DIK - Deutsche Islam Konferenz - Religionsunterricht und Bildung

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Religionsunterricht und Bildung

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Ihre Meinung zählt, diskutieren Sie mit und schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema "Islamischer Religionsunterricht und Bildung in Deutschland", zum Beispiel zu folgenden Fragestellungen:

  • Sollte es Ihrer Meinung nach islamischen Religionsunterricht an deutschen öffentlichen Schulen geben?
  • Haben Sie vielleicht schon Erfahrungen mit einem Schulversuch zum islamischen Religionsunterricht gemacht? Wie wirkt sich der Unterricht auf den Schulalltag aus? Gerne würden wir über Ihre Eindrücke lesen.
  • Welche Inhalte sollten im islamischen Religionsunterricht behandelt werden? Könnte man sich an den Lehrplänen für den christlichen Religionsunterricht orientieren?

Bitte beachten Sie, dass nur Beiträge mit klarem Bezug zum Thema berücksichtigt werden können!

Sie können uns Ihre Beiträge rund um die Uhr schicken. Diese veröffentlichen wir Montag bis Freitag.

19.02.2009 Güllü Özügenc

Ich unterrichte IRU an der Grundschule in einer Schule mit fast 700 Schülern.
Unser Schulalltag hat sich verändert:
- Wir hängen die Plakate und Basteleien aus dem IRU überall in der Schule auf.
-Es findet ein reger Austausch mit meinen chritl. Kollegen statt:
1. Wir planen z.B. die gemeinsamen Schülergottesdienste.
2.Wir machen gemeinsame Kirchen- und Moscheebesuche.
3. Bei uns finden gegenseitige Besuche in Religionunterricht statt.  Da findet schon manchmal ein christl.-islam. Dialog im Kleinen statt!!
4. Wir feiern isl. Feste gemeinsam.Andere Kollegen von mir feiern bereits interreligiöse Gottesdienste.
- Ich beobachte, dass meine Schüler einen enormen Sprachzuwachs in Bezug auf religiöse Begriffe haben. Vor 3 Jahren kannten die Schüler z. B. den Begriff "fasten" oder "Gebetsteppich" nicht. Mittelweile können sie in meinen Stunden mit diesen Begriffen umgehen und viele Inhalte unseres Glaubens in dtsch. wiedergeben.  
- Der IRU bietet Raum für aktuelle Themen:
Als der Palestina- Konflikt ausbrach, musste ich viele aufgebrachte arab. Schüler im Unterricht betreuen, die oft die Meinungen ihrer Eltern wiedergaben und teilweise mit haarstäubenden Ansichten auftraten. Andere Schüler wussten gar nicht, um was es da genau geht und was dieser Krieg mit Muslimen zu tun hat. Wir haben viel darüber gesprochen und jede Sichtweise versucht  auszuloten. Wir haben über das Judentum und auch über die jüdischen Kinder und Erwachsenen gesprochen.Ich musste erst auf einer Karte erklären, wo Palestina und Israel liegen und warum es zu diesem Konflik kam. Natürlich haben wir auch für die Menschen dort gebetet. Ich denke, dass es mir gelungen ist, den Kindern alle Standpunkte zu diesem Konflikt etwas nahe zu bringen.
Es gäbe noch so viel, was ich Ihnen über meinen Unterricht berichten könnte!! Wichtig erscheint mir als Lehrerin,  dass der Islamunterricht in einer Zeit in der auch muslimische Kinder und (vor allem ) Jugendliche teilweise ohne Werte und Normen aufwachsen, dazu beitragen kann, den Kindern  Werte und Normen zu vermitteln, die in allen Religionen wichtig sind. Deshalb ist es notwendig, dass es nicht nur beim IRU in der Grundschule bleibt, sondern, dass es auch Religionsunterricht in deutscher Sprache für die weiterführenden Schulen gibt. Gerade muslimische Jugendliche haben oft keine Möglichkeiten über ihre Probleme zu reden. Der IRU kann Raum bieten für Fragen der Geschlechtigkeit, der Liebe, Fragen zum Krieg, Fragen zur muslimischen Identität.....usw.
Schule ist ein wichtiger Ort für Schüler (Glaubt man kaum, ist aber wahr!!), denn sie verbringen und erleben viel Zeit dort. Wenn jetzt auch der Islamunterricht wie Deutsch und Mathe und Musik ein wichtiger und wertvoller Teil von dieser Zeit wird, dann bin ich der Meinung, dass sich muslimische Schüler mehr angenommen fühlen und die Institution Schule als einen wichtigen Ort für sich annehmen.

15.02.2009 Mimou S.

Hallo,

Muslime leben seit Jahrzehnten in Deutschland und ich als Muslima würde es sehr begrüßen, wenn mein Kind Islamunterricht in der Grundschule erhält. Es würde ihm ein stärkeres Selbstwertgefühl geben, denn auch seine Religion würde in der Schule unterrichtet werden und nicht "nur" in der Moschee. Die Gemeinsamkeiten aller Religionen würden einen Zusammenhalt zwischen Juden,Christen und Muslimen bilden - nämlich, z.B. dass es einen Schöpfer gibt der Adam und Eva erschaffen hat. Und die Kinder würden bereits sehr früh lernen jede Religion zu akzeptieren und zu tolerieren. Wenn man mit etwas aufwächst betrachtet man es viel eher als "normal", als wenn man es erst im Erwachsenenalter kennenlernt. Meiner Meinung nach sind die drei Weltreligionen die Religionen die man als Religionsunterricht in der Schule einführen sollte.


15.02.2009 Erich Feichtner

Beim Lesen der einzelnen Beiträge sind wieder verschiedene Gedanken und Erinnerungen wach geworden, die meine Einstellung zum Thema schon vor einigen Jahren geprägt haben. Der Ausgangspunkt war der Versuch, meine Kinder ohne Konfession aufzuziehen. Das hat beim ersten Sohn nicht geklappt, weil ein Kindergartenplatz erst oder zufällig genau zu dem Zeitpunkt frei wurde, als die Taufe im 4. Lebensjahr vollzogen war.  Beim zweiten Sohn, in einer anderen Gegend, haben wir "durchgehalten" und in der Schule kam dann der Ethik-Unterricht. Als er als einziger erkennbarer Deutscher unter Ausländern im Unterricht saß, kam von den Kindern die Frage, warum er denn hier sei. Die Antwort der Lehrerin: "Er hat auch keinen Gott." Was hat mir das gesagt?
- Ethik-Unterricht funktioniert nur, wenn die Lehrkraft in der Lage ist, die unterschiedlichen Gedankengänge, Hintergründe, von zu Hause mitgebrachten religiösen Denkweisen gleichberechtigt und ohne Wertung neutral auch in Stresssituationen zusammenzubringen, ohne Teile der Klasse vor den Kopf zu stoßen. Nicht einfach!
- Religion begleitet den Menschen in mehr oder weniger starker Ausprägung ab seiner Geburt und nach seiner Schulzeit. Es macht keinen Sinn, ausgerechnet die Schulzeit, die ja mehr sein soll als nur eine Dressuranstalt für wirtschaftlich nutzbare Schlüsselfähigkeiten, nicht für eine Augen öffnende Information über die eigene und andere Religionen und den in ihnen enthaltenen moralischen/ethischen Anspruch zu nutzen. Nur so kann Verständnis wachsen. Das kann man nicht nur dem "privaten Raum" überlassen, dieser kann es oft nicht leisten.
- Es sollte auch ein Islamunterricht an den Schulen stattfinden. Er ist ein Bestandteil der Integration und ein Zeichen der gebotenen Toleranz und des Willens eines gleichberechtigten Miteinanders. Dabei werden die Kinder ihrer Religion entsprechend betreut und nicht in "Ethikgruppen" abgeladen.
Wir sollten uns nicht auf den billigen und einfachen Weg machen: Religion raus aus den Schulen. Es gibt zu viele Barrieren abzubauen.

14.02.2009 Oliver Posener

Religionsunterricht muss sich, nehmen wir es ernst mit einer lebendigen Erziehung, die zur Mündigkeit und zum Scharfblick eines jeden Einzelnen beitragen will, in der bestehenden Form konstant aus dem Schulwesen zurückziehen. Wir müssen im Sinne einer zukunftsträchtigen Lebenshilfe uns auf Formen der Begegnung mit Religion verstehen lernen, die bekannt machen, vorstellen, erklären, Bandbreite vermitteln - die Begriffe, die an dieser Stelle stehen können sind zahlreich. Und haben eins gemeinsam: sie bezeichnen immer eine Handlungsweise, die dem freien Denken zuarbeitet, der Fähigkeit, zu hinterfragen,  zu kritisieren, sich gegen etwas zu entscheiden. So muss Ethikunterricht aussehen; demgegenüber müssen wir einem Religionsunterricht, der in Schulen allgemeine Wahrheiten für sich beansprucht und Kindern Unüberprüfbares als gegeben zu vermitteln sucht konsequent und aufgeklärt den Platz streitig machen.

13.02.2009 BLLV

Teil 2:
Die aktuelle Praxis der islamischen religiösen Unterweisung in türkischer oder deutscher
Sprache ist kein ordentlicher Religionsunterricht im Sinne des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung. Sie ist ein pragmatisches Angebot an Kinder muslimischen Glaubens unter deutscher Schulaufsicht. Dieses Angebot soll zeitnah durch einen ordentlichen Religionsunterricht für Kinder muslimischen Glaubens ersetzt werden.

Die Unterzeichner begrüßen deshalb ausdrücklich, dass im Schuljahr 2008/09 in Bayern an
10 Schulen Islamunterricht und an weiteren 6 Schulen Alevitischer Religionsunterricht angeboten wird. Mit der Ausweitung schließt sich das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus unserer Auffassung an, dass bereits aktuell Islamunterricht in Bayern angeboten werden kann, der grundsätzlich den oben genannten fünf Grundsätzen entspricht.

Auch das Selbstverständnis des Islam, der keine Konfession nach christlichem Verständnis bildet, steht dem Ziel eines ordentlichen Islamunterrichts folglich nicht im Wege. Das Beispiel Erlangen und Nürnberg zeigt juristisch gangbare und pragmatische Lösungen auf.

Ausweitung des Islamunterrichts
Die Unterzeichner bitten die politisch Verantwortlichen (Bayerischer Landtag, Integrationsbeauf-tragter, Kultusministerium etc.) wo erforderlich die Zahl der Standorte eines Islamunterrichts in deutscher Sprache bereits zum Schuljahr 2009/10 deutlich zu erhöhen. Die Gewinnung und Aus-bildung qualifizierter Lehrpersonen ist zentrale Voraussetzung für dieses Angebot
Die Angebote für universitäre Ausbildung und für die Weiterbildung muslimischer Lehrkräfte sind weiter zu entwickeln und zu intensivieren. Dazu gehört die Verankerung des Faches
Islamische Religionslehre in der Lehramtsprüfungsordnung (LPO 1) und zertifizierte Weiterbil-dungskurse in Institutionen der Lehrerfort- und -weiterbildung.
Damit die Qualität der Lehrkräfte für Islamunterricht gewährleistet werden kann, ist eine
entsprechende Infrastruktur an der Universität Augsburg in Verbindung mit der Universität
Erlangen-Nürnberg zu schaffen.

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus wird gebeten, in geeigneter Form auf den Schulversuch hinzuweisen und Anträge zu unterstützen.

13.02.2009 BLLV

Teil1:
Erklärung des BLLV, Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband. München 12. Februar 2009

Erklärung der Fachtagung Islamunterricht vom 20.1.09

Religionsunterricht ist Verfassungsauftrag

Islamunterricht an Bayerns Schulen nachhaltig ausweiten

Ordentlicher Religionsunterricht auch für muslimische Konfessionen

Dem Selbstverständnis der Unterzeichner entspricht es, religiöse Erziehung als wesentlichen Bestandteil von Bildung und Erziehung zu sehen. Zur Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern gehören wesentlich ein reflexiver Zugang zur Religion, zu ihrem Gottes- und Menschenbild sowie zur Teilnahme und Beheimatung in der Religion. Bekenntnisorientierter Religionsunterricht ist ein Schlüssel zur Integration, zur Dialog- und Gesprächsbereitschaft. Dies bedeutet, dass muslimische Konfes-sionen die Möglichkeit eines ordentlichen Religionsunterrichts in der öffentlichen Schule erhalten.

Islamunterricht statt islamischer Unterweisung

Für muslimische Schülerinnen und Schüler soll analog zu den christlichen Konfessionen in den öffentlichen Schulen Religionsunterricht angeboten werden, der
● mit den Vorgaben des Grundgesetzes (Art. 7 Abs. 3) und der Verfassung des Freistaates Bayern (Art. 136 f) korrespondiert,
● in deutscher Sprache erteilt wird,
● von qualifizierten Lehrkräften mit staatlicher Lehrbefähigung erteilt wird, die für diesen Un-terricht an deutschen Universitäten im Rahmen des Lehramtsstudiums ausgebildet sind und
● der deutschen, staatlichen Schulaufsicht unterliegt,
● folgende Lehrpläne verwendet:
Fachlehrplan für den Schulversuch Islamunterricht an der bayerischen Grundschule (ge-nehmigt mit KMS vom 12. Juli 2004 Nr. III.7 - 5 O 4244 - 6. 23 573) und Fachlehrplan für den Schulversuch Islamunterricht an der bayerischen Hauptschule (genehmigt mit KMS vom 7. November 2006 Nr. III.6 - 5 O 4344 - 6. 89 430)

12.02.2009 Karin B.

Religion hat in der Schule nichts zu suchen. Ich verfolge mit Interesse die Diskussion um den Religionsunterricht in Berlin (Pro Reli) und ich bin absolut dafür, dass es hier auch weiterhin einen Ethikunterricht für alle Kinder geben soll. Denn so wird kein Kind ausgeschlossen, egal welche Religion es hat - es gibt ja auch noch andere Religionen als nur Islam, Christentum und Judentum. Und außerdem können so alle Kinder über ihre Werte miteinander diskutieren - die Werte können ja auch jeweils religiös begründet werden. Gibt es nicht auch so einen Religionsunterricht für alle in Hamburg?

12.02.2009 Felicitas

@Christoph Mair:

Ich glaube, Du hast da was falsch verstanden! Islamischer Religionsunterricht in der Schule heißt doch nicht automatisch, dass es keinen Koranunterricht in den Moscheen mehr gibt!

Ich finde, jeder Schüler sollte die Möglichkeit haben an einem Religionsunterricht teilzunehmen. Und wenn man den Artikel auf dieser Seite über den Religionsunterricht in Niedersachsen liest, dann merkt man doch, dass ein solcher Unterricht in die richtige Richtung geht - wenn junge Frauen als Religionslehrerinnen sogar von der örtlichen Moschee (wenn auch nach änfänglichen Schwierigkeiten) akzeptiert werden.

12.02.2009 Christoph Mair

Religion ist Privatsache und hat nichts in den Schulen zu suchen, genausowenig wie Kreuze und Kopftücher. Das Argument, lieber den Islamunterricht in den öffentlichen Schulen ausüben, anstatt in der Koranschule, ist wohl richtig. Stellt sich nur die Frage wer die Lerninhalte formuliert und kontrolliert. Allerdings sehe ich das Problem in der " Religionshoheit " - bei den vielen Strömungen in der islamischen Gemeinde. Ich hoffe, dass die halbherzigen Versuche der einzelnen Länder in dieser Richtung scheitern und die öffentlichen Bildungseinrichtungen nicht darunter leiden müssen.