DIK - Deutsche Islam Konferenz - Ramadanfest

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Das Ramadanfest in Deutschland

In Deutschland, wie überall auf der Welt, wo Muslime leben, ist das Fest des Fastenbrechens ein wichtiges Ereignis für die Gemeinschaft. Die dreitägigen Feierlichkeiten beenden den Fastenmonat Ramadan. Es ist nach dem Opferfest, das zum Gedenken an Abraham gefeiert wird, das zweitwichtigste Fest der Muslime. Wie alle islamischen Feiertage richtet es sich nach dem Mondkalender und verschiebt sich damit von Jahr zu Jahr.

Viele Gläubige in Deutschland empfinden das Ramadanfest als Zeit der Verbundenheit mit der weltweiten Gemeinschaft der Muslime. So, wie das gemeinsame Fasten während des Ramadans die Muslime vereint, als gemeinsame Phase der Besinnung und des Nachdenkens, verbindet sich auch mit dem Ramadanfest eine spirituelle Stimmung. Es gilt als Fest der Versöhnung. Freundschaften werden zelebriert, wer sich zerstritten hat, soll den Streit beilegen.

Fest der Versöhnung und Gemeinschaft

Oft wird das Fest des Fastenbrechens in Deutschland mit dem christlichen Weihnachtsfest verglichen. Nicht nur ist seine Bedeutung für die Gläubigen ähnlich hoch. Wie zu Weihnachten bekommen auch zum sogenannten Zuckerfest die Kinder Geschenke, oftmals neue Kleidung und Süßigkeiten. Dem Kirchenbesuch an Heiligabend entspricht der islamische Brauch, "dass jeder Moscheebesucher in seinem schönsten Anzug, schönsten Hemd und schönsten Schuhen in die Moschee kommt, um am ersten Feiertag am Gebet teilzunehmen", wie Halim Alibasic, Vorbeter des Islamischen Kulturzentrums der Bosniaken in Hamburg und Umgebung, erzählt.

Familienfeier von "nah nach fern"

Der erste Feiertag beginnt mit einem morgendlichen Festgebet in der Moschee, an dem häufig vor allem Männer teilnehmen. Entsprechend der Tradition in einigen Herkunftsländern von Muslimen gehen manche nach dem Moscheebesuch zum Friedhof, um ihrer verstorbenen Angehörigen zu gedenken. Danach beginnen die Familienfeierlichkeiten. Während der drei Tage des Fests bewegt man sich dabei meist von "nah nach fern": Am ersten Tag ist der engere Familienkreis unter sich, an den beiden folgenden Tagen stattet man den übrigen Verwandten Besuche ab.

Soziale Verantwortung

Das gemeinsame Fasten während des Ramadans, das Festtagsgebet in der Moschee und die gegenseitigen Besuche von Familienangehörigen und Freunden während der Feiertage stärken den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl. Doch was wäre ein Gemeinschaftsgefühl, ohne dabei an Arme und Bedürftige zu denken? Muslime entrichten ihre Armensteuer, auch zakat genannt, und andere freiwillige Spenden daher vor allem im Ramadan. Außerdem ist es für Muslime im Ramadan üblich, eine weitere Spende, die sogenannte Fitr-Abgabe, bis spätestens zum Festtagsgebet zu spenden. Häufig werden Nahestehende bedacht, doch gerade in Zeiten von Dürre und Hungersnöten wie derzeit vor allem in Somalia, sehen sich viele Muslime nach Möglichkeiten um, diesen Bedürftigen zu helfen. So organisierten im Ramadan 2011 zahlreiche Moscheen und Muslime in ganz Deutschland Spenden- und Hilfsaktionen mit großem Engagement.

Süßigkeiten und ethnische Herkunft

Da das Fest den Fastenmonat Ramadan beendet, danken Muslime Gott mit dem Festessen dafür, dass sie die Kraft und die Ausdauer gefunden haben, die religiöse Pflicht des Fastens zu erfüllen. Gereicht werden zahlreiche traditionelle und wohlriechende Speisen. Bei Muslimen türkischer Herkunft darf Baklava, ein süßes Gebäck, oder auch Lokum, ein Konfekt, zu schwarzem Tee nicht fehlen.

Bei den vielfältigen ethnischen und nationalen muslimischen Gruppen, die in Deutschland leben, stärkt das Ramadanfest den Zusammenhalt, da alle ähnliche Bräuche praktizieren. Halim Alibasic führt dies auf historische Gründe zurück, die er am Beispiel der bosnischen und türkischen Gemeinde erläutert: "Aufgrund der Tatsache, dass die Bosniaken eine lange osmanische Tradition vorzuweisen haben, unterscheiden sie sich in ihren Bräuchen nicht von den Türken."

Besonders in Feinheiten lassen sich anhand der Art, wie die Muslime die Feiertage begehen, auch ethnische Herkunftslinien nachzeichnen. Nicht überall in Deutschland üblich ist etwa die Eigenheit, am ersten Tag des Ramadanfests schon vor 10 Uhr mit dem Mittagessen zu beginnen. "Das ist speziell kurdischer Brauch", berichtet die Duisburger Politikstudentin Rigien Bagekany aus ihrer eigenen irakisch-kurdischen Familientradition. Auch hinter den Rezepturen der Süßigkeiten verbirgt sich nicht selten eine ethnische oder nationale Topografie. Türkische Muslime etwa bereiten Baklava mit viel Sirup zu, Kurden essen das Gebäck dagegen weniger süß und Muslime arabischer Herkunft bevorzugen allerlei Köstlichkeiten mit Datteln und Nüssen.

Auf die Frage, ob das Ramadanfest auch mit Nicht-Muslimen gefeiert werde, sagt Rigien Bagekany: "Wenn wir endlich abends wieder etwas unternehmen können, weil wir nicht mehr durch das Fasten so müde sind, gehe ich gern mit deutschen Freunden ins Kino." Dieses abendliche Ausgehen mit der Clique ist natürlich kein formaler Teil des Ramadanfestes. Viele Muslime laden auch gerne ihre nicht-muslimischen Nachbarn zum Festessen ein oder verteilen Speisen und Süßigkeiten an sie.

Thilo Guschas

Zusatzinformationen

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