DIK - Deutsche Islam Konferenz - Ramadan 2014: Öffentliche Fastenbrechen

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Fastenbrechen in der Öffentlichkeit wird selbstverständlich

Am Montagabend hat Selçuk Doğruer am Ramadan-Empfang der Deutschen Bank in Frankfurt am Main teilgenommen. Ein paar Tage zuvor war der islamische Theologe beim Iftar-Essen der Fraport AG am Flughafen Rhein-Main. Gleich am ersten Tag des Monats Ramadan war er Gast der Stadt Frankfurt, die im Garten des Bolongaro-Palastes ein Iftar ausrichtete.

Im Fastenmonat ist der Dialogbeauftragte des DITIB-Landesverbands Hessen oft zum Iftar eingeladen. Im Rückblick sieht Doğruer, der als Sohn türkischer Einwanderer in Friedrichshafen geboren wurde und aufwuchs, einen erheblichen Wandel. "Die Willkommenskultur wird immer mehr umgesetzt", sagt der 31-Jährige.

Ramadan 2014 - Iftar (Essen)

Ramadan-Empfang im Garten des Bolongaro-Palastes in Frankfurt-Höchst

Gleich am ersten Tag des Ramadan empfing Oberbürgermeister Peter Feldmann Vertreter von Moscheegemeinden sowie Funktionsträger aus dem interreligiösen und interkulturellen Dialog im Garten des Bolongaro-Palastes in Höchst. Yusuf Çolak von der Valide-Sultan-Moschee bewertete in seiner Rede die Einladung als ein "historisches Ereignis". Damit setzte die Stadt ein Zeichen des Respektes. "Sie vermittelt auch die Botschaft: Die muslimischen Bürger sind ein selbstverständlicher Teil Frankfurts". Quelle: privat

Gastgeber und Gäste von Iftar-Abenden sind nicht nur Muslime

Früher waren es nur Muslime, die zum Iftar einluden. Diese Einladungskultur hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren immer mehr verändert. Gastgeber sind längst nicht mehr nur Moscheegemeinden, muslimische Privatpersonen und Unternehmer, zum Ifar-Essen lädt inzwischen auch die Politik auf verschiedenen Ebenen ein. Kirchen, Wirtschaftsverbände und Unternehmer gehören ebenfalls zu den Gastgebern. Die Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Cemile Giousouf, beispielsweise veranstaltete in Berlin einen Iftar-Abend mit dem Bundesinnenminister, weiteren Prominenten aus Politik, Religion und Gesellschaft. In diesem Jahr zum ersten Mal gab auch die rheinland-pfälzische Landesregierung einen Ramadan-Empfang. Einzelne Mitglieder der Landesregierung, Abgeordnete und auch der Beauftragte für Migration und Integration nähmen immer wieder an Iftar-Essen teil, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer den Gästen. Sie habe daher ganz bewusst in die Staatskanzlei eingeladen.

Zunehmend reagieren auch Kommunen darauf, dass ein erheblicher Teil ihrer Bürger muslimischen Glaubens ist. In der Praxis sieht das ganz unterschiedlich aus: Im südlich von Frankfurt gelegenen Neu-Isenburg beispielsweise genehmigte die Stadt eine Straßensperrung in einem Wohngebiet für ein öffentlich ausgerichtetes Iftar-Essen mit der Nachbarschaft. In Bad Homburg wiederum konnte die örtliche DITIB-Gemeinde ihre Ramadan-Zelte im Schlosspark aufbauen. Auf dem Hanauer Marktplatz kann ein Moscheeverein schon seit mehreren Jahren Iftar-Abende veranstalten.

Öffentliches Iftar gibt es in Großstädten wie auch in kleineren Orten

Von A wie Augsburg bis Z wie Zell: Öffentliche Iftar-Essen auf Plätzen und Parks gibt es inzwischen bundesweit, meist organisieren die öffentlichen Speisungen einzelne Gemeinden. Dass Moscheevereine unterschiedlicher Islamverbände gemeinsam einen Iftar-Abend ausrichten, ist allerdings eine Ausnahme. In Lörrach an der Schweitzer Grenze haben erstmals Moscheen der IGMG, DITIB und des VIKZ die Bürger zum gemeinschaftlichen Iftar-Essen eingeladen.

Mit dem Ritual, das Fasten gemeinsam in der Öffentlichkeit zu brechen, wollen Muslime vor allem eines zum Ausdruck bringen: "Wir sind Teil dieser Gesellschaft, haben Interesse an Kontakten und bieten Möglichkeiten zum Kennenlernen", erklärt Doğruer. Vertreter der Mehrheitsgesellschaft setzen sich zwar auch mal dazu, aber es sind meistens nicht ganz so viele, wie es sich die Veranstalter wünschen.

Canan Topçu

Datum 30.07.2014