DIK - Deutsche Islam Konferenz - Kopftuchmode - Hasibe Özaslan

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Hasibe Özaslan

zum Kopftuch

Hasibe Özaslan ist Projektleiterin beim Interkulturellen Rat.

DIK-Redaktion: Wie bewerten Sie und der Interkulturelle Rat die öffentliche Debatte um das Kopftuch? Und wie sehen Sie die individuellen Folgen für kopftuchtragende Musliminnen in Deutschland?

Hasibe Özaslan: "Was urspünglich eine Interessensabwägung zwischen staatlicher Neutralistätspflicht und Religionsfreiheit war und sich "nur" um die Frage drehte, ob es muslimischen Lehrerinnen erlaubt sein soll, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen, hat zwischenzeitlich andere Dimensionen angenommen. Der Interkulturelle Rat hat in der Debatte immer wieder darauf hingewiesen, dass es für muslimische Frauen viele sehr verschiedene Gründe gibt, ein Kopftuch zu tragen. Diese individuellen Motivationen zu übergehen und das Kopftuch auf ein politisches Symbol oder als Zeichen der Unterdrückung zu reduzieren, konnte nicht ohne Folgen für andere Lebensbereiche muslimischer Frauen bleiben.

Wir beobachten immer öfter, dass muslimische Frauen, wenn sie sich für das Kopftuch entscheiden, Ausgrenzungen und Benachteiligungen in Kauf nehmen müssen: Schulen verbieten ihren Schülerinnen, Kopfbedeckungen (also auch das Kopftuch) zu tragen, Krankenhäuser lehnen kopftuchtragende Praktikantinnen ab, Rechtsrefendarinnen wird untersagt, das Gerichtsgebäude mit Kopftuch zu betreten, Bewerberinnen für Arbeitsplätze mit Publikumsverkehr werden mit Hinweis auf das Kopftuch abgelehnt. Das Kopftuch ist längst zu einer Projektionsfläche für Ängste und Schwierigkeiten im Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen geworden.

Muslimische Frauen selbst positionieren sich mittlerweile ungern zum Thema Kopftuch. Dies wurde jüngst in der Sitzung des Deutschen Islamforums unter dem Thema "Starke Frauen - Musliminnen in Deutschland" von Fachleuten diskutiert. Die Reduzierung ihrer Identität auf ein Bekleidungsstück wird der Rolle muslimischer Frauen in Deutschland nicht gerecht. Es geht viel mehr darum, was muslimische Frau "im Kopf" haben und leisten können als darum, was sie "auf dem Kopf tragen".

Es ist bedauerlich, dass viele muslimische Frauen, die das Kopftuch tragen möchten, das in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen nicht dürfen.

Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom September 2003 ist der Interkulturelle Rat in Deutschland immer wieder mit der Thematik des Kopftuches befasst und veröffentlichte in 2004 die "Thesen zum Kopftuch". In dieser Broschüre werden die unterschiedlichen Argumente und Positionen im Kopftuchstreit zusammengefasst und dienen einem sachlichen Diskurs."

Link zu den "Thesen zum Kopftuch" des Interkulturellen Rats: www.interkultureller-rat.de/argumente_1.pdf

DIK-Redaktion, 04.05.2009