DIK - Deutsche Islam Konferenz - Ramadan 2014 – kommentiert von Nurhan Soykan

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Ramadan 2014 - kommentiert von Nurhan Soykan

Nun ist die Hälfte des Ramadanmonats um und es wurden viele Iftarveranstaltungen sowohl von den muslimischen Religionsgemeinschaften als auch von den politischen Parteien organisiert, die von hochrangigen Vertretern der Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften besucht wurden.

Unserer Iftareinladung als Zentralrat der Muslime folgten der Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und  unser Arbeitsminister Guntram Schneider (NRW), sowie andere hochrangige Gäste. Das zeigt, dass der Islam in Deutschland langsam in der Mitte der Gesellschaft ankommt und Muslime selbstverständlicher Teil Deutschlands werden. Die offiziellen Iftare sind eine Facette des diesjährigen Ramadan. Die andere ist das Gemeindeleben in den Moscheen, wo täglich Iftare für die ganze Nachbarschaft angeboten werden und das anschließende Teravih-Gebet stattfindet. Auffällig ist, dass an diesen auch viele Jugendliche teilnehmen. Das liegt wohl daran, dass dieses Jahr der Ramadan wieder zum größten Teil in die Sommerferien fällt, was das Fasten auch für meine Kinder einfacher macht. Immer wieder bin ich der vorwurfsvollen Frage ausgesetzt:

"Fasten Ihre Kinder etwa auch? Den ganzen Tag nichts trinken - kann doch nicht gesund sein?"

Auch ich habe mir die Frage gestellt, ob Kinder fasten sollten. Pflicht ist es erst ab der Pubertät, aber auch jüngere Kinder können langsam herangeführt werden, z.B. mit halbtägigem Fasten. Die Frage kann ich nur mit ja beantworten, wenn ich an die Millionen von Kindern denke, die auf der Welt hungern müssen. Bei Vielen ist das Hungern die kleinste Sorge. Sie verlieren ihre Eltern und Geschwister unter Raketenbeschuss, haben Todesangst, verlieren ihr Haus, ihre Schule, ihre Freunde, oft sogar ihr Leben. Das ist unsere Gegenwart und Realität, die auch meine Kinder durch das Fasten wenigstens im Ansatz nachvollziehen können, auch wenn sie den halben Tag schlafen und dann ihr Wunschessen serviert bekommen. Wenn wir uns von unserem Überfluss ein wenig distanzieren und über den Tellerrand schauen, bekommen wir vielleicht auch eine gesündere Einschätzung von dem, was wirklich schlimm ist.

Nurhan Soykan ist Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime in Deutschland e.V.

Datum 21.07.2014

Zusatzinformationen

Hamburger Ramadan Pavillion in der Nacht mit Beleuchtung.

Fasten, Mitfühlen, Austauschen – Ramadan hat viele Facetten

Die Meisten kennen ihn als den Monat, in dem Muslime tagsüber nichts essen und nichts trinken dürfen. Doch was passiert eigentlich nach dem Fastenbrechen? Es steckt mehr in diesem Monat.

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Zwei kleine Mädchen im Gebetsraum lächeln in die Kamara. Beide haben einen Lutscher in der Hand.

Fastenbrechen in der Öffentlichkeit wird selbstverständlich

Früher waren es nur Muslime, die zum Iftar einluden. Diese Einladungskultur hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren immer mehr verändert. Gastgeber sind längst nicht mehr nur Moscheegemeinden.

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