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Fasten im Ramadan im deutschen Alltag

Im Monat Ramadan fasten viele Muslime tagsüber. Nur wenn die Sonne nicht scheint, essen und trinken sie in dieser Zeit. Führt das Fasten für Muslime in bestimmten Situationen zu Schwierigkeiten?

Ümmühan Çiftçi, 20, Medizinstudentin und Geschäftsführerin der Simit Sneckbar in Kassel: Ich halte das Fasten im Ramadan ein. Im Monat Ramadan schaffe ich es, Aufgaben zu erledigen, die ich das ganze Jahr über sonst vor mir her schiebe. Es stellt einen sehr geselligen und intensiven Monat für mich dar. Während der Schulzeit wurde ich von vielen Lehrern darauf aufmerksam gemacht, dass das Fasten doch nicht gesund für mich sein könne, ich solle lieber damit aufhören. Ich musste mich oft rechtfertigen und erklären, dass es meine Entscheidung ist. Ich hätte mir gewünscht, dass etwas mehr Rücksicht auf die fastenden Schüler genommen würde, denn gemeinsame Frühstücke, Mathewettbewerbe oder Wandertage müssen doch nicht unbedingt im Ramadan stattfinden.

Karl-Heinz Abdulkarim Schultz, 48, Verwaltungsangestellter: Ich faste im Ramadan und habe damit auch am Arbeitsplatz bisher keine Probleme gehabt. Es wird toleriert. Manchmal wird sogar fast zuviel Rücksicht darauf genommen – wenn ich beispielsweise mit Kollegen essen gehe, finde ich nicht, dass sie auch mit dem Essen warten müssen bis die Sonne untergegangen ist. Das Fasten im Ramadan ist meine persönliche Sache. Manchmal werde ich gefragt, ob das Fasten denn gesund sein kann. Falls mich das Fasten gesundheitlich beeinträchtigen sollte, mache ich es nicht. Das Fasten ist ja sowieso nur Gesunden vorgeschrieben.

Julia Feder*, 37, Soziologin: Unbedingt. Diese schöne Zeit im Jahr möchte ich auf keinen Fall missen. Und damit meine ich nicht die gemeinsamen Essen mit Freunden und Familie. Wer einmal die Früchte des Fastens im Ramadan geschmeckt hat, kann es nicht mehr lassen. Und so habe ich auch noch nie Schwierigkeiten damit gehabt, eher mit dem Einhalten des Fastenbrechens.

Deniz Bulut*, 27, Realschullehrerin in den Fächern Mathematik und Erdkunde, macht eine Weiterbildung zur islamischen Religionslehrerin in Baden-Württemberg: Ich faste, aber ich sage es nicht in der Schule. Es ist meine persönliche Sache. Wenn ich zum Beispiel reise oder meine Periode habe, faste ich nicht – dann ist es nicht vorgeschrieben. Dann trinke ich auch auf der Arbeit. Ich habe das Gefühl, dass ich von Kollegen beobachtet werde, darum trinke ich vor Ihnen, weil sie ahnen, dass ich doch bestimmt auch faste. Aber in der Öffentlichkeit gehe ich nicht zum Essen ins Restaurant oder so.

Die mit * gekennzeichneten Namen wurden von der DIK-Redaktion geändert.

Die Fragen stellte Iris Exo, 02.04.2009.

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