DIK - Deutsche Islam Konferenz - Genese der AG Prävention

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Präventionsarbeit mit Jugendlichen

So heißt die Arbeitsgruppe, deren Thema Schwerpunkt der Plenarssitzung 2013 der Deutschen Islamkonferenz ist. Dabei geht es nicht um bloße Theorie, denn viele Mitglieder der AG arbeiten schon seit Jahren mit eigenen Projekten in der Praxis zum Thema.

Ins Leben gerufen wurde die Arbeitsgruppe im September 2010. Aufhänger waren die Fragen: Was kann man religiösem Extremismus unter muslimischen Jugendlichen entgegensetzen? Was kann man gegen Muslimfeindlichkeit der Mehrheitsgesellschaft tun? Wie kann man gegen neue Formen des Antisemitismus vorgehen? In der Anfangsphase ging es zunächst darum, sich auf Begriffe zu einigen und ein gemeinsames Verständnis der Phänomene zu finden.

Der Dialog hat funktioniert. "Dass man sich auf drei Phänomene einigen konnte, war ein riesengroßer Schritt", findet Ahmed Mansour, Mitglied der Arbeitsgruppe und Projektleiter der Neuköllner Initiative "Heroes". Nach kontroversen Diskussionen einigten sich die Teilnehmer auf die Begriffe "Muslimfeindlichkeit", "Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen" und "religiös begründeter Extremismus unter Muslimen".  Auch Martin Gerlach, Bundesgeschäftsführer der Türkischen Gemeinde in Deutschland, kurz TGD, ist mit dem Ergebnis zufrieden: "In der AG ging es um Annäherungsprozesse zwischen den politisch Verantwortlichen, den Vertretern der Ministerien und den migrantischen und muslimischen Organisationen und Verbänden. Durch den konstruktiven Dialog ist es gelungen, sich anzunähern."

Gegen Stigmatisierung vorgehen

Verstärkt widmete man sich dem Thema Muslimfeindlichkeit in der Mehrheitsgesellschaft. Im Dezember 2012 fand die Fachtagung "Muslimfeindlichkeit – Phänomen und Gegenstrategien" statt. "Muslime selbst können und müssen aktiv sein, um Vorurteilen zu begegnen", meint Zekeriya Altug, Vorstandsvorsitzender der DITIB Nord. "Allerdings muss dies auch ein Thema in der Mehrheitsgesellschaft sein. Migranten werden eher kriminalisiert, als dass man sie auch mal als Opfer betrachtet, die Stigmatisierung im Alltag und die Diskriminierung drückt eine Grundhaltung in der Gesellschaft aus", ist er überzeugt. Die Fachtagung sei ein guter Startpunkt gewesen.

In der zweiten Phase der Arbeitsgruppe war das Ziel, konkrete Ansätze für die Präventionsarbeit zu finden. Einige der Teilnehmer konnten dabei mit ihren Erfahrungen aus der eigenen praktischen Arbeit viel beitragen.

Die Weltreligionen in einer Stadt

Bernd Ridwan Bauknecht ist seit zehn Jahren Lehrer für Islamkunde in Bonn. Mit Schülerinnen und Schülern der Johannes-Rau-Hauptschule hat er 2012 einen Film gemacht. Die Schüler, besuchten Vertreter der Weltreligionen in ihrer Stadt zu Gesprächen und Diskussionen. "Ich war zunächst einmal begeistert von den Fähigkeiten der Schüler, die sonst im Unterricht gar nicht zum Einsatz kommen. Die sind wirklich über sich hinausgewachsen", sagt Bauknecht. Gerade die persönlichen Gespräche, zum Beispiel mit Franziskanermönchen und Gemeindemitgliedern der Synagoge hätten in den Köpfen vieles bewegt. "Wenn jetzt einer in der Schule einen Witz antisemitischer Färbung macht, gibt es in meiner Klasse gleich mehrere Experten, die mit Vorurteilen aufräumen", so Bauknecht.

Jugendarbeit aktualisieren

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Religion, aber auch Selbstständigkeit lernen die Jugendlichen im Rahmen des Projekts „Mein Weg“ der DITIB Nord. „Bisher war die Jugendarbeit der DITIB eher nach innen gerichtet und religiös motiviert. Das wollen wir durchbrechen und die Jugendarbeit offener gestalten, alte und neue Elemente mischen“, so Zekeriya Altug, Vorstandsvorsitzender der DITIB Nord. Klassisches Element ist und bleibt dabei die Ausbildung zum Jugendgruppenleiter, neu sei aber die Vernetzung der Jugendlichen auch mittels des Internet. Auf einer Plattform im Web sollen interessierte Jugendliche über Themen zum Islam oder andere Themen die sie beschäftigen gemeinsam diskutieren. Es sollen vor allem auch Jugendliche angesprochen werden, die sich für den Islam interessieren; aber wenig Hintergrundwissen haben, so dass sie nicht auf dubiosen extremistischen Webseiten landen. Denn vor allem junge Menschen, die noch nicht im Glauben gefestigt und auf der Suche nach religiöser Orientierung sind, gerieten schneller in die Radikalisierungsfalle. Altug ist gerade auch mit dem hohen Frauenanteil der Seminarteilnehmer bei "Mein Weg" sehr zufrieden.

Haltungen und Emotionen weitergeben

Auch das Projekt „Heroes“ setzt auf die sogenannte peer education. In einem einjährigen Training werden männliche Jugendliche aus Ehrenkulturen zum Hero ausgebildet und geben später ihr Wissen, Haltungen und Emotionen an andere Jugendliche weiter. „Für die Jungs ist es wichtig, dass sie von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert und anerkannt werden“, sagt Ahmed Mansour. Auch durch das große  Medieninteresse an Heroes funktioniere das mittlerweile ziemlich gut. „Wir müssen die Jugendlichen zu kritischem Denken animieren und sie brauchen Vorbilder“, erklärt Mansour. Bei Heroes lernen die jungen Männer sich mit dem Ehrbegriff und verschiedenen Aspekten ihrer Kultur auseinanderzusetzen und Traditionen zu hinterfragen.  die Frage nach der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau spielt eine zentrale Rolle. Vorbilder aus der eigenen Kultur könnten so ein Umdenken in den Köpfen herbeiführen.

Gezielt Engagement unterstützen

Mit dem Projekt "Pro Quo" der TGD lernen migrantische Organisationen ihr bürgerschaftliches Engagement zu professionalisieren. "Wie akquiriere ich Gelder für meine Arbeit? Das ist ein wichtiger Aspekt um professionell sein zu können", so Martin Gerlach. "Es gibt so viele gute Projekte innerhalb der Community, die so viel näher dran sind an den muslimischen Jugendlichen als die großen Wohlfahrtsverbände", meint Gerlach. Eine eigene Idee für ein Projekt entwickeln und den Spaß an der eigenen Idee fördern, auch das will Pro Quo erreichen.

In der dritten Phase der AG Präventionsarbeit mit Jugendlichen sollen nun konkrete Projekte  auf den Weg gebracht werden. Das nötige Know-how ist da. Es kommt aber auch auf den finanziellen Rahmen an. "Politischer Wille zeigt sich in der Höhe der Mittel", meint Gerlach. "Wie groß das Interesse an guten Projekten ist, wird sich herausstellen, wenn die Zahlen auf dem Tisch liegen."

Silke Brandt

Datum 03.05.2013

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