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Dr. de Maizière besucht Fastenbrechen in größter Berliner Moschee

Bundesinnenminister Dr. de Maizère hört in der Moschee einer Kopftuch tragenden Frau zu, neben ihm stehen andere Gemeindemitglieder Der DITIB-Vorsitzende Dr. Aşıkoğlu und Bundesinnenminister Dr. de Maizière erhalten eine Führung in der Şehitlik-Moschee in Berlin Quelle: BMI

Am 6. Juli 2015 folgte der Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière einer Einladung zum Fastenbrechen der Şehitlik-Moschee in Neukölln. Seit Beginn des Ramadan am 18. Juni 2015 fasten Muslime auf der ganzen Welt. Essen, Trinken und Rauchen sind tagsüber nicht erlaubt.  Traditionell wird das tägliche Fasten im Ramadan nach dem Abendgebet mit einem gemeinschaftlichen Mahl gebrochen.  

Rund 250 Gäste - Muslime wie Nicht-Muslime - waren am Abend des 6. Juli im Hof der größten Berliner Moschee, die dem Dachverband der DITIB angehört, zusammen gekommen. Bevor an feierlich gedeckten Tischen das Fasten gebrochen wurde, richteten u.a. der DITIB-Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Nevzat Yaşar Aşıkoğlu, der Botschafter der Türkei in Deutschland, Herr Hüseyin Avni Karslıoğlu, die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Frau Franziska Giffey sowie zum Abschluss Herr Bundesminister Dr. de Maizière Grußworte an die Gäste.

Herr de Maizière brachte seinen Wunsch zum Ausdruck, dass jeder der schätzungsweise vier bis fünf Millionen Muslime in Deutschland sich als wertvolles Mitglied der Gesellschaft fühlen solle. Er bedaure es, wenn er von dem Gegensatzpaar "Wir Muslime/Ihr Deutschen" oder "Wir Deutsche/Ihr Muslime" höre. Das gesellschaftliche Klima in Deutschland sei zwar rauer geworden, aber letztlich seien alle - wie an diesem Abend - unter einem gemeinsamen Himmel vereint. Es sei wichtig, gemeinsam zu arbeiten, aber auch, gemeinsam zu streiten.

Lesen Sie hier das Grußwort

Grußwort von Herrn Bundesminister de Maizière zum Ramadan

Menschen muslimischen Glaubens machen heute fünf Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Viele von ihnen fasten im islamischen Monat Ramadan, der am 18. Juni begonnen hat. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit, die Raum bietet für innere Einkehr und die Besinnung auf den Glauben. Gleichzeitig ist sie eine Zeit, in der Muslime die Gemeinschaft mit ihrer Familie und Freunden besonders intensiv erleben. Ich freue mich, dass vielerorts viele Muslime auch ihre nicht-muslimischen Freunde in diese Gemeinschaft beim abendlichen Fastenbrechen einbeziehen. Sie tragen damit zum Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft bei.

Mir ist es wichtig, dass sich jeder der schätzungsweise vier Millionen Muslime auch als relevanter, ja als wertvoller Teil dieser deutschen Gesellschaft wahrgenommen fühlt. Es trifft mich, wenn Muslime von dem Gegensatzpaar "wir Muslime/Ihr Deutschen" sprechen. Genauso ärgert es mich, wenn ich umgekehrt höre: "Wir Deutschen/Ihr Muslime".

Bundesinnenminister Dr. de Maizère sitzt umgeben von Gemeindemitgliedern und Politiker am gedeckten Tisch beim Fastenbrechen der Sehitlik Moschee in Berlin.Bundesinnenminister Dr. de Maizière folgte der Einladung zum Fastenbrechen der Şehitlik-Moschee in Berlin Quelle: BMI

Als die Islamkonferenz vor neun Jahren ins Leben gerufen wurde, war es ihr erklärtes Ziel, die Teilhabe der Muslime am gesellschaftlichen Leben in Deutschland zu stärken. Und gemeinsam haben wir auch schon viel erreicht. Manchmal gab es auch Reibungen und Konflikte - aber das war im Ergebnis wohl auch gut so. Wir sollten jetzt auch außerhalb der Islamkonferenz besser darin werden, offen über Probleme zu diskutieren anstatt uns - wie leider noch viel zu oft - in Symbol-Diskussionen zu verlieren.

Ich meine, wir sind reif für einen offenen, für einen wahrhaften Dialog auch über tiefer gehende Fragen. Dazu gehört für mich die Frage, wie weit die Akzeptanz des Islam in der Mehrheitsgesellschaft wirklich gediehen ist. Oder aber auch die Frage, wie Juden und Muslime künftig in unserem Land zusammen leben möchten.

Die Toleranz - das Dulden der Andersartigkeit - ist die erste Voraussetzung für ein gutes Miteinander. Die nächste Stufe muss jedoch die Anerkennung des Anderen sein, oder anders formuliert, die Erkenntnis, dass auch von "dem Anderen" ein Beitrag für unser gesellschaftliches Miteinander geleistet wird.

Aus vielen Gesprächen weiß ich jedoch: Islamische Verbände haben mitunter den Eindruck, dass z.B. ihre Leistungen im Bereich der Wohlfahrt zu wenig gewürdigt werden. Und das stimmt wohl auch.

Seit gut einem Jahr befasst sich die Islamkonferenz nun mit dem Thema Wohlfahrt. Und ich habe in dieser Zeit viel gelernt, was ich so bisher nicht gewusst hatte. Ich denke, dass wir Ende dieses Jahres, wenn wir das Thema vorerst abschließen, dazu beigetragen haben werden, die caritativen Leistungen der Muslime besser wahrzunehmen und anzuerkennen.

Wir begrüßen es ganz ausdrücklich, wenn die muslimischen Organisationen in Deutschland weiter heimisch werden. Dazu gehört, dass Vertreter der Moscheegemeinden auch ihre Vorstände bilden, d.h. dass es Menschen sind, die dauerhaft hier leben und das Gemeindeleben selbstbewusst mitgestalten. Wir wünschen uns, dass auch die Imame der Moscheen zunehmend solche sind, die schon länger in Deutschland leben oder hier aufgewachsen sind.

Für die Zeit, in der noch nicht genügend Nachwuchs aus Deutschland existiert, fördert der Staat die sprachliche und landeskundliche Fortbildung von Imamen, die aus dem Ausland gekommen sind.

Dies ist auch ein Ergebnis der Deutschen Islam Konferenz, genauso wie die neu geschaffenen Zentren für islamische Theologie, die ebenfalls vom Bund gefördert werden, ebenso wie die Etablierung islamischen Religionsunterrichts in den Ländern, ein wichtiger Schritt, angestoßen von der Deutsche Islam Konferenz.

Ich wünsche mir, dass wir vereint weiter daran arbeiten, dass Deutschland auch für unsere Kinder eine gute, eine gemeinsame Heimat sein wird. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen weiterhin einen gesegneten Ramadan und wunderbare Feiern am seinem Ende.

DIK-Redaktion

Datum 09.07.2015

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