DIK - Deutsche Islam Konferenz - Wanderausstellung „Was glaubst Du denn?! Muslime in Deutschland“

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"Was glaubst Du denn?!" Muslime in Deutschland

Muslimischer Alltag in Deutschland

Alltag von Muslimen in Deutschland sieht bei jedem Menschen muslimischen Glaubens ganz unterschiedlich aus. Muslime sind Lehrer, Wissenschaftler, Vereinsmitglieder, Nachbarn, Künstler und vieles mehr - eben alles was Nicht-Muslime auch sind.

"Ich bin Akademikerin, ich bin Frau, ich bin Studentin, ich bin auch Muslima, ich bin grün, ich bin jemand, der sich gern mit Menschenrechten auseinandersetzt, ich bin jemand, der es mag, kosmopolitisch zu denken – und das sind alles Sachen, die meine Identität ausmachen."

Was junge Muslime in Deutschland bewegt

Diese Worte stammen von Kübra, einer der Protagonistinnen, die sich in der Wanderausstellung "Was glaubst Du denn?! - Muslime in Deutschland" vorstellen. In kurzen Clips offenbaren junge Muslime ihre Wünsche und Ansichten zu Freundschaft, Heimat, Familie, Zukunft, Liebe und Religion. Da ist zum Beispiel Melissa, die lange Probleme in der Schule hatte, aber nun ihr Abitur schaffen möchte, um später Polizistin zu werden. Oder Kübra aus Bonn, die überlegt, ein Kopftuch als Ausdruck ihres Glaubens zu tragen, aber bisher darauf verzichtet hat, weil ihre bunt gefärbten Haare genauso wichtig für ihre Persönlichkeit sind.

Comics erzählen prägende Geschichten aus dem Leben der jungen Muslime. Wie ein Ausrufezeichen liegt neben dem Comic ein Gegenstand, der den Jugendlichen wichtiger Begleiter war. Zahoor floh aus Afghanistan - hinter einer Glasscheibe entdeckt man die zwei Handys, die er dabei brauchte. Melissa zeigt ihre pinken High Heels, die für sie genauso selbstverständlich zu ihrem Leben gehören, wie ihre Leidenschaft Fußball zu spielen.

High Heels, Handy und Fußball

Pinke High-Heels und FussballschuheQuelle: BpB/Robert Sasse

Diese persönlichen Einblicke machen stutzig – wer denkt bei Muslimen schon an pinke High Heels? Der Besucher gerät ins Grübeln: was ist Identität? Wie stark prägen uns Vorurteile? Und tut man dem Einzelnen damit nicht Unrecht – da Persönlichkeit immer mehr ist als Glaube, Nationalität oder ein anderer "Hintergrund"?

Aber wie kann man das anschaulich vermitteln? Die Macher der Ausstellung setzen auf Interaktion. Kurze Comics zeigen, wie schnell man aufgrund des Aussehens oder seiner Religion missverstanden, vorverurteilt oder ausgegrenzt werden kann. "Peer Guides" regen mit einfachen Fragen wie "was hättest Du gemacht?" einen Perspektivwechsel und Diskussionen über den möglichen Ausgang einer jeden Szene an. So vollzieht der Besucher Diskriminierungserfahrungen nach und hinterfragt Stereotype – auch die eigenen. Natürlich vermittelt die Ausstellung den Besuchern auch Fakten. In acht bunten Animationsfilmen werden Themen wie Muslimfeindlichkeit oder das Verhältnis von Islam, Christentum und Judentum auf witzige und eingängige Weise vorgestellt.

Gerade die persönlichen Geschichten kommen gut bei den Jugendlichen an. Laut Julia Hummel stoßen "besonders die biografischen Exponate mit den lebensgroßen Darstellungen der Protagonisten auf großes Interesse. Alle Schülerinnen und Schüler finden sich hier wieder. Sie identifizieren sich mit den gleichaltrigen Protagonisten und deren Lebenswelten".

Peer Education anstatt Frontalunterricht

Julia Hummel ist Peer Trainerin. Der Begriff "Peers" steht für einen Zusammenschluss von Personen gleichen Alters und Status, die sich gegenseitig beeinflussen. Jugendliche lernen leichter von Gleichaltrigen. Für "Was glaubst Du denn?!" lassen sich deshalb Schüler ab 16 Jahren zu Peer Guides ausbilden und begleiten die Schulklassen durch die Ausstellung. Die Ausbildung der Peer Guides leisten die Peer Trainer, junge Erwachsene wie die Studentinnen Julia Hummel und Sabine Schreck.

Dass die Peer Education auch Herausforderungen bereit hält, weiß Sabine Schreck. Die jugendlichen Peer Guides sind weder Islamwissenschaftler noch Theologen, daher könnten Fragen auch mal unbeantwortet bleiben. "Gleichzeitig aktiviert dies die Schülerinnen und Schüler, sich zu beteiligen und die Fragen später in der Klasse zu klären". Einen weiteren Vorteil bietet Peer Education durch den fehlenden Notendruck; die Schüler fühlen sich nicht gezwungen, "richtig" antworten zu müssen. Das kann Julia Hummel bestätigen. "Die Bereitschaft zu diskutieren, sich zu Wort zu melden und zu beteiligen, ist viel größer, als in der üblichen Unterrichtssituation." Die Lehrkräfte halten sich dabei im Hintergrund, wie es die Peer Trainerin erlebt hat. "Während die Schülerinnen und Schüler in der Ausstellung beschäftigt sind, nutzen manche Lehrkräfte die Zeit, um sich selbst an einigen Exponaten zu informieren."

Hervorhebung als Achtung: Informationen zur Wanderausstellung

Die Ausstellung "Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland" wurde durch die Bundeszentrale für politische Bildung im Auftrag des Bundesministerium des Innern erstellt. Sie richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I aller Schulformen. Die Eröffnung fand am 3. Juni 2013 an der Berliner Otto-Hahn-Schule statt. Derzeit gastiert sie in Leipzig und wird ab 16. September 2014 für einen Monat am Nürnberger Dürer Gymnasium zu sehen sein. Weitere Termine und Informationen finden sie auf der Webseite der Ausstellung www.wasglaubstdudenn.de.

Volker Nüske

 

Datum 02.09.2013

Zusatzinformationen

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