DIK - Deutsche Islam Konferenz - Muslimische Sendungen

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Sendungen von Muslimen in Deutschland

Aiman Mazyek greift gerne aktuelle Themen auf. In seinem jüngsten Beitrag für das "Islamische Wort" geht er auf das Opferfest ein. Er nimmt das islamische Fest zum Anlass, über Gottes Prüfungen zu sprechen. "Im Grunde erleben wir tagtäglich Prüfungen, bei denen unsere Geduld, unser Glaube an Gott und auch unsere wahren Absichten auf dem Prüfstand stehen", so Mazyek.

Das "Islamische Wort" im SWR

Etwa sechs Minuten dauert die Sendung für das "Islamische Wort", die der Südwestrundfunk an jedem ersten Freitag im Monat über sein Internetradio SWR cont.ra veröffentlicht. Mazyek ist Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) und einer von vier Autoren, die im Auftrag des SWR über ihren Glauben sprechen. Zum Team gehören auch Bekir Alboga, Dialogbeauftragter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), die Religionspädagogin Emina Corbo-Mesic und die Publizistin Hilal Sezgin.

Die Freiheit, über Glauben zu sprechen

Die vier muslimischen Autoren äußern sich im monatlichen Wechsel zu selbst gewählten Themen. So nutzt beispielsweise Hilal Sezgin die ihr zur Verfügung gestellte Sendezeit, um aus persönlicher Perspektive über ihren Glauben zu reflektieren. Zuletzt machte sie sich Gedanken über die Frage, was es heißt, als guter Mensch zu leben.

"Ich habe die Freiheit, zu sagen, was ich denke", betont Sezgin. Und gerade das schätzt sie am Konzept des Islamischen Wortes. Es ermögliche ihr, über religiöse Inhalte und ihren Glauben zu sprechen, ohne sich dafür zu rechtfertigen. Denn hierzulande gerieten Muslime viel zu oft in die Situation, sich erklären zu müssen.

Das "Forum am Freitag" im ZDF

Premiere hatte die SWR-Sendereihe "Islamisches Wort" am 20. April 2007. Knapp drei Monate später zog das ZDF nach und erweiterte sein Internetangebot um die Sendung "Forum am Freitag". Auch dies ist eine Sendung, in der Muslime zu Wort kommen. Zu sehen sind sie im Internet und freitags um 20:45 Uhr auch im ZDF-Infokanal.

Das Programm widmet sich jeden Freitag einem bestimmten Thema und besteht aus einem Interview, einem so genannten Wissensmodul und einem moderierten Online-Forum. Gesprächspartner sind Vertreter der organisierten Muslime und andere muslimische Persönlichkeiten. Die Redaktion Kirche und Leben verantwortet die Sendung, die ZDF-Redakteure Abdul-Ahmad Rashid und Kamran Safiarian konzipieren und gestalten die Beiträge.

"Wir reagieren auf aktuelle Ereignisse und greifen Themen auf, die die muslimischen Gemeinden beschäftigen", berichtet Rashid. So sprach in einem der Beiträge der aus der Türkei stammende Tourismusunternehmer Vural Öger über Geldgeschäfte und Islam. Öger ist Geschäftsführer von Öger Tours und Mitglied des Europäischen Parlaments.

Kritik an medialer Plattform für Muslime

Der SWR hat sein Format als "Glaubensbeiträge" konzipiert. Beim ZDF geht es hingegen darum, dass muslimische Redakteure selbst "Informationen über ihren Glauben, ihre Kultur und Tradition sowie ihren Alltag in Deutschland vermitteln". Die Sendungen starteten allerdings bei weitem nicht so unspektakulär, wie es scheinen mag.

Es hagelte heftige Kritik, als bekannt wurde, dass die beiden öffentlich-rechtlichen Sender Muslimen im Internet eine Plattform geben werden. Im Gegensatz zum damaligen SWR-Intendanten Peter Voß und zum ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut sahen konservative Landes- und Bundespolitiker in der Erweiterung des Programms keineswegs einen Beitrag zur Integration. Vielmehr wurde die schleichende Islamisierung öffentlich-rechtlicher Sender befürchtet.

Keine Werbung für die islamischen Sendungen

Bislang hat der SWR via Internet 19 Sendungen veröffentlicht. Und seit dem 6. Juli 2007 haben Rashid und Safiarian im ZDF etwa 80 Sendungen produziert, ohne dass ihre Arbeit für Ärger sorgte. Es gab aber auch wenig Lob. Es scheint, als seien die Online-Angebote von ZDF und SWR in Vergessenheit geraten. Was auch damit zusammenhängen mag, dass die Sender für beide Sendungen nicht werben.

DIK inspirierte ZDF und SWR

SWR-Intendant Voß hatte sich von der Deutschen Islam Konferenz (DIK) inspirieren lassen, Sendungen von Muslimen gestalten zu lassen. Kurz vor seiner Pensionierung ließ er das "Islamische Wort" umsetzen. Auch Dr. Reinold Hartmann, Leiter der ZDF-Redaktion "Kirche und Leben evangelisch" sieht die Bedeutung der DIK für das Angebot des Mainzer Senders: "Mit der Deutschen Islam Konferenz hat das BMI ein wichtiges Zeichen in der Integrationsdebatte gesetzt und das haben wir sehr bewusst beim ZDF wahrgenommen. Sie hat uns bei unseren Bemühungen, auch im medialen Bereich einen Beitrag für die Integration von Muslimen zu leisten, ermutigt".

Als eine Art Versuchsballon bewertet Rashid das "Forum am Freitag". An den anfänglichen Reaktionen der Zuschauer sei ihm klar geworden, dass die Zeit noch nicht reif sei. "Um eine Sendung wie das Forum am Freitag im Hauptprogramm ausstrahlen zu können, muss sich die gesellschaftliche Stimmung erheblich ändern", sagt der ZDF-Redakteur.

Canan Topçu, 12.01.2009

Mehr zu diesem Thema

Das islamische Wort des SWR ist unter "Religiöse Sendungen Islam" zu finden unter: www.swrcontra.de

Die Sendungen des "Forum am Freitag" des ZDF sind abzurufen unter: www.forumamfreitag.zdf.de

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