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Journalisten mit Migrationshintergrund verändern die mediale Berichterstattung

Für Özlem Sarikaya, Tochter türkischer Einwanderer, ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Von Januar an moderiert die 34-Jährige monatlich das Magazin "Puzzle – viele Kulturen, ein Land" im Programm des Bayrischen Rundfunks (BR). Die halbstündige Sendung widmet sich Kulturschaffenden mit Migrationsbiographien, welche die bayrische Kulturszene mitprägen.

Neue Sendung "Puzzle" im Bayrischen Rundfunk

"Puzzle" thematisiere ausdrücklich nicht die Probleme von und mit Migranten in Deutschland, erklärt die Moderatorin und Ideengeberin der Sendung. Der BR wirbt für sein neues Sendeformat mit dem Hinweis, dass es das "erste interkulturelle Magazin im deutschen Fernsehen" sei. Die junge Frau mit den dunklen Haaren und Augen wirkte normalerweise im Hintergrund; bei "Puzzle" steht sie nunmehr vor der Kamera und zugleich für einen Wandel in der Medienpolitik des bayrischen Senders.

Migranten sind häufig Thema in den Medien

Migranten tauchen in der Berichterstattung mittlerweile tagtäglich auf. Themen rund um Zuwanderung werden in der Tagespresse, im Hörfunk und im Fernsehen auf unterschiedliche Weise aufgegriffen. Über die Qualität der Beiträge sind die Meinungen allerdings geteilt. Gerade die Bevölkerungsgruppe, um die es in den Sendeminuten oder Zeitungsartikeln geht, sieht sich häufig nicht adäquat wiedergegeben.

Der Unmut über Stereotypen im Medienalltag hat bereits einige Journalisten dazu bewegt, sich aktiv dagegen einzusetzen. So hat sich z.B. Ende 2008 auch eine Gruppe von Journalisten mit Migrationshintergrund unter dem Namen "Neue deutsche Medienmacher" zusammengeschlossen.

Die DIK wirbt für ausgewogene Berichterstattung

Schnell war sich auch die Arbeitsgruppe 3 "Wirtschaft und Medien als Brücke" der DIK einig in ihrer Forderung für eine verantwortungsvolle, vorurteilsfreie und differenzierte Berichterstattung. Auch alltagsnahe Themen sollten vorkommen und der Beitrag muslimischer Vielfalt zu einer gemeinsamen Kultur in Deutschland gewürdigt werden. Mehr qualifizierte Mitarbeiter mit Migrationshintergrund in den Redaktionen der Fernseh-, Hörfunk- und Printmedien brächten mehr interkulturellen Sachverstand und neue Blickwinkel in die Medien. Auch im Nationalen Integrationsplan (NIP) wird für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Zuwanderung und eine stärkere Einbindung von Zugewanderten in die Berichterstattung appelliert.

Selten haben Journalisten einen Migrationshintergrund

In deutschen Medien sind Migranten selten. Und sie sorgen zuweilen für Verwunderung, wie die türkischstämmige Journalistin Ferda Ataman während eines Praktikums bei einer überregionalen Tageszeitung erfahren hat: "Ich war ein Phänomen; eine aus dem Migrantenghetto, die sich in die heiligen Hallen der Politikredaktion verirrt hat." Gerade in den Printmedien waren Journalisten mit Migrationsbiographien lange Zeit kaum vorhanden. Inzwischen lässt sich eine positive, wenn auch langsame Entwicklung feststellen.

Erfolgreiche Journalisten mit Zuwanderungsbiographien

Medienmacher mit ausländischen Wurzeln übernehmen sogar – wenn auch vereinzelt – leitende Positionen, wie etwa der türkischstämmige Kayhan Özgeç. Der 38-Jährige war Leiter der Hamburger Redaktion des Magazins Focus und ist jetzt Chef der Parlamentsredaktion in Berlin. Und dass zur Hauptsendezeit im ZDF eine Moderatorin mit fremdländischem Aussehen und einem Namen wie Dunja Hayali die Nachrichten spricht, war vor gar nicht so langer Zeit ebenfalls unvorstellbar.

Deutschland weit hinten im internationalen Vergleich

Nach einer empirischen Studie von Medienwissenschaftlern der Universität Dortmund und Siegen macht der geschätzte Anteil der hauptberuflich tätigen Journalisten mit Migrationshintergrund etwa 1,2 Prozent aus. Was die ethnische Diversität betrifft liegt Deutschland im Vergleich zu Ländern wie den USA, Kanada und Großbritannien "sehr weit hinten", stellen die Wissenschaftler fest.

Neue Blickwinkel durch Journalisten mit ausländischen Wurzeln

Die Zuwanderungsbiographie ist sicherlich nicht per se die Garantie dafür, über Themen rund um Zuwanderung besser als Vertreter der Mehrheitsgesellschaft zu berichten. Zweifelsohne haben aber "Menschen mit dem großen M" einen anderen Zugang zu Personen aus den Einwanderergemeinden und einen anderen Blick auf ihre Lebenswirklichkeit. Journalisten aus Einwandererfamilien sind einerseits Identifikationsfiguren für Zugewanderte, andererseits spiegeln sie in den Medien die Realität dieser bundesrepublikanischen Gesellschaft wider, die eben nicht mehr homogen ist, sondern sich aus Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammensetzt.

Canan Topçu, 12.01.2009

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