DIK - Deutsche Islam Konferenz - Ausbildung zum Imam - Mustafa Cimsit

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Mustafa Cimsit

Mustafa Cimsit ist Generalsekretär der "Union muslimischer Theologen und Islamwissenschaftler in Deutschland (UMTI) e.V."

Es sind etliche Bereiche in denen Migranten entweder nicht vertreten oder unterversorgt sind. Die Seelsorge ist einer der Bereiche in denen Muslime, die die Mehrheit der Migranten ausmachen, nicht vertreten sind. Um diesem Mangel zu begegnen, haben sich das Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog, die Evangelische Akademie der Pfalz aus Speyer und die Union muslimischer Theologen/innen und Islamwissenschaftler/innen aus Frankfurt am Main zusammengetan und die "Ausbildung Islamische Seelsorge" gestartet. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium des Innern.

Die Deutsche Islam Konferenz nimmt in ihrem Zwischen-Resümee vom 25. Juni 2009 auf die Ausbildung religiösen Personals Bezug und misst der Seelsorge eine entscheidende Rolle bei den religiösen Funktionen einer muslimischen Glaubensgemeinschaft zu. Das Projekt "Ausbildung Islamische Seelsorge" packt genau an dieser Stelle an und gibt den muslimischen Religionsgemeinschaften die Möglichkeit ihre Seelsorgerinnen und Seelsorger auszubilden. Es verbindet die Multiplikatoren der Muslime mit denen der christlichen Kirchen dadurch, dass in der Ausbildung auch christliche Seelsorger eingesetzt werden, die bereits umfangreiche Erfahung haben. Die christlichen Seelsorger geben so ihr Know-how und ihre Erfahrungen an die muslimischen Teilnehmer weiter. Dadurch lernen die muslimischen Seelsorgekandidaten die christliche Seelsorgetradition und den aktuellen Stand ihrer Umsetzung kennen. Im Gegenzug erfahren die christlichen Seelsorger, welche Sorgen und Schwierigkeiten den muslimischen Seelsorgern in der Praxis ihrer zukünftigen Tätigkeit bevorstehen und haben durch den Ausbildungsdiskurs besseren Zugang zum muslimischen Leben in Deutschland. Auch können sie diese Erfahrungen an zukünftige christliche Seelsorger weitergeben.

Die drei Kooperationspartner bieten eine Ausbildung sowohl in der Krankenhauseelsorge als auch in der Notfallseelsorge an. Die Krankenhausseelsorge ist jahrzehntelang vernachlässigt worden, wie die Seelsorge für Muslime insgesamt. Deshalb waren die Muslime in den Krankenhäusern auf ihre Verwandten und Bekannten angewiesen, um Beistand und Trost in der Schwere ihrer Krankheit zu finden. Diejenigen jedoch, die aufgrund der Migration keine Verwandten oder Bekannten vor Ort haben, blieben in dieser Phase allein mit ihrem Leiden und vereinsamten in ihrer Not.

Die Notfallseelsorge eignet sich besonders als Schnittstelle bei der Integration, da es sich um Situationen handelt, in denen nur noch der Mensch im Mittelpunkt der Sorge steht. Weder seine Religion, noch seine Herkunft sind dann von Bedeutung. Es muss schnell und souverän gehandelt werden, um den Menschen zu retten. Jegliche Differenzen treten im Angesicht der Lage zurück und den Beteiligten wird klar, wie wichtig die Solidarität in der Gesellschaft auch zwischen den verschiedenen Kulturen und Glaubensangehörigen ist, und wie wichtig es ist, sich an gleiche Spielregeln zu halten, um in dieser lebensbedrohlichen Situation die Rettung zu ermöglichen. Ohne sich an gleiche Richtlinien zu halten, ist kein Menschenleben zu retten.

Genau hier setzt die spezifisch muslimische Seelsorge an, denn nach den lebensrettenden Maßnahmen steht das Individuum mit seinen persönlichen Ängsten und Sorgen wieder im Mittelpunkt. Die muslimischen Betroffenen brauchen seelischen Beistand um veränderte Umstände verarbeiten zu können, die durch Notfall, Krankheit oder Behinderung bzw. Verlust entstanden sind. Der Glaube und die Kultur prägen den Menschen und bieten ihm Orientierung. Um einen authentischen Beistand sowohl für den Leib, als auch für die Seele leisten zu können, bedarf es einer persönlichen Seelsorge, die der kulturellen und religiösen Orientierung gerecht wird - anderenfalls macht sie keinen Sinn, weil sie das Individuum nicht erreicht.

Ich hoffe, dass wir mit diesem Projekt einen integrativen Beitrag leisten, der das friedliche Zusammenleben in einem weiteren bisher noch nicht erschlossenen Gebiet, nämlich der Seelsorge, fördert.

Mustafa Cimsit, 08.12.2009