DIK - Deutsche Islam Konferenz - Journalisten - Sineb El Masrar

Navigation und Service

Sineb El Masrar

Zur Veränderung der Medien durch mehr Journalisten mit Migrationshintergrund

Sineb El Masrar gründete im Jahr 2006 das multikulturelle Frauenmagazin "Gazelle", das auf die besonderen Fragestellungen von in der Bundesrepublik lebenden Migrantinnen eingeht und den Austausch zwischen migrantischen und deutschen Leserinnen fördern will. Sie ist Plenumsmitglied in der 2. Phase der Deutschen Islam Konferenz.

DIK-Redaktion: Was hat sich Ihrer persönlichen Einschätzung nach durch Ihre Arbeit – etwa durch die Gründung von "Gazelle" - oder allgemein durch mehr Journalisten mit Migrationshintergrund in Redaktionen in Deutschland verändert?

Sineb El Masrar: "Die Gründung des Frauenmagazins Gazelle war in erster Linie eine Reaktion auf die veränderte Zusammensetzung der deutschen Gesellschaft und die daraus resultierende Nachfrage nach einem Medium, welches explizit auch Migrantinnen anspricht - aber auch der Wille als deutsche Bürgerin mit marokkanischen Wurzeln, selbst aktiv mitgestalten zu wollen.
So geht es nämlich einigen Medienmachern mit Migrationshintergrund.
Seit längerem besteht zudem ein hoher Informationsbedarf über Menschen mit Migrationshintergrund, sowie das Bedürfnis sich in den Medien wiederzufinden. Dadurch entstehen immer wieder neue Wahrnehmungen, Interessen und Fragestellungen, die in den Medien abgebildet werden müssen. Um für all diese Rezipienten zusammen Inhalte produzieren zu können, bedarf es der Kenntnisse über das Leben und die Kultur der gesamten Bevölkerung. Das funktioniert allerdings nur sehr schwer, wenn die Zusammensetzung einer Redaktion hauptsächlich aus Autoren, Redakteuren, Produzenten, etc. besteht, denen das Leben von einem Teil ihrer Leser und Zuschauer fremd ist.
Daher ist das Gefühl nicht dazuzugehören, keine ungewöhnliche Reaktion von Rezipienten mit Migrationshintergrund. Dass es teilweise dazu führt, dass deutsche TV-Sendungen, Nachrichten, Filme oder Publikationen eher gemieden werden, darf nicht verwundern – ist aber vor allem wirtschaftlich gesehen ein großer Verlust. Wenn auch einige Redakteure das ungern hören mögen, unterliegen auch die Medien den Gesetzen der Marktwirtschaft. Daher kann die Öffnung der Redaktionen für qualifizierte Journalisten mit Migrationshintergrund nur die natürliche Reaktion sein. Am Ende birgt es für die Medien vor allem Wachstum, sowohl auf der inhaltlichen wie auch auf der wirtschaftlichen Ebene."

DIK-Redaktion, 08.01.2009