DIK - Deutsche Islam Konferenz - Ramadan 2015: Im Zeichen der Flüchtlingshilfe

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Muslime widmen Fastenmonat der Flüchtlingshilfe

In der Küche klimpert das Geschirr, am Esstisch mischt sich das Geplapper mit dem Duft von köstlichen Speisen. Man reicht Teller umher und langsam lässt sich eine gewisse Ungeduld verspüren. Dann ist es soweit: Schweigen legt sich über den Raum und die  Anwesenden murmeln Gebete oder halten einfach kurz inne bis sie zum erlösenden Glas Wasser und einer Dattel greifen. Kurz vor 10 Uhr abends Ende Juni in Deutschland: wir befinden uns mitten im Fastenmonat Ramadan.

Auf der ganzen Welt enthalten sich Muslime für vier Wochen, zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang,  von Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr. Doch nicht nur die Enthaltsamkeit steht im Mittelpunkt. Jedes Jahr teilen sie ihre Speisen mit bedürftigen Menschen, denn es ist vor allem eine Zeit  der Gemeinschaft: Ganz im Sinne von Hilfsbereitschaft und  Gastfreundlichkeit widmet sich der Ramadan 2015 in Deutschland der Flüchtlingshilfe.

Gemeinsam für Flüchtlinge in Deutschland

Große Dachverbände wie DITIB, IGMG oder der ZMD, ebenso wie einzelne Moscheegemeinden, laden Flüchtlinge zum Iftar, dem täglichen Fastenbrechen ein. Viele Iftare für Flüchtlinge sind aber auch aus privatem Engagement aktiver  Muslime entstanden. So zum Beispiel das Fastenbrechen des Münchener Forums für Islam am 5. Juli. "Das war eigentlich naheliegend", erzählt Nadira Mékic auf die Frage, wie sie auf die Idee für das Projekt gekommen ist. "Viele meiner Freunde und Bekannte arbeiten in dem Bereich zum Beispiel als Sozialarbeiter, Dolmetscher oder ehrenamtlich. Nachdem wir bereits zwei Iftare zu verschiedenen Themen organsiert haben, stand schnell fest: Wir wollen auch eins für Flüchtlinge machen!". Der Kontakt zu den Flüchtlingen kam meist durch die Betreuer in den Unterkünften zustande, die die Flüchtlinge auch zum Fastenbrechen begleiteten. Aktuell gibt es in München sehr viele Minderjährige und alleinreisende, junge Flüchtlinge. "Am Anfang gibt es immer etwas Berührungsängste", weiß  Nadira zu berichten "Aber gerade bei den Jüngsten ist das Eis schnell gebrochen und wir haben von Fußball bis zu kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden über alles Mögliche gequatscht!". Besonders beeindruckt hat sie die Hilfsbereitschaft der Community. "Wir haben einige Restaurants abgeklappert, um Spenden anzufragen und hatten innerhalb von einer Stunde ein ganzes Buffet zusammen. Das hat mich total gerührt! Einer hat das Fleisch gespendet, aber der Platz fehlte, um dieses zuzubereiten. Dann hat das nächste Restaurant seine Küche zur Verfügung gestellt und die Suppe gesponsert – einfach toll!".

Menschen sitzen gemeinsam an einem Tisch und essen.Die Gäste des Iftars für Flüchtlinge vom LIB e.V. brechen das Fasten gemeinsam im Innenhof der Lutherkirche. Quelle: LIB e.V.

Unter freiem Himmel fand am 11. Juli im Innenhof der Lutherkirche in der Kölner Südstadt ein gemeinschaftliches Fastenbrechen des Liberal-Islamischen Bundes e.V. statt. Eine bunt gemischte Gruppe, darunter auch Vertreter der jüdischen und der evangelischen Gemeinde kamen zum gemeinsamen Iftar mit den Flüchtlingen zusammen. "Da wir eng mit der Lutherkirche hier zusammen arbeiten und auch deren Räumlichkeiten nutzen entstand die Idee des Iftars für Flüchtlinge auch gemeinsam. Der Termin fällt leider in die Ferien, aber wir freuen uns, dass das Angebot so gut angenommen wurde und wir diese tolle Location nutzen können; zum Glück spielt auch das Wetter mit!", freut sich Rabeya Müller, die zweite Vorsitzende des LIB e.V.

Aufruf zur bundesweiten Aktion

Der IGMG lud anlässlich des Weltflüchtlingstag am 20. Juni unter dem Motto: "Flüchtling. Nachbar. Freund" mit Beteiligung von Moscheen aus dem gesamten Bundesgebiet zum Fastenbrechen ein. Mit dem Leitgedanken "Helft denen, die alleine sind!" bieten DITIB-Gemeinden gemeinsame Iftare an – über tausend Menschen nehmen diese Einladung täglich an. Der Zentralrat der Muslime hat in diesem Jahr davon abgesehen, wie sonst üblich Iftare mit Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft zu veranstalten und rief zur bundesweiten Aktion "Deutschland sorgt für Flüchtlinge" auf. Moscheen und Gemeinden wurden sowohl finanziell als auch logistisch dabei unterstützt, Iftare für Flüchtlinge anzubieten – manche einmalig, manche sogar täglich. Engagierte Muslime aus ganz Deutschland beteiligten sich  sowohl in Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet als auch mit einer Moschee in Halle an der Saale, eine Region, die nicht gerade als Kerngebiet muslimischen Lebens in Deutschland bekannt ist. "Jeden Tag besuchen uns zwischen 150-250 Flüchtlinge zum Iftar!" verrät Djamel Amelal vom Islamischen Kulturcenter Halle e.V. stolz. "Flüchtlinge aus aller Welt sind bei uns zu Gast – von Syrien bis Somalia. Mittlerweile kommen einige auch täglich und helfen beim Kochen und Vorbereiten des Iftars. Insgesamt sind wir in Sachsen-Anhalt fünf Gemeinden und arbeiten sehr eng zusammen." Besonders hat Herrn Amelal auch der Besuch von Vertretern aus unterschiedlichen Bundes- und Migrantenorganisationen ebenso wie aus anderen religiösen Gemeinschaften gefreut.

Die muslimische Gemeinschaft hat sich  dem aktuellen Thema angenommen und diesen besonderen Monat genutzt um die Flüchtlinge in Deutschland willkommen zu heißen und zu integrieren. Durch das gemeinschaftliche Speisen sind viele interessante Gespräche zustande gekommen, es konnten Kontakte geknüpft werden und vielleicht sind sogar einige Freundschaften entstanden. Einen gelungenen Abschluss des besonderen Monats bildet das Festgebet in der Islamischen Moschee Penzberg am 18. Juli, zu dem alle Flüchtlinge der Region herzlich eingeladen sind und welches erstmalig  im Bayrischen Rundfunk übertragen wird.

Esther Ecke

Datum 17.07.2015

Zusatzinformationen

Eine Gebetskette hängt über einem Geländer einer Moschee

Der Fastenmonat Ramadan

Das Fasten im Ramadan gehört zu den Grundpflichten der Muslime. Der Ramadan gilt als Zeit der Spiritualität und Einigkeit.

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