DIK - Deutsche Islam Konferenz - Ramadan-Tagebuch II

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Ramadan-Tagebuch II

Der zweite Teil - Eis und Eid (ul-Fitr)

Endspurt: Die letzten Tage des Ramadans und das Ramadanfest als krönender Abschluss. Wie erlebte Eren Güvercin die letzten Tage des Ramadans bei über 30 Grad Hitze. Wie feiern Muslime das Ramadanfest?

09. August, 21. Tag

Wie jedes Jahr im Ramadan stellen mir meine nichtmuslimischen Arbeitskollegen und Freunde Fragen rund um das Fasten, wenn sie mitbekommen, dass es wieder soweit ist. Es ist interessant, dass immer dieselben Fragen von denselben Personen kommen. Ich nehme es aber mit Humor. Die Standardfragen sind immer, ob es denn nicht ungesund sei, gerade wegen dem Trinken etwa jetzt in den langen Sommertagen etc. Ich finde es erstaunlich, wie viele es für unmöglich halten, dass das überhaupt machbar ist. Daher haben die meisten Menschen in meinem Umfeld großen Respekt vor dem Fasten. Und wenn sie in meiner Anwesenheit etwas essen, fühlen sie sich nicht wohl und entschuldigen sich, auch wenn ich immer darauf bestehe, dass es mir nichts ausmacht. Denn ich kenne es nicht anders. Ich habe bisher nie in einem muslimisch geprägten Land gefastet, von daher bin ich es gewöhnt, dass um mich herum die meisten Menschen nicht fasten.

12. August, 24. Tag:

Heute fiel mir das Fasten besonders schwer. Nicht etwa, weil es viel zu tun gab, sondern weil ich heute einen Tiefpunkt hatte und mir alles schwer fiel. Aber auch in diesen schwierigen Phasen denke ich nie ans Aufgeben. Irgendwie schafft man es doch diese zu überwinden. Denn genau in diesem Kampf liegt der Segen des Fastens. Man hält daran fest und spätestens nach der ersten Tasse Kaffee, die auf das Fastenbrechen am Abend folgt, befindet man sich wieder in blendender Verfassung und bester Stimmung. Während des Ramadans gibt es immer ein bis zwei solcher Tage, an denen gar nichts läuft, und man nur noch im Blick hat, diesen Tag irgendwie hinter sich zu bringen. Aber das gehört dazu, Ramadan ist nun mal auch mit Anstrengung verbunden. Ich glaube, dass etwas fehlen würde, wenn einem alles nur leicht fiele.

14. August, 26. Tag:

Da viele Überlieferungen in der islamischen Tradition darauf hindeuten, dass die Nacht der Bestimmung, die Laylatul-Qadr, in der 27. Nacht zu suchen ist, sind die Moscheen in dieser Nacht total überfüllt. Diejenigen, die es einrichten können, nehmen sich in diesen letzten Nächten des Ramadan die Zeit für Gebete und rezitieren viel aus dem Koran. Auch ich habe mir den heutigen Tag frei genommen. Nach dem Fastenbrechen gehe ich zum gemeinschaftlichen Tarawih-Gebet in die Moschee, das in dieser Nacht länger dauert als in den anderen Nächten. In dieser Nacht spricht der Imam besondere Gebete. Ich spüre bei vielen die Intensität der letzten Tage des Ramadan. Einige bleiben auch nach dem Tarawih-Gebet in der Moschee und verbringen die ganze Nacht dort, vertieft in ihre Gebete bis zum Sonnenaufgang.

17. August, 29. Tag:

Der vorletzte Ramadantag. Obwohl wir diesmal in den langen Sommertagen bis zu 17 Stunden gefastet haben, kann ich es nicht wahrhaben, dass der Ramadan schon fast vorbei ist. Etwas Wehmut ist zu spüren, weil diese Zeit so schnell vorüber ging. In den letzten Ramadantagen fange ich schon mit den Vorbereitungen für den Bayram an, dem Fest zum Ende des Ramadans. Da viel Besuch ansteht, bringt man die Wohnung auf Vordermann und bereitet die Süßigkeiten, wie etwa Baklavas und andere Süßspeisen, vor.

19. August, Ramadanfest:

Am Tag des Ramadanfestes stehe ich bereits zum Sonnenaufgang auf, um mich auf den Moscheebesuch vorzubereiten. Am Morgen des Bayrams findet nämlich das Festgebet in der Moschee statt. Da der diesjährige Bayram auf einen Sonntag fällt, ist es beim Gang in die Moschee auf den Straßen sehr ruhig - bis auf die vielen Muslime, die sich in Festtagskleidung auf dem Weg zur Moschee befinden. Gerade an diesem Tag ist die Moschee oft so voll, dass man sogar auf die Bürgersteige ausweichen muss. Nach dem kurzen Gebet und einer kurzen Predigt ist es dann soweit. Man gratuliert sich in der Moschee zum Bayram, was schon einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Bei einigen hundert Menschen aus meiner Nachbarschaft, die sich in der Moschee zum Bayram eingefunden haben, kann sich das Gratulieren dann schon etwas hinziehen.

Der schönste Moment ist das gemeinsame Frühstück mit der Familie und den Freunden an diesem Tag. Denn zum ersten Mal seit 30 Tagen frühstückt man wieder bei Sonnenlicht. Nachdem ich einige ältere Bekannte und Verwandte besucht und ihnen zum Bayram gratuliert habe, verabrede ich mich mit ein paar Freunden. Da auch dieser Tag mit etwa 39 Grad der heißeste Tag des Jahres ist, treffen wir uns in Köln am Rhein und genießen die Sonne bei Kaffee und kühlen Getränken und fragen uns dabei auch mit einem Schmunzeln, ob wir es überhaupt geschafft hätten, in so einer Hitze zu fasten. Aber zum Glück hatten wir während des ganzen Ramadans angenehme Temperaturen und wie es der Zufall wollte, kam die Hitzewelle am ersten Tag nach Ramadan.

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Eren Güvercin ist freier Journalist und Autor. Im April erschien sein Buch "Neo-Moslems – Porträt einer deutschen Generation" im Herder Verlag.

Er bloggt unter: http://erenguevercin.de

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Zusatzinformationen

Eine gut besuchte Bäckerei in in Kreuzberg mit orientalischen Backwaren.

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