DIK - Deutsche Islam Konferenz - Islamische Studien an deutschen Universitäten

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Islamische Studien in Deutschland: Der Anfang ist gemacht

Der Aufbau der Islamischen Theologie an deutschen Universitäten schreitet voran. Das verdeutlicht die wachsende Zahl der Studierenden. An den vier Zentren für islamische Theologie, die seit 2010 entstanden sind, werden wissenschaftlicher Nachwuchs und Religionspädagogen ausgebildet.

Mohammad Helow studiert an der Goethe-Universität Frankfurt im dritten Semester "Islamische Studien". Seine Wahl hat der 23-Jährige ganz bewusst getroffen: "Ich wollte mich meiner Religion aus wissenschaftlicher Perspektive annähern." Wie Helow sind am Institut für die Studien der Kultur und Religion des Islams (ISKRI) vor allem "die Nachkommen der muslimisch-religiösen Einwandererfamilien" immatrikuliert, berichtet Naime Çakir, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ISKRI. "Ein Teil der Studierenden will sich eingehender mit seiner Religion befassen, hat aber keine konkreten Berufsvorstellungen; andere wollen Lehrer für den islamischen Religionsunterricht werden und einer dritten Gruppe wieder schwebt eine akademische Karriere vor."

Aufbau der Zentren für islamische Theologie nach Empfehlungen von DIK und Wissenschaftsrat

Das Frankfurter Institut gehört zu einem der vier Zentren für islamische Theologie, die nach Empfehlung der Deutschen Islam Konferenz (DIK) 2009 und des Wissenschaftsrates vom Januar 2010 an Universitäten entstanden sind.

Das ISKRI bildet zusammen mit der Professur für islamische Theologie und ihre Didaktik an der Uni Gießen ein Zentrum, wie auch das Institut für islamische Theologie an der Universität Osnabrück (IITO) mit dem Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster (ZITM); das Department für islamisch-religiöse Studien an der Universität in Erlangen-Nürnberg (DIRS) und das Zentrum für islamische Theologie an der Universität Tübingen (ZITH) hingegen sind einzelne Zentren.

Nur das ZI in Tübingen wurde ganz neu aufgebaut, und zwar "fakultätsanalog", betot der geschäftsführende Direktor Erdal Toprakyaran. Damit weist er auf einen wesentlichen Unterschied hin: Das ZITH ist keinem Fachbereich untergeordnet und kann "später ohne Umstrukturierungen der katholischen und evangelischen Fakultät gleichgestellt werden".

Beschäftigung mit der islamische Binnenperspektive

Ein Studium, das die Beschäftigung mit der islamischen Theologie aus der Binnenperspektive ermöglicht, bieten alle vier Zentren an, wenn auch unter verschiedenen Namen - wie etwa "Islamische Studien" in Frankfurt. An allen Standorten werden Lehrer für den Religionsunterricht aus- und fortgebildet. Fortbildungen für Imame gab es bis 2013 in Osnabrück.

Während sich Münster, Osnabrück und Erlangen-Nürnberg bisher in der Religionspädagogik profiliert haben, konzentrieren sich Münster, Tübingen und Frankfurt vor allem auf die historische und textorientierte Forschung. Münster etwa widmet sich der systematischen Theologie (kalām), Frankfurt der Hermeneutik und Nürnberg-Erlangen der islamischen Philosophie und Ethik.

Unabhängig von einander forschen, in der Nachwuchsförderung kooperieren

Eine junge Frau schreibt auf Arabisch an die Tafel.Seminar in Tübingen: Arabischkenntnisse sind besonders wichtig für die Auseinandersetzung mit den islamischen Quellen. Quelle: Paas Photography©Universität Tübingen

Kooperationen zwischen den vier Zentren gibt es vor allem in der Nachwuchsförderung. Gemeinsame Forschungsprojekte sind "aber eher selten", sagt Toprakyaran. Im Austausch mit anderen Standorten werde vereinzelt geforscht; dazu gehört das in Erlangen-Nürnberg angesiedelte Projekt "Islam und soziale Arbeit".

Dass die Zentren weitgehend unabhängig von einander lehren und forschen "ist legitim und darf nicht angekreidet werden, zumal sich auch andere Institute nicht daran halten müssen", meint Toprakyaran. Die eine oder andere Absprache sei aber durchaus sinnvoll – etwa bei Symposien und Tagungen, damit es nicht wie kürzlich beinah geschehen, zu inhaltlichen Dopplungen und Terminkollisionen komme. "Wir haben zufällig erfahren, dass die Frankfurter zum ähnlichen Thema und zeitgleich einen Kongress vorbereiten."

Im November 2013 trafen sich Zentren-Vertreter auf einer Tagung in München zu einer ersten Bilanz. Die bisherige Entwicklung werde als "voller Erfolg" gedeutet, berichtet Toprakyaran.

Wie lange braucht es, bis sich die islamische Theologie in Deutschland etabliert hat?

Der Junior-Professor schätzt, dass es mindestens 15 Jahre dauern wird, bis sich in Deutschland eine eigenständige islamische Theologie etabliert hat. Den Beginn bewertet er als vielversprechend, innerhalb von zwei Jahren sei die Zahl des wissenschaftlichen Personals, das sich mit der islamischen Theologie beschäftigte, "enorm" gewachsen.

Allein am Zentrum in Tübingen sind fünf Professoren und elf Dozenten beschäftigt. Kontinuierlich wächst auch die Zahl der Studierenden. So begann im Wintersemester 2011/12 der Lehrbetrieb in Tübingen mit 25 Studierenden. Zwei Jahre später nahmen schon 50 von 100 Bewerbern Ihr Studium auf. Knapp 400 Personen studieren in Frankfurt am ISKRI. Mohammad Helow ist einer von ihnen. Mit seinem Studium ist er sehr zufrieden, auch wegen der "intensiv und kontrovers geführten Debatten zwischen Dozenten und Studierenden". Solche Diskussionen kenne er von Moscheegemeinden nicht. Dort, so seine Erfahrung, würden religiöse Inhalte meist "dogmatisch" vermittelt.

Von Canan Topçu

Datum 22.01.2014

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