DIK - Deutsche Islam Konferenz - Ramadan 2014 – kommentiert von Abdullah Uwe Wagishauser

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Ramadan 2014 - kommentiert von Abdullah Uwe Wagishauser

Der Ramadan ist für die Muslime ein Monat der Besinnung und Kontemplation. Es gilt den Verzicht auf körperliche Genüsse auszugleichen durch ein Mehr an spirituellem Genuss. Was der Gläubige an Nahrung für den Körper entbehrt, das kompensiert er durch zusätzliche Nahrung für die Seele. Wenn das gelingt, kommt es zu einer Wandlung des Bewusstseins, das Ego schrumpft, niedere Leidenschaften, Gefühle wie Hass, Wut und Zorn entweichen und Demut, Dankbarkeit, Solidarität mit Leidenden und Versöhnungswille ziehen in das Gemüt ein. Es ist das ununterbrochene Gebet, die Beschäftigung mit dem Koran und das Gedenken Allahs unseres Schöpfers, das uns wieder daran erinnert, was jenseits des hektischen Alltags und kurzlebiger, weltlicher Beschäftigung wirklich von Bedeutung ist. Und dann die letzten zehn Tage des Ramadans, die nach dem Vorbild des Propheten Muhammad dazu genutzt werden, sich in die Moschee zurückzuziehen, um ganz für sich allein zu meditieren und zu beten, stärken wie eine Art Muskeltraining das Menschliche und Barmherzige in uns. Ziel ist es, sich mit den Eigenschaften Allahs, des Gnädigen und Barmherzigen zu färben, um IHN zu erkennen – so formuliert der Koran den Sinn des Lebens (Sure 51: 57). Der Ramadan ist damit für uns die intensivste Trainingseinheit, eine Art Marathon für die Seele, der ein besonders schnelles und konzentriertes Vorankommen auf dem Weg Allahs ermöglicht.

Der Ramadan ist aber auch ein Monat, in dem neben der inneren Einkehr im Bestreben sich selbst zu reformieren, die Gemeinschaft und das Miteinander gepflegt werden. Das gemeinsame Fastenbrechen (Iftar) in erster Linie in der Familie stärkt deren Zusammenhalt und verbindet. Beim Iftar-Empfang der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Hamburg mit Bürgermeister Olaf Scholz war es zudem ein Deutschland Spiel während der Fußball Weltmeisterschaft, das eindrücklich zeigte, wie sehr alle gemeinsam hinter der deutschen Mannschaft stehen. Dieses WIR-Gefühl, dass hundertausende Deutschlandfans zum Brandenburger Tor führte, um den Weltmeister zu empfangen, ist auch ein Ziel des Ramadans: Es ist das Mitfühlen mit dem Leid und der Freude anderer, sei es im Gaza-Streifen, in Israel, in Syrien oder anderswo auf der Welt; sei es bezüglich der Opfer terroristischer Gruppen wie ISIS oder Boko Haram oder dem Unglück in der Ukraine. Was für uns Muslime damit einhergeht: Ein sich verantwortlich fühlen, um gemeinsam zum Guten zu wirken. Für das dazu nötige solidarische Handeln muslimischer Verbände mit anderen Organen, auch um innerislamische Aufklärungsarbeit möglich zu machen, bietet die Deutsche Islam Konferenz auch ein Fundament.

 

Abdullah Uwe Wagishauser ist Amir und Bundesvorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland KdöR

 

 

Datum 21.07.2014

Zusatzinformationen

Hamburger Ramadan Pavillion in der Nacht mit Beleuchtung.

Fasten, Mitfühlen, Austauschen – Ramadan hat viele Facetten

Die Meisten kennen ihn als den Monat, in dem Muslime tagsüber nichts essen und nichts trinken dürfen. Doch was passiert eigentlich nach dem Fastenbrechen? Es steckt mehr in diesem Monat.

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Zwei kleine Mädchen im Gebetsraum lächeln in die Kamara. Beide haben einen Lutscher in der Hand.

Fastenbrechen in der Öffentlichkeit wird selbstverständlich

Früher waren es nur Muslime, die zum Iftar einluden. Diese Einladungskultur hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren immer mehr verändert. Gastgeber sind längst nicht mehr nur Moscheegemeinden.

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