DIK - Deutsche Islam Konferenz - Jugendarbeit der JUMA-Jugend

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JUMA - Stimmen einer neuen Generation

Jung Muslimisch Aktiv - JUMA.

Immer mehr junge Muslime in Deutschland bekennen sich selbstbewusst zu ihrer Religion und zu ihrer deutschen Identität. Sie wollen dem öffentlichen Bild von "den Muslimen" etwas entgegensetzen. Und immer mehr suchen mit ihrem Engagement die Öffentlichkeit.

Leila Younes spricht Deutsch ohne Akzent. Natürlich, denn sie ist Berlinerin. Sie studiert Jura im fünften Semester und sie ist gläubige Muslima. Seit 2010 ist sie bei JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv, einer Berliner Initiative für junge Muslime, für die die religiöse Identität zum Selbstverständnis gehört.

JUMA bedeutet "Jung, Muslimisch, Aktiv". Projektträger ist die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie e.V., kurz RAA. Die Idee zum Projekt hatte Sawsan Chebli, erste Grundsatzreferentin für Interkulturelle Angelegenheiten bei der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Endlich Verantwortung übernehmen

Bei JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv bereiten die Jugendlichen in Kleingruppen bestimmte Themen vor, um danach mit Entscheidungsträgern, Politikern oder Journalisten zu diskutieren. Ein besonders einschneidendes Erlebnis sei für Leila Younes der Besuch bei einem Redakteur einer großen deutschen Boulevardzeitung gewesen. "Nach dem Gespräch mit uns sagte der Redakteur, dieses Treffen habe sein komplettes Weltbild verändert. Er war überrascht, dass wir Muslime ganz anders sind, als er sich das vorgestellt hat", sagt Younes. Den Redakteur einer anderen Zeitung hatte die Gruppe beim Redaktionsbesuch darauf aufmerksam gemacht, dass er in seinen Artikeln oft mit unscharfen Begriffen arbeitet. Begriffe wie Muslim, Deutscher und Ausländer würden oft falsch verwendet. Dem Redakteur wurde erst während des Gesprächs so richtig bewusst, dass es durchaus viele Muslime gibt, die eben keine Ausländer sind. Dass seien ganz besondere Erfolgserlebnisse, so Younes "Momente, in denen ich das Gefühl habe, etwas zu bewegen." Mit JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv habe sie endlich die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.

Das schiefe Bild von Muslimen gerade rücken

Auch Enes Erdogan hat mit JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv seine Stimme gefunden. Früher habe er oft nicht genau gewusst, wie er auf abfällige Bemerkungen über seine Religiosität und den Islam reagieren solle. "Ich hatte in der Schule oft das Gefühl, ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Ich bin immer eher in die Defensive gegangen", so Erdogan. Bei JUMA habe er durch die Gespräche mit den anderen Teilnehmern gelernt, selbstbewusster und auch schlagfertiger zu sein. Auch Erdogan möchte den Vorurteilen und dem falschen Bild begegnen, dass noch in weiten Teilen der Öffentlichkeit über Muslime in Deutschland herrscht. "Der Bundestagspräsident Norbert Lammert hat sich zum Beispiel mit uns getroffen und diskutiert. Das war toll. Da hatte ich das Gefühl, der spricht mit uns und hört uns zu, der geht nicht einfach an den Menschen vorbei", sagt Erdogan.

Neue Vorbilder

Bei JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv diskutieren die Jugendlichen nicht nur, sie lernen auch ganz praktische Fähigkeiten wie journalistisches Schreiben oder Rhetorik. Leila Younes sagt, dass sie sich dadurch persönlich stark entwickelt habe. Moderatoren, meist Journalisten, Bundes- und Lokalpolitiker oder Kreative mit sogenanntem Migrationshintergrund, , vermitteln bei JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv ihr Wissen.

Enes Erdogan meint: "Wir brauchen eine mentale Revolution". Im Geschichtsunterricht habe er das Gefühl gehabt, es gäbe ein großes schwarzes Loch. Hier seien die Themen "Islam" oder "Geschichte der arabischen Welt" überhaupt nicht vorgekommen. Und er findet, Karrierechancen für Frauen mit Kopftuch in Deutschland müssten sich verbessern.

Sawsan Chebli, die Initiatorin von JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv sagt, sie habe sich in ihrer Jugend so eine Initiative gewünscht. Heute ist sie selbst Vorbild für eine neue Generation junger deutscher Muslime. Als jüngstes Kind einer palästinensischen Großfamilie aus dem Libanon, in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber viele Jahre staatenlos, hat sie nach dem Abitur Politikwissenschaft studiert und setzt sich heute für interkulturelle Angelegenheiten ein. "Weil mich das Thema auch persönlich stark bewegt, ist JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv für mich eine Herzensangelegenheit. Ich freue mich, dass wir mit JUMA - Jung, Muslimisch, Aktiv einen echten Dialog haben und so viel Öffentlichkeit bekommen", sagt Chebli.

Enes Erdogan hat gerade sein Abitur gemacht und will ab dem Wintersemester 2012 in Osnabrück Islamische Theologie studieren. Er könne sich vorstellen, danach selbst Imam zu werden. "Mindestens", wie er sagt. Viel lieber aber würde er selbst Dozent werden und künftige Imame unterrichten. Viele Imame hätten wenig Ahnung von Deutschland und der Kultur hier. Das würde er gerne ändern.

Auch junge deutsche Muslime interessieren sich für unterschiedliche Themen: Umwelt- und Bildungspolitik, den innerislamischen- und den interreligiösen Dialog, Medienpolitik oder Integrationsfragen. Sie wollen die Gesellschaft, in der sie leben, mitgestalten und Verantwortung übernehmen.

Silke Brandt, 05.10.2012
Silke Brandt studierte Politik- und Islamwissenschaft in Hamburg und Kairo. Sie arbeitet in Berlin bei einem privaten Bildungsträger.

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