im Generationenverlauf im deutschen Bildungssystem vollzogen haben, deutlich höher als bei Männern. Frauen, die das deutsche Schulsystem durchlaufen haben, verfügen insgesamt über einen höheren Bildungsabschluss als ihre Muttergeneration. Der Bildungsaufstieg in der zweiten Generation ist bei Männern zwar auch vorhanden, jedoch deutlich schwächer ausgeprägt.

Förderung ist notwendig

Der schulische Erfolg sowie das Bildungsniveau bestimmen maßgeblich den beruflichen Erfolg von Migranten. Während erwerbstätige Befragte ohne Schulabschluss zu 67 Prozent Arbeiter sind, beträgt dieser Anteil bei Abiturienten nur 17 Prozent. Knapp die Hälfte der Abiturienten arbeitet als Angestellter und ein weiteres Drittel hat sich selbständig gemacht. Daher legen die Ergebnisse der Studie Muslimisches Leben in Deutschland nahe, dass gerade im Bildungsbereich ein Nachhol- und Förderbedarf besteht, was die Ausbildung und Weiterqualifizierung von muslimischen Migranten betrifft. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche berufliche und gesellschaftliche Integration von Muslimen.

Anerkennung ausländischer Abschlüsse als Herausforderung

Erschwerend kommt hinzu, dass diejenigen Zuwanderer der ersten Generation, die höhere Bildungsabschlüsse aus ihren Heimatländern mitbringen, sich in Deutschland häufig mühsam um die Anerkennung ihrer im Heimatland erworbenen Abschlüsse bemühen müssen. Mangelnde Transparenz bei den Annerkennungsverfahren und den Nachqualifizierungsangeboten sowie die Vielzahl an Zuständigkeiten und Ansprechpartnern erschweren die Integration bereits ausgebildeter Migranten in die Berufswelt.

Religiosität hindert nicht an Teilnahme am Unterricht

Oft wurde die Benachteiligung muslimischer Schüler und vor allem Schülerinnen auf Grund eingeschränkter Teilnahme an bestimmten Unterrichtsangeboten diskutiert. Die Ergebnisse der Studie Muslimisches Leben in Deutschland deuten darauf hin, dass das Thema der mangelnden Teilnahmebereitschaft muslimischer Schüler am gemischtgeschlechtlichen Sportunterricht in der öffentlichen Diskussion überschätzt wird.

Der Hauptgrund für die fehlende Teilnahme ist, dass im laufenden Schuljahr entweder gar kein Sportunterricht oder kein gemischtgeschlechtlicher Sportunterricht angeboten wird. Religiöse Motive werden so gut wie nie genannt. Von denjenigen Schülern, für die solch ein Angebot besteht, bleiben lediglich 7 Prozent der männlichen bzw. 10 Prozent der weiblichen muslimischen Schüler dem gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht fern. Ähnliches gilt auch für die Teilnahme am Sexualkundeunterricht. Weniger als ein Prozent der Schüler beiden Geschlechts bleiben diesem aus religiösen Gründen fern.

Nilden Vardar und Anne Kuhl, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 02.10.2009

Zusatzinformationen

Prof. Bülent Uçar vor einer Bücherwand

Professor Uçar bildet Lehrer für islamischen Religionsunterricht aus

Erstmals werden an deutschen Universitäten Lehrer für den Islamischen Religionsunterricht ausgebildet. Zu den Pionieren zählt die Universität Osnabrück, an der Bülent Uçar als Professor für Islamische Religionspädagogik lehrt.

Mehr: Professor Uçar bildet Lehrer für islamischen Religionsunterricht aus …

Bunte Kopftücher liegen übereinander.

Koranische Basis des Kopftuchs

Besonders drei Textpassagen des Korans werden häufig zitiert, um das Tragen des Kopftuchs zu begründen. Diese werden in diesem Artikel kurz vorgestellt.

Mehr: Koranische Basis des Kopftuchs …