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Deutscher Rap mit muslimischer Botschaft

Foto von SayfoudinSayfoudin, Quelle: privat

Als Jugendlicher hat er Drogen genommen und richtig viel Mist gebaut, erzählt Sayfoudin seine Geschichte. "Irgendwann hab ich aber gemerkt, dass es so nicht weiter geht. Ich musste etwas ändern", erklärt er. "Ich hab mich dann wieder mehr mit dem Islam beschäftigt und gemerkt, dass mir das Ruhe und Kraft gibt." In seinem Song "Hiermit bezeuge ich" verarbeitet der 31 jährige diese Erfahrung.

Auf den rechten Weg zurückgefunden

Auch Ammar114 erzählt in seinen ersten Texten davon, wie er auf die schiefe Bahn geraten ist, aber durch den Islam auf den rechten Weg zurückgefunden hat. Die Zahl 114 in seinem Künstlernamen steht für die 114 Suren, aus denen sich der Koran zusammensetzt. Dabei kommt Ammar eigentlich aus einer christlichen Familie. In Äthiopien ist er geboren, aber in Frankfurt am Main aufgewachsen. Dort haben sich Sayfoudin und Ammar 1994 auch kennengelernt und machen seitdem zusammen Musik.

Während sich Sayfoudin, Sohn einer italienischen Mutter und eines marokkanischen Vaters, auf den Islam zurückbesonnen hat, ist Ammar zum Islam konvertiert. Ihre Texte klingen authentisch, weil sie davon erzählen, was Sayfoudin und Ammar selbst erlebt haben.

Mit ihrer Musik wollen die beiden heute vor allem die Jugendlichen erreichen, die aus muslimischen Familien kommen, aber gar nicht genau wissen, was Islam eigentlich bedeutet. "Es gibt so viele kriminelle Typen, die stolz von sich behaupten, sie seien Muslime, aber nichts über die Religion wissen. Denen muss man erstmal wieder klarmachen, dass Islam auch Frieden und Respekt heißt", meint Ammar. In seinem Song "Fünf32" kritisiert er dann zum Beispiel auch die Jugendlichen, die in der Münchner U-Bahn im letzten Jahr einen Mann krankenhausreif geprügelt haben. Damit kommt die Kritik aus den eigenen Reihen.

Islam bedeutet Frieden und Respekt

In den Texten spiegelt sich aber auch das Selbstverständnis vieler junger Muslime in Deutschland wider. Ammar114 hat einen Song mit dem Titel "Wir sind Deutschland" aufgenommen. Darin verarbeitet er seine Erfahrungen, hier aufgewachsen zu sein, aber nicht als Deutscher akzeptiert zu werden. Vor allem als Muslim müsse man sich in Deutschland immer wieder rechtfertigen.

Sayfoudin sieht sich selbst als waschechten Hessen - und das kann man auch hören. "Ich liebe Handkäs mit Musik, eine Spezialtät hier bei uns",  babbelt er drauflos, was das Zeug hält. "Ich bin eben ein Deutscher Rapper, der eine Botschaft hat und Muslim ist."

Zu Ammars Repertoire gehören aber auch Songs mit durchaus streitbaren Texten – typisch für das Rap-Genre. Einige seiner Texte sind politisch und häufig überspitzt. In dem Song "Im Namen der Demokratie" zum Beispiel übt Ammar deutliche Kritk an der amerikanischen Außenpolitik unter George W. Bush. Aber auch negative Erfahrungen mit Medien und deutscher Politik verarbeitet er in seinen Stücken. Andere Texte wie "Liebe Schwester", ein Loblied auf den Durchhaltewillen kopftuchtragender Frauen, oder "Ich lebe für Allah" haben eher einen missionarisch anmutenden Unterton. Genau diese Texte und Ammars Auftritte bei umstrittenen islamischen Organsationen, wie der Islamischen Gemeinschaft Deutschlands, lassen dann schon mal deutsche Sicherheitsbehörden aufhorchen. Gleichzeitig macht ihn diese Mischung zu einem Star unter den "Pop-Muslimen". So bezeichnet die Islamwissenschaftlerin und Autorin Julia Gerlach die Gruppe junger Muslime, die Mode, Musik und gesellschaftliches Engagement mit einer ausgeprägten Religiösität verbinden.

Keine Schublade passt

Sahira ist eine der wenigen Frauen in der deutschen Rapszene. Die Tochter palästinensischer Eltern ist in Berlin aufgewachsen und schon seit längerem recht erfolgreich im Musikgeschäft. In ihrem Song  "Dit Tuch" erzählt sie auf eigenwillige Weise, warum sie das Kopftuch trägt. Seitdem wird die 27 jährige Künstlerin immer wieder in den Medien zitiert, wenn es um junge selbstbewusste Musliminnen geht. Sie wolle aber wegen ihrer Musik und nicht mehr nur wegen ihres Kopftuchs wahrgenommen werden. Interviewanfragen prüft ihr Management genau. Wenn ein Bericht über sie das Label Islam tragen soll, bittet Sahira um Verständnis, dass sie dafür nicht zur Verfügung stehe. Das Management erklärt, Sahira wolle einfach nicht mehr in diese Schublade gesteckt werden.

Derzeit verbreitet sich die Musik noch überwiegend durch das Internet. "Wir arbeiten daran, besser und professioneller zu werden", versichert Sayfoudin. Ziel sei es aber auch, sich in Zukunft stärker mit anderen Musikern in Deutschland und in Europa zu vernetzen. Im Moment konzentriert sich der Frankfurter aber vor allem auf ein ganz bestimmtes Projekt - sein erstes eigenes Album, das bald erscheinen soll. Die Arbeiten daran laufen auf Hochtoren.

Silke Brandt, 27.08.2009

Zur Person: Silke Brandt studierte Politische Wissenschaft und Islamwissenschaft in Hamburg, verbrachte längere Zeit in Kairo und ist seit 2005 Redaktionsmitglied bei Zenith, Zeitschrift für den Orient. 

 

 

 

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