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Wie türkische und arabische Medien Deutschland sehen

Mit dem Deutschlandbild in türkischen Zeitungen hat sich die Politikwissenschaftlerin Meltem Kulacatan befasst, die den "Europa-Teil" von Tageszeitungen wie der "Hürriyet", "Zaman" und "Sabah" untersuchte. Dieser "Europa-Teil" handelt von Deutschland und ist eine Spezialbeilage, die nur für den deutschen Markt produziert wird.

Das Deutschlandbild dieser Zeitungen ist widersprüchlich, so Kulacatan: "Einerseits wird eine abwehrende Haltung deutlich." Dies zeigte sich beim Brand am 3. Februar 2008 in Ludwigshafen, bei dem ein Wohnhaus mit türkischstämmigen Bewohnern betroffen war. Neun Menschen starben. Türkische Medien berichteten vorschnell über einen fremdenfeindlichen Hintergrund des Brandes. Damals schrieb eine Zeitung wörtlich: "Wir werden wieder verbrannt." In solchen Berichten werde ein Wir-Gefühl transportiert, das abgrenzt von der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Positive Resonanz in türkischen Medien zu Merkel auf dem Integrationsgipfel

Zugleich gibt es aber auch eine andere Seite: "Als Angela Merkel auf dem ersten 'Integrationsgipfel' 2006 einfühlsam und entgegenkommend auftrat, war die Berichterstattung weitgehend positiv. Kritische Stimmen wurden kaum angeführt", meint Kulacatan. Dazugehören-Wollen und Sich-Abgrenzen stehen demnach unvermittelt nebeneinander.

"Deutschland wird immer dann freundlich dargestellt, wenn Deutsche Türkisch lernen oder sich anerkennend über Migranten äußern", sagt Uta Rasche von der FAZ. "Forderungen, wie die, dass Migranten Deutschkurse belegen sollen, werden negativ beschrieben. Dahinter verbirgt sich die Angst, die eigene Kultur aufgeben zu müssen", so Rasche.

Schüren türkische Zeitungen solche Ängste gezielt? Nein, sagt Ahmet Külahci, Berlin-Korrespondent der "Hürriyet": "Wir haben ja gar nichts dagegen, wenn Menschen sich assimilieren wollen – solange sie es freiwillig tun. Wir sind allerdings dafür, dass niemand dazu gezwungen wird." Jedoch kann bei türkischen Lesern tatsächlich ein Gefühl des Unbehagens entstehen, wenn sie die "Hürriyet" lesen, meint Ferda Ataman vom "Tagesspiegel": "Oft ist in der 'Hürriyet' der Vorwurf zu spüren, dass Türken in Deutschland ausgegrenzt werden. Es ist traurig, aber in den meisten Fällen sind diese Vorwürfe noch immer berechtigt."

Gemischte Gefühle gegenüber Deutschland in arabischen Medien

Wieder andere Themen bestimmen das Deutschlandbild, das in arabischen Medien vorherrscht. Im Kern ist es positiv. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Ruf der deutschen Wirtschaft. "Das Label Made in Germany hat einen positiven Einfluss auf das gesamte Image Deutschlands. Dies hat sich über Jahre nicht geändert", erklärt der deutsche Korrespondent –des bekannten arabischen Fernsehsenders al-Jazeera, Aktham Suliman. Ungleich wechselhafter ist die Wahrnehmung der deutschen Politik. "Das
'Nein' von Gerhard Schröder zum Irak-Krieg hatte die arabischen Medien nachhaltig beeindruckt. Es war noch jahrelang eine gewisse Begeisterung für Deutschland zu spüren", erläutert Suliman.

Eine Begeisterung, die mittlerweile wieder abgeklungen sei. Zu "unbestimmt" ist die aktuelle Haltung Deutschlands in Bezug auf die arabische Welt, so Suliman. Allerdings verfolgt man nach wie vor aufmerksam, welche Position das Land in außenpolitischen Fragen bezieht. Dabei kann sich das Image, das Deutschland zugeschrieben wird, durchaus auch kurzfristig verändern: "Nehmen Sie zum Beispiel die derzeitige Gaza-Krise: Wenn Angela Merkel die Hamas für die Krise verantwortlich macht, wirft dies durchaus einen Schatten auf das grundsätzlich positive Bild, das Deutschland in den arabischen Medien hat."

Thilo Guschas, 30.01.2009

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