DIK - Deutsche Islam Konferenz - Medientagungen

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Konferenzen zum Islambild in deutschen Medien und der Verantwortung von Medienschaffenden

Auf der Grundlage der Beschlüsse des 2. Plenums der Deutschen Islam Konferenz (DIK) initiierte die Arbeitsgruppe "Wirtschaft und Medien als Brücke" (AG 3) am 27. Februar 2008 gemeinsam mit der Herbert-Quandt-Stiftung die Fachkonferenz "Das Islambild in Deutschland: Neue Stereotype, alte Feindbilder?".

Ziel der Fachkonferenz war es, das öffentliche Bild und Image von Muslimen in Deutschland, aber auch ihre Selbstdarstellung zu analysieren und eine beidseitig differenziertere Berichterstattung und Betrachtungsweise anzuregen. Hierfür diskutierten Journalisten, Politiker, Medienwissenschaftler und Vertreter muslimischer Verbände lebhaft und teilweise kontrovers.

Politiker unterstützen differenziertes Islambild

In der Arbeitsgruppe 3 der DIK, die sich neben wirtschaftlichen Aspekten unter anderem mit dem Medienbild des Islam in Deutschland auseinander setzt, herrscht Übereinstimmung darüber, dass die aktuelle Berichterstattung zum Islam den Gewaltaspekt überproportional fokussiert. Sie wirbt deshalb für eine verantwortungsvolle, vorurteilsfreie und differenzierte Berichterstattung, die stärker alltagsnahe Themen zum islamischen Leben in Deutschland aufbereitet.

Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen unterstützen den Ruf nach einem differenzierten Islambild und betonten, dass das Gefühl vieler Muslime, ausgegrenzt und abgelehnt zu werden, eines der zentralen Probleme der deutschen Integrationspolitik darstellt. "Wenn sich jemand in der evangelischen Kirche engagiert, nennen wir das Ehrenamt, aber wenn sich jemand in der Moschee engagiert, ist das die Parallelgesellschaft", bemerkte z. B. der Integrationsminister aus Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU).

Besonders bemängelt wurden die Berichterstattung des Spiegels und die der öffentlich-rechtlichen Sender. "Bei ARD und ZDF werden Gewalt und Terrorismus regelmäßig mit dem Islam gleichgesetzt", kritisierte z. B. Kai Hafez von der Universität Erfurt. Hafez sprach von einer regelrechten Negativagenda.

Fachkonferenz "Medien in Deutschland: Integrationshemmnis oder Chance?"

Im Nachgang zur dieser Fachkonferenz kamen am 19. Juni 2008 in den Räumen des Bundespresseamtes in Berlin 80 Journalisten, Politiker und Medienwissenschaftler zusammen, um auf Einladung des Bundesministeriums des Innern über die Rolle und Verantwortung der Medien im hiesigen Integrationsprozess zu diskutieren.

Bei der Fachkonferenz "Medien in Deutschland: Integrationshemmnis oder Chance?" wurden lebhafte und teilweise kontroverse Diskussionen geführt und vielfältige Anregungen gegeben. Bei allen Meinungsverschiedenheiten waren sich die Teilnehmer darin einig, dass die Medien im Prozess der Integration unzweifelhaft eine bedeutende und zentrale Rolle spielen würden. Sie bemängelten, dass die Medien in Deutschland bislang ein nur unvollständiges Bild der Migrantinnen und Migranten und ihrer Bedeutung im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben unseres Landes zeichnen würden.

Teilnehmer fordern mehr Verantwortungsbewusstsein der Medien

Stattdessen werde über Migrantinnen und Migranten überwiegend in Problemzusammenhängen berichtet, frei nach dem Motto "Bad news are good news and good news are no news". Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserats, illustrierte Beispiele aus der täglichen Berichterstattung, welche die entsprechende Beobachtung der Teilnehmer bestätigte.

Um die Vermittlung eines differenzierten Blicks, der auch den gelebten Alltag mit einbezieht, zu gewährleisten, forderten die Teilnehmer neben einem verstärkten Verantwortungsbewusstsein seitens der Medien auch und vor allem die Rekrutierung von mehr Journalistinnen und Journalisten sowie Medienschaffende mit Migrationshintergrund. Bisher seien sie im Medienbetrieb unterrepräsentiert, so der Tenor unter den Teilnehmern.

Konsum deutscher und türkischer Medien fördern die Integration

In den Diskussionen wurde u. a. auch die Frage nach Rolle und Verantwortung der türkischen Medien im hiesigen Integrationsprozess gestellt. Die These vom Medienghetto, in das sich die türkische Bevölkerung in Deutschland zurückziehen würde, entspreche nicht der Realität, so Prof. Dr. Hans Jürgen Weiß vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Vielmehr wiesen Studien auf eine komplementäre Nutzung von deutschen und türkischen Medienangeboten hin. Auch der viel behauptete Zusammenhang zwischen Konsum türkischer Medien und Separationserscheinungen sei durch seine Studien nicht belegbar. Vielmehr könnte dieser Medienkonsum integrationsfördernd wirken, wenn die Relevanz medialer türkischsprachiger und deutschsprachiger Informationsquellen gleich hoch eingeschätzt wird.

Ursache und Wirkung - Selbstreflektion ist gefragt

Letztlich waren sich alle Teilnehmer einig, dass die Art und Weise der Medienberichterstattung natürlich von den Medienschaffenden selbst abhängen würde. Aber die Freiheit der Meinungsäußerung und der Presse bringe neben Privilegien auch Verantwortung der an Medienproduktionen Beteiligten mit sich. Sie seien daher gefordert als eigenverantwortlich handelnde Eliten kritisch über die Entstehung, Wirkung und Konsequenzen von Veröffentlichungen zu reflektieren.

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