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Planspiel Junge Islam Konferenz

Ein Tag Teilnehmer der Deutschen Islam Konferenz sein

"Bingo!" Eine freudige Stimme schallt durch den gediegenen Saal mit hohen hellen Wänden und Parkettfußboden. Plötzlich überstürzen sich die Bingo-Rufe und übertönen das Gemurmel in den Gemäuern der Berlin Graduate School of Social Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin. Es ist ein Kennenlernspiel, das sich das Team des Forschungsprojekts "Hybride Europäisch-Muslimische Identitätsmodelle", kurz Heymat, der HU Berlin ausgedacht hat, um das Eis zwischen den jungen Leuten so schnell wie möglich zu brechen. Vierzig Abiturienten und Studenten aus Berlin und Nordrhein-Westfalen, mit und ohne Migrationsgeschichte, Muslime und Andersgläubige im Alter von 17-23 Jahren, sie alle sind am ersten Wochenende im Februar zusammengekommen, um mehr zu erfahren über Muslime in Deutschland und die Deutsche Islam Konferenz.

Die Stiftung Mercator hat für ihr Projekt, mit dem sie der jungen Generation die Möglichkeit geben möchte, über die Rolle des Islams in ihrem Alltag zu diskutieren und die DIK kennenzulernen, ein volles Programm als Vorbereitungsseminar gestrickt. Vorträge von Experten, eine Podiumsdiskussion mit ehemaligen und derzeitigen Mitgliedern der Deutschen Islam Konferenz, Arbeit in Kleingruppen, ein seitenlanger Reader und ein Kulturprogramm am Rande. All das soll die jungen Leute, die aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt wurden, befähigen, sich bestmöglich auf das große Ereignis vorzubereiten: Das Planspiel "Junge Islam Konferenz – Berlin 2011".

Jugend will gemeinsam Gesellschaft gestalten

mehrere Teilnehmer im GesprächVorfreude auf den Beginn der Konferenz

Sie sind wissbegierig und kaum zu bremsen. Und so diskutieren sie auch in den kurzen Pausen weiter. Einer von ihnen ist der Berliner Schüler Till Becker. Er möchte sich in den politischen Diskurs zum Thema Islam einbringen. "Ich wünsche mir, dass das, was wir hier besprechen, nicht verpufft." Und er will Neues über den Islam lernen und andere Blickwinkel entdecken. Das Interesse des Abiturienten Jonathan Mühlbauer hat die Sarrazin-Debatte geweckt. Einem Aufruf zur Bewerbung für die Junge Islam Konferenz im Tagesspiegel konnte er deshalb nicht widerstehen. Neben ihm steht Ecem Oskay. Sie studiert Politikwissenschaft in Berlin und ist in Deutschland als Kind von sogenannten Gastarbeitern aufgewachsen. "Ich bin ständig damit konfrontiert, auch unbeabsichtigt", antwortet sie auf die Frage, weshalb sie sich für die Junge Islam Konferenz beworben hat.

Blickwinkel ändern

Am Ende des langen Wochenendes wird es spannend. Ganz feierlich werden nun die Rollen zu den Teilnehmern der Deutschen Islam Konferenz vergeben. Kriterien, nach denen die jungen Leute ihre Rollen zugeteilt bekommen haben, kann auch die Politikwissenschaftlerin Dr. Naika Foroutan, Leiterin des Heymat-Teams, nicht erklären. Manchmal wollten sie auf den Stärken und bereits gesammelten Erfahrungen der jungen Leute aufbauen, manchmal bot sich ein Perspektivwechsel an. Und der Überzahl männlicher Akteure in der DIK auf staatlicher und muslimischer Seite ist es zu verdanken, dass junge Frauen sich sogar in die Rolle des derzeitigen Außenministers oder eines Bürgermeisters einfühlen sollen. Fünf Teilnehmer werden sich als Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), der tageszeitung (taz) und Bild üben. In den zwei Wochen bis zum Planspiel durchforsten sie das Internet, um sich ein möglichst umfassendes Bild von ihrer Rolle zu machen.

Einmal jemand anders sein 

Am 18. Februar 2011 ist es soweit. Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator, hebt in seiner Begrüßung hervor, dass die Stiftung mit ihrem Projekt der Jungen Islam Konferenz gerade jungen Leuten eine Plattform bieten möchte, um über Muslime und den Islam in Deutschland zu diskutieren. Nach dem offiziellen Teil, den Grußworten und Vorträgen, eröffnet die Studentin Marett Katalin Klahn im Bundeshaus in Berlin das Planspiel als Bundesminister Dr. Thomas de Maizière unter einem Blitzlichtgewitter der anwesenden realen Presse. Sie hat sich gut vorbereitet. Wortgewandt und selbstsicher steht sie "ihren Mann" im Businesslook für Herren. Doch auch die anderen, wie z.B. Nuriana Hamdan als Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan, Till Hartmann als Hamed Abdel Samad oder Mohamed Kanaan als Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, stehen ihr in keinem nach. Die jungen Männer und Frauen diskutieren an diesem Tag in ihren Rollen als Teilnehmer der Deutschen Islam Konferenz über die Möglichkeit, den staatlich-muslimischen Dialog auf kommunaler Ebene zu institutionalisieren.

Beißt Deutschland in den sauren Apfel?

Pausen dienen informellen Gesprächen, aber geben auch den gespielten Pressevertretern von Bild, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die tageszeitung (taz), die Möglichkeit nach Informationen und Interviews für ihre Berichterstattung zu jagen.

Junge Islam Konferenz-Teilnehmer am TischDiskutiert wird auch zwischen den Sitzungen

An Einfallsreichtum und journalistischem Gespür mangelt es nicht. Und so titelt die fiktive Bild nach den ersten Stunden harter Verhandlungen: "Beißt Deutschland in den sauren Apfel?" und spielt damit auf die Herausforderung an, mit der neuen religiösen Vielfalt Deutschlands umzugehen. Die taz glänzt weniger bissig mit Analysen und Hintergrundrecherchen.

Die Teilnehmer merken schnell: Dialog ist harte Arbeit. Es bedeutet auch, sich aufeinander zuzubewegen, für ein gemeinsames Ziel den eigenen Standpunkt zu verlassen und Kompromisse einzugehen.

Eigene Empfehlungen an die DIK ausgearbeitet

Am zweiten und vorerst letzten Tag sind die jungen Männer und Frauen dann wieder ganz sie selbst mit ihrer Geschichte, ihrem Umfeld und ihrer Sicht der Dinge. Manch einer hat sich ganz besonders auf diesen Tag gefreut, denn nun wollen sie gemeinsam ihre Empfehlungen für die Deutsche Islam Konferenz erarbeiten. Der Bundesinnenminister hatte im Vorfeld seine Unterstützung des Projekts zugesagt und angeboten, die Ideen und Vorschläge der Schüler und Studenten für ein gemeinsames Deutschland zur nächsten Plenarsitzung der Deutschen Islam Konferenz am 29. März 2011 entgegenzunehmen und in die Arbeit der DIK einfließen zu lassen.

Deutschland ist ein Mosaik

In Gruppen ringen sie nach Antworten auf Fragen wie "Spielt die (islamische) Religion überhaupt eine Rolle, wenn es um Integration geht?" Mit der provokanten Frage, ob eigentlich Deutschland oder "die Deutschen" zu "dem Islam" passe, haben so manche ihre Probleme. Was ist deutsch und was muslimisch? Hüda Sag, Studentin der Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie in Bielefeld bringt es auf den Punkt: "Die Frage spaltet mich von Deutschland." Ein anderer Teilnehmer formuliert es so: "Deutschland ist ein Mosaik und der Islam ist eine Farbe davon."

Weitere Ideen werden in einer gespielten Talkrunde zum Thema "Gemeinsam Gemeinschaft schaffen" gesammelt. Die Berliner Zahnmedizinstudentin Aylin Selcuk spricht energisch ins Mikro und wirbt für Vereinsarbeit: "Jedem ist bewusst, dass er sich engagieren muss. Es gibt zehntausend Möglichkeiten, anderen Menschen zu helfen. Das ist unabhängig vom muslimisch sein." Vincent Streichhahn unterstützt sie. Er ist der Auffassung, dass Gemeinschaft erreicht werden kann, wenn man sich in kommunalen Projekten engagiert. Die Kinderkrankenschwester und Lehramtsstudentin für Deutsch und Ethik, Denise Henschel, setzt sich dagegen vehement gegen eine Benachteiligung von Frauen mit Kopftuch und für mehr Chancengleichheit ein.

Am 29. März wird ein Teilnehmer der Jungen Islam Konferenz das Ideenpaket an den Bundesinnenminister übergeben. Wir sind gespannt!

Leila Donner-Üretmek (DIK-Redaktion), 04.03.2011

Fotos auf dieser Seite: Dirk Enters/ Stiftung Mercator

Junge Islam Konferenz (JIK)

Zusatzinformationen

Das Plenum 2011 tagte in noblem Ambiente.

Ziele der Deutschen Islam Konferenz 2010

Die Deutsche Islam Konferenz ist ein Dialogforum zwischen Vertretern des deutschen Staates und Muslimen in Deutschland. Ziel des langfristig angelegten Dialogs ist, das Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

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Deutsche Islam Konferenz

Struktur der Deutschen Islam Konferenz 2009-2013

Wie werden die Themen des Arbeitsprogramms bearbeitet? Was ist das Plenum? Was macht der Vorbereitungsausschuss? Lesen Sie hier über den Aufbau der Deutschen Islam Konferenz in den Jahren 2009-2013.

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Literatur

Literaturtipps

Wenn Sie mehr über den Islam und Muslime in Deutschland erfahren möchten, finden Sie hier eine Bücherliste zum Thema.

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Blick in den Sitzungssaal

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