DIK - Deutsche Islam Konferenz - Islambild

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Das Islambild in deutschen Medien

Noch immer vermitteln viele Medienberichte ein negatives Bild des Islams und der Muslime. Dies betrifft nicht nur die Boulevardmedien. Selbst Sendungen auf ARD und ZDF, die den Islam behandeln, haben zu mehr als 80 Prozent eine negative Themensetzung, indem sie beispielsweise zugleich auch Integrationsprobleme, Menschenrechtsverletzungen oder internationale Konflikte darstellen, wie eine Studie der Universität Erfurt 2007 feststellte. Durch diese Verknüpfung gerät der Islam in ein schlechtes Licht.

"Dabei haben verbale Stereotype stark abgenommen. Verallgemeinerungen wie 'Der Islam an sich ist fortschrittsfeindlich' sind seltener geworden", meint Kai Hafez, Mitautor der Studie. Doch das Problem sei die verengte Themenwahl, die besonders durch die Bildsprache der Medien deutlich wird. Im Zusammenhang mit dem Islam würden meist die selben fünf, sechs Motive gezeigt, beispielsweise verhüllte Frauen, die Kaaba oder iranische Schiiten, die sich selbst geißeln. "Das ist in etwa so, als würde man Berichte über die Europäer stets mit dem Stierkampf von Pamplona illustrieren", meint Hafez.

Die Widersprüche des Alltags einfangen

"In der öffentlichen Wahrnehmung ist der friedliche Islam das Uneigentliche geworden", beobachtet Heiner Bielefeld vom "Deutschen Institut für Menschenrechte". Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werde besonders der Terrorismus mit dem Islam assoziiert. Als Gegenmaßnahme sei es geboten, "schlichtweg die Normalität zur Kenntnis zu nehmen", den Alltag der Muslime darzustellen, wie er ist: keineswegs schönfärberisch, sondern auch geprägt durch Probleme und Widersprüche.

Doch wieso gelingt dies nicht den Muslimen selbst? Müssten nicht sie es sein, welche die bestehenden Klischees über "den Islam" öffentlich widerlegen? "Den islamischen Communities fehlen die Sprecher", analysiert Martin Spiewak von der "Zeit", Menschen, die in Deutschland sozialisiert sind, Deutsch als Muttersprache beherrschen und vor allem wissen, wie man mit der Öffentlichkeit umgeht: "Auch mal ironisch, nicht zu schnell aufbrausend, wenn es einmal Kritik gibt. Von diesem Schlag gibt es bislang nur eine Handvoll." Eine solche neue Elite wachse allerdings heran und mit ihr das Potential, den Muslimen ein anderes Gesicht zu geben.

Eine weitere Chance bieten Medienmacher mit Migrationshintergrund. Sie könnten entscheidend dazu beitragen, ein anderes Bild des Islams zu vermitteln, meint die Schriftstellerin und Journalistin Hilal Sezgin: "Dabei muss ein türkischstämmiger Reporter oder Bildredakteur sich gar nicht zwangsläufig gut mit dem Islam auskennen." Sie tappten ganz einfach weniger leicht in die Falle der Klischees, wenn es etwa um Bildauswahl zu islamischen Themen geht. Dabei sei es keineswegs wünschenswert, dass türkeistämmige Medienmacher grundsätzlich als "Islamexperten" fungieren. Nach Sezgins Erfahrung bekommen viele diesen Stempel sogar unfreiwillig aufgedrückt, selbst wenn sie sich gar nicht für den Islam interessieren. Sezgin fordert daher: "Man sollte mehr türkischstämmige Journalisten über nicht-islamische Themen berichten lassen, etwa über die Bundespolitik. Damit würde man wirksam zeigen, dass nicht alle Türken Muslime sind, und dass nicht alle Türken nur über den Islam reden."

Wissenschaftliche Beratung um Harem-Klischees entgegenzusteuern

Auch Auslandsberichte, die das Leben in islamischen Ländern darstellen, prägen das Islambild in den deutschen Medien. Hier bietet sich eine besondere Chance für Islamwissenschaftler, beratend tätig zu werden, meint Sonja Hegasy vom "Zentrum Moderner Orient" in Berlin. Sie selbst berät regelmäßig Journalisten, zuletzt eine Produktionsfirma, die im Auftrag des ZDF einen Beitrag über das marokkanische Königshaus drehte. Hegasy empfahl dem Autorenteam, auch "die politischen Veränderungen darzustellen - nicht nur die üblichen Klischees über das Leben im Harem."

Wissenschaftlicher Input, um Klischees entgegenzusteuern - Voraussetzung sei hierbei, dass Wissenschaftler über bloße Forschungsarbeit hinausgehen, indem sie für sich eine "gesellschaftspolitische Rolle" akzeptieren. Dies solle keineswegs bedeuten, dass Wissenschaftler Öffentlichkeitsarbeit zu ihrem einzigen Schwerpunkt machen. Ohnehin seien für eine aussagekräftige Forschung langjährige Forschungsaufenthalte vor Ort unabdingbar - "also nicht bloß Recherche über Internet und (den arabischen Fernsehsender) al-Jazeera".

Ansätze für eine ausgewogene Berichterstattung

Doch in den Massenmedien zeichnen sich hoffnungsvolle Ansätze ab. Immerhin lassen die rund 80 Prozent der öffentlich-rechtlichen Medienberichte, die ein negatives Bild des Islams zeichnen, auch einen Umkehrschluss zu: Sie bedeuten, dass knapp 20 Prozent dieser Berichte den Islam unvoreingenommen einfangen. Statt sich auf schlechte Schlagzeilen auszurichten, die vielen Medienmachern immer noch als Quotengarant gelten, widmen sie sich sozialen, religiösen und kulturellen Aspekten des Islams. "Es ist ein guter Anfang, der auf vorhandenes journalistisches Potenzial hinweist", ist Kai Hafez überzeugt.

Thilo Guschas, 14.01.2009

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