DIK - Deutsche Islam Konferenz - Verankerung: Islam an Schulen und Universitäten

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Islam wird in Lehre, Forschung und Schule etabliert

Zum Auftakt der Deutschen Islam Konferenz (DIK) im Herbst 2006 erklärte der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei. Diese Aussage hatte für die Muslime in Deutschland "eine enorme Signalwirkung": So bilanziert Abdelmalik Hibaoui, wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Tübingen. Die DIK habe sich seitdem zu einer "Plattform für den Dialog zwischen Staat und Muslimen" und zu "einem wichtigen Impulsgeber für die Etablierung des Islams in Deutschland" entwickelt. Den größten Erfolg der DIK sieht Hibaoui darin, die Einrichtung von Zentren für Islamische Theologie an deutschen Hochschulen befördert zu haben. "Diese Zentren bieten uns Muslimen die Möglichkeit, uns mit unserer eigenen Theologie auseinanderzusetzen und Erneuerungen in unserem Verständnis zum Islam im Bezug auf eine pluralistische Gesellschaft zu initiieren", meint der Wissenschaftler.

Die Impulse der DIK für den Ausbau universitärer Institutionen griff der Wissenschaftsrat in seinen "Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen" auf. Vorrangiges Ziel müsse sein, heißt es in der Expertise vom Januar 2010, "die Entwicklung Islamischer Studien in Deutschland rasch und konsequent voranzutreiben". Die Bundesländer und das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) wiederum hielten sich an die Empfehlungen des Wissenschaftsrats; so unterstützt das BMWF bis 2015 den Aufbau von Zentren für Islamische Theologie mit insgesamt 20 Millionen Euro. An diesen Zentren werden wissenschaftlicher Nachwuchs sowie Lehrer für den islamischen Religionsunterricht (IRU) ausgebildet. Damit der IRU flächendeckend angeboten werden kann, werden Schätzungen zur Folge rund 2000 Lehrer benötigt.

Islamischer Religionsunterricht als ordentliches Fach

Für die DIK ist islamischer Religionsunterricht von Beginn an ein wichtiges Thema. Bereits in der Plenarsitzung im Frühjahr 2008 wurden die Voraussetzungen für die Einführung des bekenntnisorientieren IRU an öffentlichen Schulen erörtert und Handlungsmöglichkeiten für Politik und islamische Verbände aufgezeigt. Auf der Tagung "Islamischer Religionsunterricht in Deutschland" im Februar 2011 plädierte der damalige Innenminister de Maizière für eine schnelle Einführung von regulärem IRU. Experten und Praktiker aus den Ländern diskutierten dort ihre bisherigen Erfahrungen  und Möglichkeiten zur Einführung von IRU als ordentliches Fach an öffentlichen Schulen.

Das Land Hessen beispielsweise gründete den "Runden Tisch islamischer Religionsunterricht" und verhandelte mit organisierten und nicht organisierten Muslimen - mit dem Ergebnis, dass ab dem Schuljahr 2013/14 in Kooperation mit zwei muslimischen Verbänden konfessionsgebundener Unterricht an 25 Grundschulen angeboten werden soll. Schon seit Beginn des Schuljahres 2012/13 gibt es in Nordrhein-Westphalen (NRW) islamischen Religionsunterricht als ordentliches Fach; angeboten wird es derzeit an 33 Schulen. In NRW wählte man einen anderen Weg als in Hessen: das Parlament änderte das Schulgesetz, sodass ein Beirat gebildet werden konnte, der "die Anliegen und die Interessen der islamischen Organisationen bei der Einführung und der Durchführung des islamischen Religionsunterrichts" vertritt.

Fortbildung von Imamen  

Impulse bot die DIK auch für die inzwischen vielerorts angebotenen Fortbildungen von Imamen und aktiven Ehrenamtlichen aus den Moscheegemeinden. So erarbeitete eine Projektgruppe, an der Hibaoui mitwirkte, einen Leitfaden für die gesellschaftskundliche und sprachliche Fortbildung von Personal aus Moscheegemeinden. Die Handreichung, die unter dem Titel "Dialog, Öffnung, Vernetzung" im Frühjahr 2011 erschien, wendet sich vor allem an kommunale Akteure und islamische Gemeinden; unlängst startete beispielsweise in Nürnberg in Anlehnung an den DIK-Leitfaden ein solcher Weiterbildungskurs.

DIK wirkt vor Ort

Auch andere Veröffentlichungen im Auftrag der DIK erweisen sich als "sehr hilfreich". Die Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" beziehe er sehr oft in seine Arbeit ein, erklärt beispielsweise Andreas Renz, Leiter des Fachbereichs Dialog der Religionen im Erzbischöflichen Ordinariat München. "Diese Publikation bietet verlässliche Daten und verdeutlicht die Vielfalt des Islams in Deutschland." Immer wieder greife er zudem auf die Handreichung für Schule und Elternhaus zurück - insbesondere in seinen Seminaren an der Universität und bei Lehrerfortbildungen, berichtet Renz, der auch als Lehrbeauftragter an der katholisch-theologischen Fakultät an der Ludwig-Maximilian-Universität München tätig ist.

Porträt von Gari Pavkovic, Leiter der Stuttgarter Stabstelle für IntegrationspolitikGari Pavkovic, Leiter der Stuttgarter Stabstelle für Integrationspolitik

Die DIK wirkt aber auch auf eine ganz andere Weise:"Wir haben uns vor allem von den Kooperationsstrukturen der DIK inspirieren lassen", berichtet Gari Pavkovic, der die Stuttgarter Stabstelle für Integrationspolitik leitet. Im Jahr 2009 sei der Arbeitskreis "Muslime und Integration" gegründet worden, um mit Vertretern der organisierten Muslime und kommunaler Stellen gemeinsam Empfehlungen und Maßnahmen von integrationspolitischer Relevanz auf kommunaler Ebene erarbeiten zu können.

Die beschriebenen Entwicklungen sind für den Wissenschaftler Hibaoui ein Indiz dafür, dass "die Beheimatung des Islams und der Muslime in Deutschland begonnen hat". Das bedeute aber nicht, dass alle Probleme der Muslime hierzulande gelöst seien. "Wir sind in einem Prozess, zu dem Muslime und ihre Verbände wie auch die staatliche Seite ihren Beitrag zu leisten haben."

Canan Topçu

Datum 03.05.2013

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