DIK - Deutsche Islam Konferenz - Persönliche Erfahrungen

Navigation und Service

Persönliche Erfahrungen mit dem Kopftuch

Frauen, die ein Kopftuch tragen, sind sofort als Musliminnen erkennbar. Für einige Muslime und Musliminnen gehört das Tragen des Koptuchs zur Ausübung ihrer Religion. Gibt es Situationen, in denen Musliminnen das Kopftuch ablegen oder ablegen müssen, es aber nicht wollen? Um einen Einblick zu bekommen, wie Muslime in Deutschland das Thema Kopftuch einschätzen, antworten einige auf diese Frage.

Ümmühan Çiftçi: Ich trage das Kopftuch nicht. In meiner Familie tragen viele Frauen ein Kopftuch – zum Beispiel meine Mutter. In der Moschee und zum Beten trage ich es natürlich. Ich denke es ist in den Köpfen von vielen verankert, dass allein Frauen, die das Kopftuch tragen, sehr religiös sind. Darum denken vielleicht viele, die mich kennen, dass ich nicht so religiös bin. Aber so ist es nicht – Religion ist für mich sehr wichtig. Ich möchte auch noch mehr über meine Religion wissen und bemühe mich, mich in dem Bereich weiterzubilden. Für mich ist das fünfmalige Beten viel wichtiger, als das Tragen des Kopftuchs. Das ist meine ganz persönliche Ansicht, genauso respektiere und verstehe ich aber auch die Entscheidung für das Kopftuch. Jedem seine eigene Entscheidung!
Um Vorurteile abzubauen, habe ich in meiner Schule einige Male erfolgreiche Muslime und Musliminnen – sehr gerne auch mit Kopftuch – eingeladen, damit meine Mitschüler ihnen Fragen stellen konnten zum Islam, zum Alltag der Muslime und zu ihren erfolgreichen Karrieren. Das Angebot kam sehr gut an. Meine Mitschüler hatten somit eine Gelegenheit, manche für sie im ersten Augenblick sehr fremde Lebensweisen besser nachvollziehen zu können.

Julia Feder*: Ja, eine Zeit lang habe ich das Kopftuch getragen, was jedoch nicht bedeutet, dass ich strikt für oder gegen das Kopftuch wäre, denn ich habe darin nie ein politisches Statement gesehen. Mit diesem Stück Stoff halte ich es eher wie mit den Speisevorschriften; mir ist der tiefere Sinn wichtig. Zu jener Zeit war es mir ein besonderes inneres Bedürfnis, meinen Glauben auf die Probe zu stellen, um mich meiner Selbst zu vergewissern. Die wertvollen positiven wie negativen Erfahrungen möchte ich nicht missen, auch wenn sie bedeuteten, so manches Mal ausgegrenzt und benachteiligt zu werden. Es hat mir meine Augen geöffnet und meinen Blick geschärft.

Karl-Heinz Abdulkarim Schultz: Ich verstehe das Kopftuch nicht als religiöses Symbol, sondern eher als traditionelles. Meine Frau trägt kein Kopftuch. Sie kommt aus Somalia und dort tragen zum Beispiel die verheirateten Frauen ein Kopftuch.

Deniz Bulut*: Ich trage normalerweise ein Kopftuch, aber in der Schule trage ich keins. Es weiß dort auch niemand, dass ich außerhalb der Schule ein Kopftuch trage. Meine Überzeugung ist zwar, dass das Ablegen des Kopftuchs nicht richtig für meine Religion ist, aber ich will unterrichten. Und ich will auch nicht ständig darüber diskutieren. Es stört mich, dass Leute mich immer nur auf das Kopftuch ansprechen. Mein Leben dreht sich nicht nur um Religion, deshalb möchte ich nicht andauernd darüber sprechen.

Die mit * gekennzeichneten Namen wurden von der DIK-Redaktion geändert.

Die Fragen stellte Iris Exo, 02.04.2009.

Zusatzinformationen

Hand mit Buntstift und Arbeitsblatt

Islamischen Religionsunterricht einführen

Kinder muslimischen Glaubens sollen an öffentlichen Schulen islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache erhalten. Modellprojekte gibt es bereits seit einigen Jahren. Die DIK erarbeitete Empfehlungen zu Voraussetzungen für eine schnelle Einführung des Unterrichts.

Mehr: Islamischen Religionsunterricht einführen …

Grabstein auf türkischem Friedhof in Berlin-Neukölln

Geschichte der Muslime in Deutschland

Die heutige Präsenz von Muslimen in Deutschland ist in erster Linie eine Folge der Arbeitsmigration der 1960er und 1970er Jahre. Aber einige Muslime lebten schon im 17. Jahrhundert hier - eine Spurensuche.

Mehr: Geschichte der Muslime in Deutschland …

Cover - Publikationen

Publikationen

Hier finden Sie das Zwischenresümee der DIK sowie den Flyer der Deutschen Islam Konferenz und andere aktuelle Publikationen als pdf-Dateien zum Herunterladen.

Mehr: Publikationen …