DIK - Deutsche Islam Konferenz - Der Fastenmonat Ramadan

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Der Fastenmonat Ramadan

Viele Muslime erleben den Ramadan als eine Zeit von Nähe und Gemeinsamkeit. So formuliert der Buchautor Eren Güvercin: „Die schönste Zeit im Ramadan ist die Zeit nach dem Fastenbrechen in den späten Abendstunden. Mit engen Freunden und Verwandten sitzt man nach dem Fastenbrechen bei Tee oder Kaffee in gemütlicher Runde. Im Alltag außerhalb des Ramadan hat man dazu oft nicht die Zeit.“

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang sollen Muslime in dieser Zeit verzichten auf Essen, Trinken, Rauchen und Sexualität. Der Verzicht soll den Alltag durchbrechen und damit zu Besinnung und Besinnlichkeit verhelfen. Im Monat Ramadan soll Muhammad der Koran offenbart worden sein.

Zum Fasten werden die Gläubigen im Koran unmittelbar aufgefordert: „O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren – vielleicht seid ihr ja gottesfürchtig –, an abgezählten Tagen.“ Die Fastenzeit ist gekennzeichnet durch verschiedene Traditionen und Rituale.

So endet das Fasten am Abend dann, wenn ein weißer von einem schwarzen Faden nicht mehr zu unterscheiden sei. Gemäß der Überlieferung wird das Fasten mit einer Dattel und einem Glas Milch gebrochen, es folgt ein Gebet und eine Mahlzeit.

Wunsch nach Geschlossenheit

Einen Sonderfall stellen die Aleviten dar. In der islamischen Welt sind sie eine religiöse Minderheit. In Deutschland leben rund 500.000 Aleviten. In einigen Elementen stehen sie dem schiitischen Islam nahe, doch es bestehen markante Unterschiede. Zum Beispiel fasten sie nicht im Monat Ramadan, sondern in den ersten zwölf Tagen des islamischen Monats Muharram.

Einige Aleviten beteiligen sich dennoch am Fasten im Ramadan. „Ich habe an Ramadan gefastet, weil alle meine sunnitischen Freunde das taten, es hat mir ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermittelt, aber das habe ich auch nur zwei Jahre gemacht“, berichtet etwa die junge alevitische Bloggerin Çiğdem Toprak. Ihre Worte spiegeln Zerrissenheit wieder. Einerseits ist da der Wunsch nach Zugehörigkeit - idealerweise auch ohne zu Fasten - andererseits fällt Abgrenzung bei einem so wichtigen Ereignis schwer, weil einige diese Position nicht nachvollziehen können. Für viele Aleviten ist der Ramadan deswegen ein komplexes Thema.

Diskussionspunkt Mondsichtung

Eine spannende Frage ist der Zeitpunkt, zu dem der Fastenmonat Ramadan beginnt. Maßgeblich ist hierfür die Sichtung der neuen Mondsichel, wenn der islamische Vormonat Scha’ban zuende geht. Dieses astronomische Ereignis kann mit verschiedenen Methoden berechnet werden. Aus ihnen hat der „Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland“ eine ausgewählt und empfiehlt die ermittelten Zeiten als einheitliche Werte für alle Muslime. Dies soll Auseinandersetzungen vermeiden und Planungssicherheit ermöglichen.

Doch nicht alle Muslime in Deutschland folgen dieser Linie. „Es ist jedes Jahr dasselbe“, meint Djavad Mohagheghi mit Blick auf die wiederkehrenden Diskussionen. Mohagheghi engagiert sich für die lokalen schiitischen Gemeinden, insbesondere das "Islamische Zentrum Hannover", in dem er auch Vorsitzender des Vorstandes ist. „Nach Auffassung der schiitischen Gelehrten und auch einiger sunnitischer Gelehrter“ – so Mohagheghi – „ist allein ausschlaggebend, wann die Mondsichel lokal gesichtet wird“ – also ausdrücklich nicht der Zeitpunkt der frühesten Sichtung weltweit, wie eine andere gängige Praxis lautet, und auch kein mathematisch berechneter Termin. So beginnt der Ramadan für die Befürworter der lokalen Sichtung meist ein, zwei Tage später.

Daher fasten oft einige Muslime noch, während die Mehrheit der Sunniten bereits das Ende der Fastenzeit mit dem „Id al-Fitr“ zelebriert, einem hohen islamischen Fest. Da der Ramadan eine Zeit der Verständigung sein soll, in der Konflikte gelöst werden, lastet – paradoxerweise – auf der Harmonie ein besonderer Druck. Mohagheghi nimmt nach Möglichkeit zum „Id al-Fitr“ an den Gebeten in sunnitischen Moscheen teil, obwohl er selbst noch fastet. Das eigentliche „Id al-Fitr“-Gebet nimmt er dann später wahr – nach der schiitischen Tradition in den schiitischen Gemeinden.

Die Tradition der Tarawih-Gebete

Im Ramadan sollen Gebete und Bittgebete nach Möglichkeit in der Gemeinschaft, in der Moschee stattfinden. In der sunnitischen Tradition ist hierfür im Besonderen das Tarawih-Gebet vorgesehen, ein Nachtgebet. In einem Hadith, einem Ausspruch des Propheten, soll Muhammad die Gläubigen zu diesem Ritual für die Ramadanzeit ermuntert haben.

Diese Rituale sind eine Abkehr von der Hektik. Paradoxerweise muss die Produktivität darunter nicht zwangsläufig leiden, erläutert Güvercin, und beschreibt, wie er den Ramadan während des Studiums erlebt hat: „Man hat zwar nicht so lange gelernt oder geschrieben wie in anderen Monaten, aber man war trotz der kürzeren Lern- und Schreibphasen konzentrierter und effektiver.“

Thilo Guschas, 19.07.2012

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