DIK - Deutsche Islam Konferenz - Sendungen zu muslimischen Leben

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Sendungen zu muslimischen Leben

"Ein möglichst umfassendes Bild des vielfältigen muslimischen Lebens in Deutschland wiedergeben"

Schmuckbild VielfaltQuelle: ZDF.de

Maryam ist ein beliebter Mädchenname in muslimischen Familien. Es ist die arabische Form von Maria. Maryam ist im Koran die einzige Frau, die namentlich erwähnt wird. Nach Maryam ist sogar eine Sure benannt. Auf diese Besonderheiten weist die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi in einem Radiobeitrag hin. Die Wissenschaftlerin erklärt darin, dass Maria auch für Muslime als „wahrhaft gläubige und standhafte Frau“ ein Vorbild sei. Rund vier Minuten dauert Mohagheghis Beitrag und ist so lang wie alle Radiobeiträge im "Freitagsforum", einem Sendeformat der Redaktion Religion und Gesellschaft auf NDR Kultur.

Schon seit 2013 ist die Reihe fester Bestandteil des Programms; anfangs lief die Sendung nur einmal im Monat, im April 2016 wurde sie auf wöchentlich umgestellt. "Aufgrund der Relevanz der Themen Islam und Leben von Muslimen in Deutschland", erklärt Ita Niehaus, die seit Jahren als freie Mitarbeiterin für die Redaktion arbeitet. Gerade im Zusammenhang mit den Diskussionen um die Anerkennung von muslimischen Verbänden als Körperschaften des öffentlichen Rechts sei es wichtig, Muslimen und allen, die sich für das Thema interessieren, Informationen zu bieten. Das macht die Redaktion mit Hintergrundberichten und Reportagen aus dem Alltag von Muslimen und mit Kommentaren zu aktuellen Themen oder eben auch mit Essays zu Glaubensfragen wie etwa zur Bedeutung der heiligen Jungfrau Maria im Koran.

Islambild oft von Klischees und Vorurteilen geprägt

Die Sendung gibt Muslimen unterschiedlicher Ausrichtung ein Forum, ihre Sicht darzustellen – zu islamischen Themen grundsätzlich oder aber auch zu aktuellen Ereignissen und Debatten. „Wir möchten ein möglichst umfassendes Bild des vielfältigen muslimischen Lebens in Deutschland wiedergeben“, sagt Redaktionsleiter Claus Röck. Weil das Islambild zu oft von Klischees und Vorurteilen geprägt sei, gehe es darum, ein seriöses, sachliches Gegengewicht zu populistischen Strömungen zu bilden.

Das Freitagsforum ist eines von vier festen Formaten in öffentlich-rechtlichen Sendern, das sich explizit den Themen Islam und muslimisches Leben in Deutschland widmen. Neben dem "Freitagsforum" gibt es das "Forum am Freitag" (ZDF), "Muslime in Deutschland“ (SWR) und seit März 2015 "Koran erklärt“ im Deutschlandfunk (DLF), das wöchentlich jeweils freitags ab 9.55 Uhr zu hören ist. Die knapp vier Minuten langen Beiträge folgen immer dem gleichen Schema: Erst trägt ein Sprecher einen Koran-Vers vor, dann interpretiert ihn ein Experte. Zu Wort kommen islamische Theologen und Islamwissenschaftler aus dem In- und Ausland. Sie erläutern die jeweiligen Verse mit ihrer wissenschaftlichen Expertise im historisch-exegetischen Kontext. „Es geht um eine sachgemäße Auseinandersetzung mit dem Koran. Unsere Experten liefern damit Informationen, die zum Verständnis hilfreich und nötig sind“: So erklärte Intendant Willi Steul zum Auftakt der Sendereihe das Ziel.

Keine Verkündigungssendung, sondern religionswissenschaftlich ausgerichtete Beiträge

Die Sendereihe "Koran erklärt" betreut DLF-Redakteur Torsten Gerald Schneiders, der zudem Islamwissenschaftler ist. In Absprache mit ihm widmen sich die Autoren einem Vers. Es handelt sich also um eine redaktionell gestaltete Reihe, die Wissen vermitteln will und „ausdrücklich um keine muslimische Verkündigungssendung“. "Durchweg anerkennend und lobendend" seien bislang Reaktionen auf die Beiträge von „Koran erklärt“, teilt der Sender mit und begründet es damit, dass das Format „keine Anknüpfungspunkte für Polemik“ biete, da es religionswissenschaftlich ausgerichtet sei.

Der Freitag ist im Islam der wöchentliche heilige Tag - wie der Sonntag bei den Christen. Für Redakteure und Journalistin, die sich auf die Suche nach Namen für Sendeformate zu Themen rund um Islam und Muslime machten, lag es also nahe, diesen Wochentag im Titel aufzugreifen und die Sendezeit auf diesen Tag zu legen. So integrierten alle vier öffentlich-rechtlichen Sender die Formate ins Freitagsprogramm. Der SWR und das ZDF waren die ersten öffentlich-rechtlichen Sender, die Sendeformate ins Leben riefen, die sich auf muslimisches Leben ins Deutschland und die hiesigen Debatten über den Islam konzentrieren.

Informationen und Interpretationen aus muslimischer Perspektive

Mit der Reihe „Islamisches Wort“ startete im April 2007 der SWR - zunächst wurden die Beiträge als Text und Audio auf der Web-Seite von SWRcontra veröffentlicht. Der damalige SWR-Intendant Peter Voss wollte mit dieser Sendereihe eine Plattform für Muslime schaffen, über die sie authentisch über ihren Glauben und über Ihren Alltag in Deutschland vor dem Hintergrund ihres islamischen Glaubens berichten und erzählen können. Als aus SWRcontra 2012 SWRinfo wurde, änderte sich auch der Name des Formats zu "Islam in Deutschland". Nunmehr läuft die Sendung jeden ersten Freitag im Monat jeweils ab 14.40 Uhr und ab 17.40 Uhr, abrufbar sind die Beiträge auch im Internet. Zu Wort kommen im Wechsel drei junge Muslime, die im Sendegebiet des SWR zu Hause sind. Es sind Emina Corbo-Mesic, Hussein Hamdan und Hakan Turan. Corbo-Mesic hat Wurzeln in Bosnien und koordiniert seit Februar 2017 das Projekt JUMA (jung-muslimisch-aktiv) in Baden- Württemberg. Hamdan stammt aus dem Libanon und ist Religionswissenschaftler und Turan ist Nachkomme türkischer Arbeitsmigranten. Er ist Studienrat und in der Gymnasiallehrerausbildung tätig. Im Wechsel beschäftigen sich die drei Autoren in drei Minuten langen Essays mit zeitlosen Themen rund um religiöses Leben, ethische Fragen wie etwa zu Abtreibung und mit aktuellen Debatten, beispielsweise über das Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst.

Reportagen, Hintergrundberichte und Interviews zu aktuellen Themen

Im Juni 2017 feiert die Redaktion von „Forum am Freitag“ ihr zehnjähriges Bestehen. Zum Geburtstag schenkt der Sender dem Format einen neuen Vorspann, ansonsten bleibt das Konzept wie es ist. "Weil es sich bewährt hat“, erklärt Reinold Hartmann, der als Leiter der ZDF-Redaktion "Kirche und Leben evangelisch“ das Forum am Freitag verantwortet. Die 15 Minuten lange Sendung mit Interviews, Reportagen und Hintergrundbeiträgen läuft freitags ab 7.45 Uhr auf ZDF-Info und ist zudem online abrufbar. Zu Wort kommen - wie auch beim Freitagsforum auf NDR Kultur - muslimische Theologen und Persönlichkeiten und Vertreter des organisierten Islams. Die Themen kreisen um aktuelle Diskussionen über Islam und Muslime im deutschen Kontext – wie etwa um die Teilnahme am Schwimmunterricht für muslimische Schülerinnen, Halal-Lebensmittel und muslimische Bestattungen. ZDF-Redakteur Abdul-Ahmad Rashid ist seit der ersten Sendung dabei, unterstützt wird er derzeit von den beiden Journalistinnen Nazan Gökdemir und Dilek Üsük, die wie er einen muslimischen Hintergrund haben.

Ob "Freitagsforum", "Forum am Freitag", "Koran erklärt" oder "Muslime in Deutschland": Mit diesen Formaten wollen die öffentlich-rechtlichen Sender nicht nur Muslime erreichen, sondern all die Menschen in Deutschland, die sich für die Themen Islam und Muslime interessieren und sich darüber aus muslimischen Perspektiven informieren möchten.

Ein Mann sitzt in einem AufnahmestudioQuelle: kbwills

Alle Sendungen im Überblick:

Fernsehen:

ZDF Info: "Forum am Freitag“

https://www.zdf.de/kultur/forum-am-freitag

Sendezeit:  jeden Freitag ab 7.45 Uhr; neue Beiträge ab dieser Zeit auch online abrufbar. 

Sendedauer: 15 Minuten 

Inhalt: Reportagen, Interviews, Hintergrundbeiträge zu aktuellen Debatten rund um Islam und muslimisches Leben.

Radio:

Deutschlandfunk: „Koran erklärt“

www.deutschlandfunk.de/koran-erklaert.2393.de.html

Sendezeit: jeden Freitag in der Sendung „Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft“ ab ca 9.55 Uhr, Beiträge sind auch im Internet nachzulesen und - zuhören.  

Sendedauer: 4 Minuten 

Inhalt:  Erörterungen von Koransuren durch islamische Theologen und Islamwissenschaftler. 

SWR Info:  "Islam in Deutschland“

www.swrinfoislam.radio.de/

Sendezeit: jeder erste Freitag im Monat, jeweils ab 14.40 Uhr und ab 17.40 Uhr, abrufbar sind die Beiträge auch im Internet nachzuhören und -zu lesen.

Sendedauer: 3 Minuten

Inhalt: Kommentare und Essays zu aktuellen Themen mit Bezug zum muslimischen Leben in Deutschland. 

NDR Kultur: „Freitagsforum"

www.ndr.de/ndrkultur/sendungen/freitagsforum

Sendezeit: jeden Freitag ab 15.20 Uhr, ab  Vormittag auch schon online zu hören und zu lesen. 

Sendedauer: 4 Minuten

Inhalt: Reportagen, Kommentare und Hintergrundbeiträge zu aktuellen Debatten aktuellen Debatten rund um Islam und muslimisches Leben.

Canan Topçu, Journalistin / DIK-Redaktion

Datum 23.02.2017

Zusatzinformationen

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Literatur

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